Feuerbestattungen haben zugenommen – auch in Lahr. Foto:  

Obwohl regionale Bestatter ein Krematorium bauen wollen, rückt die Stadt Lahr nicht davon ab, künftig die Einäscherung auf dem Bergfriedhof zu betreiben. Rückenwind dafür kam jetzt vom Hauptausschuss.

Der Haupt- und Personalausschuss des Gemeinderats (HPA) hat, wie berichtet, am Montagabend hinter verschlossenen Türen über die neueste Entwicklung beim Krematorium diskutiert. Denn mit der Ankündigung von sieben Bestattern wenige Tage zuvor, eine eigene Einäscherungsanlage betreiben zu werden, ist eine völlig veränderte (Konkurrenz-)Lage eingetreten. Deshalb hatte die Verwaltung die Beratung kurzfristig in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung verlegt.

 

Das Ergebnis hat die Stadt tags darauf selbst öffentlich gemacht. In der Mitteilung heißt es: „Der Haupt- und Personalausschuss hat dem Gemeinderat mit klarer Mehrheit empfohlen, eine stadteigene kommunale GmbH für den Betrieb des städtischen Krematoriums ab Oktober 2027 zu gründen.“

Sprich die Ausschussmitglieder scheuen die Konkurrenz durch die Bestatter nicht. Sollte der Gemeinderat diese Haltung teilen, wird es ab Oktober 2027 zwei Krematorien im Raum Lahr geben. Denn auch die Bestatter haben mitgeteilt, ihrer Sache sicher zu sein: Sie wollen ein eigenes Krematorium bauen, das für das Abschiednehmen der Hinterbliebenen, aber auch für die Leichenversorgung durch die Bestatter bessere Bedingen als das städtische bieten werde (wir haben berichtet).

Auch wenn diese Ankündigung überraschend kam – ein Schock war sie für die Verantwortlichen bei der Stadt offenbar nicht. Das lässt sich aus ihrer aktuellen Mitteilung herauslesen. Schon im vergangenen Jahr habe man ein externes Gutachten vorgelegt, das die Wirtschaftlichkeit eines möglichen städtischen Krematoriums in Lahr beleuchtet, wird darin betont. Daraus gehe hervor, dass sich so eine Anlage selbst bei einer möglichen Konkurrenz rentieren würde. „Das unternehmerische Risiko bewertet die Stadtverwaltung vor diesem Hintergrund als überschaubar. Für die abschließende Entscheidung des Gemeinderats wird sie die Thematik nochmals ausführlich aufbereiten“, heißt es aus dem Rathaus.

Intensive Diskussion im Ausschuss führte zu einem klaren Ergebnis

Der Hintergrund ist bekannt: Ab 2027, wenn der Pachtvertrag mit dem aktuellen Betreiber ausläuft, will die Stadt Lahr die Einäscherungsanlage auf dem Bergfriedhof in die eigene Hand nehmen. Dazu soll die in die Jahre gekommene Einrichtung umfassend modernisiert werden.

Von diesem Ansinnen ließ sich der HPA am Montag durch die Initiative der Bestatter nicht abbringen. Nach Informationen unserer Redaktion war die Diskussion intensiv und führte zu einem klaren Tenor: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Verwaltung wie Stadträte sind nach wie vor vom Konzept überzeugt. Nicht zuletzt dank der Lage: Mit dem Bergfriedhof, auf dem Generationen von Lahrer Familien beerdigt sind, halte man ein starkes Faustpfand, so die einhellige Meinung. Zudem, wurde angemerkt, hätten längst nicht alle Bestatter in der Region den Brief unterschrieben. Und: Von den sieben Absenderfirmen seien drei in der Hand einer Unternehmerfamilie.

Entsprechend zuversichtlich zeigte sich das Gremium, trotz privater Konkurrenz bestehen zu können – auch finanziell. Zum einen kämen die avisierten Einnahmen der Stadt der Allgemeinheit zugute. Zum anderen gehe es nicht um Einzelinteressen, sondern in erster Linie darum, den Angehörigen einen möglichst pietätvollen Abschied von den Verstorbenen zu ermöglichen.

Weder der aktuelle Betreiber des städtischen Krematoriums noch die Bestatter wollten sich am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion äußern. Aus deren Umfeld ist aber zu hören, dass man mit dem Vorgehen der Stadtspitze alles andere als einverstanden ist. Erst als ihr Ende vergangenen, Anfang dieses Jahres die Pläne zum Bau eines privaten Krematoriums zu Ohren gekommen seien, sei sie „aufgewacht“, sagt Marcus Lösle, einstiger Mitbetreiber des Krematoriums.

Schuttern soll angeblich der Standort-Favorit für das neue Krematorium sein

Es habe sogar bereits eine Bauvoranfrage auf Lahrer Gemarkung gegeben, die das Rathaus aber mit Verweis auf das Fehlen eines entsprechenden Sondergebiets negativ beschieden habe. Der Noch-Betreiber wäre bereit gewesen, die Pacht um ein Vielfaches zu erhöhen – die Rede ist von einem sechsstelligen Betrag im Jahr –, doch das habe die Stadt Lahr nicht einmal in Betracht gezogen.

Damit, so Lösle, habe sich der Plan der Bestatter verfestigt, eine eigene Einäscherungsanlage zu bauen. Es soll Gespräche mit den Gemeinden Schwanau, Neuried und Friesenheim gegeben haben, nach denen aktuell ein Standort in Friesenheimer Ortsteil Schuttern Favorit sei. Damit verlöre Lahr nicht nur Mieteinnahmen, sondern auch einen dicken Batzen Gewerbesteuer.

Die Stadt will drei Millionen Euro in die Sanierung des Bergfriedhof-Krematoriums investieren. Durch prognostizierte 2500 Einäscherungen jährlich sollen Einnahmen von 1,3 Millionen Euro generiert werden. Ob diese Zahlen Wirklichkeit werden, ist freilich fraglich, sollten die Bestatter ihr Vorhaben in die Tat umsetzen. Sie planen, so ist zu hören, ebenfalls rund drei Millionen Euro für einen Neubau ein, plus die Kosten für das Grundstück. Laut Lösle gehen gut ein Drittel der im Jahr in der Region erfolgten Kremationen auf die Bauherren des „Hauses des Abschieds“ zurück. „Ein seriöser Unternehmer würde an der Stelle der Stadt seine Ertragsberechnung jetzt mit der Hälfte der ursprünglich kalkulierten Einäscherungen machen. Als Lahrer Steuerzahler würde ich die gerne sehen“, sagt Marcus Lösle.

Die Fronten sind also verhärtet. Nichtsdestotrotz haben die Stadträte am Montag Markus Ibert beauftragt, noch einmal das Gespräch mit den Bestattern zu suchen, um vielleicht doch noch eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Der OB hat zu den Bestattern Kontakt auch bereits aufgenommen, bestätigt die Stadt tags darauf. Er werde ihnen noch vor der nächsten Sitzung des Gemeinderats einen Gesprächstermin anbieten.

So geht es weiter

In der Sitzung des Technischen Ausschusses am heutigen Mittwoch (Beginn 17.30 Uhr im Gemeinderatssaal) wird der aktuelle Planungsstand beim städtischen Krematorium vorgestellt – das Ganze ist wieder nichtöffentlich. Ernst wird es in der Sitzung des Gemeinderats am Montag, 26. Mai, ab 17.30 Uhr – dann soll das Stadtparlament in einer öffentlichen Sitzung über die Gründung der Krematorium Stadt Lahr GmbH entscheiden.