Der Großteil der Leerrohre, in die später die Glasfasern eingeblasen werden, sind in Seelbach und Schuttertal schon verlegt. Foto: Köhler

Seelbach und Schuttertal atmen auf: Der Bund hat die Fördergelder für den Glasfaserausbau in den Außenbezirken bewilligt. Bis jeder Hof angeschlossen ist, wird es jedoch noch etwas dauern. Derweil kommen die Arbeiten in den Ortskernen gut voran.

Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk war es für Matthias Litterst nicht. „Es ist nichts Neues, damit haben wir gerechnet“, kommentiert der Schuttertäler Bürgermeister die Ausschüttung der Fördergelder des Bundes. Dennoch sei es „immer eine Erleichterung“, wenn die Summen schließlich ankommen.

 

Denn nun steht endgültig fest: Nicht nur Anschlüsse bis zu einer Geschwindigkeit von 100 Megabits pro Sekunde, sondern auch Anschlüsse mit bis zu 250 Megabits werden gefördert. Eine große Erleichterung für die kleine und auch dadurch finanzschwächere Gemeinde, die sich den Ausbau in den Außenbereichen einiges kosten lässt. 12,5 Millionen Euro werden fällig, um für schnelles Internet auch in allen Seitentälern zu sorgen. 90 Prozent davon werden gefördert, dennoch bleibt es die größte Investition der Gemeinde, wie der Rathauschef bereits vor einem Jahr betonte.

Für den Glasfaserausbau in den Ortskernen muss die Gemeinde derweil keinen Cent hinblättern. Die Firma Unsere Grüne Glasfaser (UGG) übernimmt diesen auf eigene Kosten – und macht dabei gute Fortschritte, wie der Bürgermeister erläutert: „Die Arbeiten in den Ortsteilen Schuttertal und Dörlinbach sind nahezu abgeschlossen. In Dörlinbach fehlt noch der Hauptstrang in der Hauptstraße.“ Auch in Schweighausen hätten die Arbeiten schon begonnen. Die Baufirmen schaffen dabei zurzeit auch die Anschlusspunkte für den Ausbau in den Außenbezirken. „Im Großen und Ganzen funktioniert es sehr viel besser als in anderen Gemeinden“, bilanziert der Rathauschef. Die „üblichen Nebengeräusche“ einer Baustelle gebe es auch in Schuttertal, doch nicht annähernd die Probleme, wie sie etwa Neuried oder Meißenheim verzeichneten.

„Backbone“-Leitung über den Schönberg fehlt noch

Bis alle Anwohner merklich flotter surfen, wird jedoch noch einiges an Wasser die Schutter hinunterfließen. „Der Hauptstrang über den Schönberg liegt noch nicht“, erklärt der Bürgermeister. Diese „Backbone“-Leitung, mit der das Schuttertal ans überregionale Glasfasernetz angeschlossen wird, soll 2025 geschaffen werden, wie zuletzt zu hören war. Im kommenden Jahr will die Gemeinde Schuttertal auch die Ausschreibung für den Ausbau in den Außenbezirken auf den Weg bringen, blickt Litterst voraus.

Noch erleichterter als in Schuttertal ist man im Seelbacher Rathaus über die zusätzlichen Fördermittel. „Über die Information haben uns selbstverständlich sehr gefreut, bestand in den vergangenen Monaten doch viel Unsicherheit, wann und ob eine mögliche Förderung kommt“, erklärt Bürgermeister Michael Moser. Die Förderung sei ein „wichtiger Baustein“ für die Digitalisierung der Gemeinde.

Seelbach war unsicher, ob Fördermittel kommen

Auch in Seelbach übernimmt die UGG eigenwirtschaftlich den Ausbau in den Ortskernen. „Die Zusammenarbeit mit der örtlichen Bauleitung funktioniert hervorragend. Inzwischen sind rund 75 Prozent der Leerrohrinfrastruktur in den Ortsteilen Seelbach und Wittelbach verlegt“, kann sich Moser nicht über Schwierigkeiten beklagen. Voraussichtlich im März 2025 werden die Ausgrabungsarbeiten fortgesetzt, kündigt der Rathauschef an.

Für den Ausbau in den Außenbereichen sind Moser zufolge Eigenmittel in Höhe von 1,05 Millionen Euro in den Haushaltsjahren 2025 und 2026 vorgesehen. „Trotz der angespannten finanziellen Situation ist dieses Infrastrukturprojekt für uns von enormer Bedeutung“, betont der Bürgermeister. Die Bewilligung der Bundesfördermittel sei dabei ein „entscheidender Schritt, denn so können wir eine flächendeckende Versorgung aller Anwesen in Seelbach sicherstellen“. Und wann geht’s mit den Arbeiten im Außenbereich los? Moser nennt kein konkretes Datum, betont jedoch, dass man mit der Grundlage der Förderung „optimistisch auf die zeitnahe Umsetzung dieses wichtigen Vorhabens“ blicke.

Die Technik

Die Glasfasern, die mit Druckluft in die zuvorverlegten Leerrohre hineingeblasen werden, entstehen, wenn man geschmolzenes Glas in lange Fäden zieht. Diese können dann mit einer Geschwindigkeit von 1000 Megabits pro Sekunde Lichtsignale bis in die Haushalte transportieren. Dort werden sie in elektrische Signale umgewandelt.