Bei den seit Oktober andauernden Ausgrabungen an der Schwanenstraße in Balingen – dem Baugrundstück, wo der Müller-Markt hinkommt – sind die Archäologen im Untergrund auf interessante Dinge gestoßen.
Balingen - Dass das Baugrundstück, auf dem sich zuletzt das Gebäude Spielwaren-Jetter und die frühere "La Pergola" befanden, stadtgeschichtlich von Interesse sein könnte, hatten die Fachleute längst vermutet. Schließlich, das war lange bekannt, verlief dort einst die Stadtmauer, einen Steinwurf entfernt war der Rappenturm, zu dessen Erinnerung nun im Zusammenhang mit der Balinger Gartenschau 2023 eine Reminiszenz entstehen soll.
Grabungen dauern an
Noch Ende 2021 war die Volksbank Hohenzollern-Balingen, Bauherrin des dort geplanten Komplexes, der von der Friedrich- bis tief in die Schwanenstraße hinein geplant ist, zuversichtlich, dass die Bauarbeiten bald beginnen können – und dass zumindest die archäologischen Untersuchungen bis Ende Februar abgeschlossen sein würden.
Doch dieser Zeitplan ist schon wieder obsolet – die Grabungen und deren Dokumentation dauern an –, und vor allem haben die Fachleute der Firma ArchaeoBW, die im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege und auf Kosten der Volksbank tätig sind, interessante Dinge ausgebuddelt. Das Grabungsareal liegt nach Angaben von Mathias Hensch, Gebietsreferent operative Archäologie des LAD, im südwestlichen Randbereich der Balinger Altstadt, unmittelbar nördlich der wohl im 14. Jahrhundert errichteten Stadtmauer. Von dieser ist an der Schwanenstraße noch ein etwa zehn Meter langes Teilstück obertägig erhalten. Doch auch im Boden ist, so Hensch, von der Stadtmauer noch einiges erhalten, und zwar auf einer Länge von 30 Metern. Sehr zur Freude der Forscher: Erstmals habe man dort konkrete Einblicke in die Bauweise der im 14. Jahrhundert entstandenen Stadtmauer gewonnen.
Neue Erkenntnisse zur Stadtmauer
Von besonderem Interesse sind dabei laut Hensch die Reste zweier hölzerner Latrinenschächte, die möglicherweise aus der Stadtgründungsphase des späten 13. oder des frühen 14. Jahrhunderts stammen könnten. Die Untersuchungen in diesem Bereich seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Hensch ist zuversichtlich, dass Jahresringdatierungen der gut erhaltenen Holzkonstruktionen noch genauere Erkenntnisse zu deren Alter erwarten lassen.
Einblick in Stadtentwicklung
Untersucht wurden auf dem Volksbank-Areal an der Schwanenstraße zudem fünf der ehemals neun Bürgerhausparzellen. Vier Grundstücke wurden laut Hensch bereits im 20. Jahrhundert durch moderne Überbauungen und Unterkellerungen "ihrer historischen Strukturen beraubt". Gleichwohl geben die Grabungen einen umfangreichen Einblick in die spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Entwicklung in diesem Teil der Balinger Altstadt vor dem großen Stadtbrand von 1809 und in die anschließende Wiederaufbauphase: Neben Kellern unter den straßenseitigen Vorderhäusern, die zum Teil bis ins Spätmittelalter zurückreichen, konnten auch ebenerdige Gebäude- und Baustrukturen erfasst werden, die von einer handwerklichen oder ökonomischen Nutzung des Areals vom 14./15. bis in das 19. Jahrhundert zeugen.
Die Grabung, so Hensch, sowie die Auswertung der bisher gefundenen Dinge dauern derzeit an. Man verspreche sich "weitere spannende Ergebnisse". Konkreter informieren will das Landesamt für Denkmalpflege darüber Ende März.