Arzt da – Patient nicht: Ausgefallene Termine sind für viele Praxen ein Ärgernis. Foto: dpa/Christian Charisius

Die Kassenärzte fordern eine Strafgebühr, wenn Patienten Termine unentschuldigt ausfallen lassen. Eine gute Idee, die aber nicht zu Ende gedacht ist, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Kollektivstrafen sind ein gängiges Mittel. Viele kennen sie womöglich noch aus der Schule. Auch wenn nur ein paar Schüler den Unterricht stören, lässt dieser im Zweifel für alle die Klassenfahrt ausfallen. Natürlich ist das immer ein wenig ungerecht. Man wirft alle in einen Sack, haut mit dem Knüppel drauf und trifft auch die, die immer brav waren.

 

Ein wenig so wirkt der Vorschlag des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Er hat gefordert, dass es Strafzahlungen für Patienten geben soll, wenn diese unentschuldigt Arzttermine verpassen. „Es ist nicht nur ärgerlich, wenn Patienten Termine in Praxen buchen und diese einfach verstreichen lassen“, sagte Gassen der „Bild“. Zahlen sollen die Strafgebühr aber nicht die Patienten selbst, sondern die jeweilige Krankenkasse.

In der Sache hat Gassen durchaus recht. Arzttermine sind Mangelware, besonders bei bestimmten Spezialisten. Und Praxen können Termine ja nur einmal vergeben. Doch warum sollten die Kassen die Strafgebühr übernehmen? Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass diejenigen, die stets ihre Termine einhalten, mit ihren Beiträgen die Strafzahlungen derjenigen mittragen, die ihre Termine verschusseln. Daher wirkt Gassens Vorschlag nicht zu Ende gedacht.

Die KBV argumentiert, man wolle den Arztpraxen nicht noch mehr Verwaltungsaufwand bereiten. Sie hat aber offenbar kein Problem damit, diesen Aufwand an die Krankenkassen weiterzureichen. Weiter sagt die KBV, die Krankenkassen könnten die Gebühr von den Versicherten zurückholen. Der Lerneffekt dürfte für den Einzelnen aber deutlich höher sein, wenn die Gebühr direkt von der Praxis erhoben wird, so wie es viele heute bereits tun. Auf Fehltritt folgt die Strafe – und zwar nur für denjenigen, der wirklich verantwortlich ist.