Versteckt hinter einem Aktenordner und unter Beobachtung von Justizbeamten: der Angeklagte neben seinem Anwalt Foto: Felix Paschke

Im Rulantica-Prozess geht es am Mittwoch um die Frage, ob dem damals sechsjährigen Mädchen Drogen verabreicht wurden.

Vor dem Freiburger Landgericht hat am Mittwochmorgen der zweite Verhandlungstag des Rulantica-Prozesses begonnen. Am Vormittag ist unter anderem geplant, dass der Vater des Mädchens aussagen wird.

 

Zuvor stellte jedoch ein Toxikologe als Sachverständiger ein Gutachten vor. Die Kernfrage: Hatte das damals sechsjährige Mädchen tatsächlich zum Zeitpunkt der Tat Kokain im Blut?

In der Anklageschrift gegen den 31-jährigen Rumänen heißt es, das Mädchen habe die Drogen-Einnahme zwar vorgetäuscht, das Kokain aber auf den Boden geworfen. So habe es das Mädchen in der Vernehmung gesagt, erklärte am Mittwoch auch der Vorsitzende Richter.

Zumindest in Teilen jedoch muss das Kind „zumindest einige Milligramm Kokain aufgenommen“ haben, sagte der Gutachter am Mittwochmorgen. Und zwar wohl über den Mund und nicht nur über Körperkontakt mit dem Rauschgift, so der Experte auf Basis seiner toxikologischen Untersuchungen.

Geringer Wert

Das habe eine Analyse einer Urin- und Blutprobe vom Tag nach der Tat ergeben, so der Sachverständige. Die Menge sei „im Bereich der Schwelldosis“, aber „sicher weit weg von einer Vergiftung“, erklärte der Toxikologe.

Wie das Rauschgift in den Mund und dadurch ins Blut des Kindes kam, ist dabei nicht geklärt. Denkbar wäre laut Gutachter auch, dass das Mädchen Spuren von Kokain auf den Händen hatte und diese später in den Mund nahm.

Klar ist aber laut dem Sachverständigen: Das Mädchen, das der Angeklagte aus Rulantica entführt und später sexuell missbraucht haben soll, hatte zum Zeitpunkt der Tat zumindest eine kleine Menge Kokain im Blut.

Welche Auswirkungen diese Menge im konkreten Fall auf das Mädchen gehabt hatte, konnte der Sachverständige nicht sagen. Am Montag hatte eine Zeugin, deren Mann die Sechsjährige in Kappel-Grafenhausen gefunden hatte, ausgesagt, dass das Kind Probleme mit dem Trinken von Eistee gehabt haben soll. Laut dem Toxikologen zumindest eine mögliche Auswirkung des erzwungenen Kokain-Konsums.

Unklar ist derweil noch, wieso das Mädchen nach dem Auffinden durch den Mann in Kappel-Grafenhausen und dem Eintreffen der Polizei nicht ärztlich untersucht wurde. Laut Aussagen des Anwalts der Nebenklage habe die Familie das Kind am Morgen nach der Tat eigenständig in eine Klinik gebracht – eine Untersuchung am Abend der Tat vor Ort habe nicht stattgefunden.

Aufgrund des laufenden Verfahrens wollte sich die Staatsanwaltschaft Freiburg auf Anfrage nicht zu Fragen zum Polizeieinsatz am Abend des 9. August 2025 äußern.