Thomas Huber und Andrew Huber-Froud in ihrem englischen Gartenparadies mitten im Schwarzwald. Foto: Dominika Bulwicka-Walz

Der Schwarzwald ist zu kalt für Blumen und blühende Gärten? Ganz und gar nicht. Duftende Rosen, Heilkräuter und Gärten im englischen Stil locken Bienen und Besucher gleichermaßen.

Der Schwarzwald ist voller dichter Tannenwälder, er sei dunkelgrün und kalt, so die gängige Überzeugung. Umso überraschender scheint es, dass dort ausgerechnet sonnenverwöhnte Rosen gedeihen, Heilpflanzen Sonne tanken, um ihre Wirkung zu entfalten, bunte Blüten um die Wette strahlen und ein englischer Garten zum Flanieren einlädt.

 

Englischer Garten im Schwarzwald

Auf 700 Höhenmetern, an einer eigenen Wasserquelle gelegen, erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Garten im englischen Stil: Mit der angemessenen Stille und britischer Gelassenheit. Bereits die Fahrt zum The Moosbach Garden in Nordrach entschleunigt. Gezwungenermaßen. Die kurvige Straße, die Besucherinnen und Besucher zu einem versteckt gelegenen Haus bringt, lässt keine Raserei zu. Während der Weg immer enger und kurviger wird, hat man die Gelegenheit das tiefe Grün links und rechts der Straße zu bewundern, den freundlichen Alpakas ein Lächeln zu schenken und seine eigenen Gedanken zu entzerren.

Ist man angekommen, eröffnet sich ein unfassbar schöner Blick ins Moosbachtal: Nadelbäume wohin das Auge reicht, dunkles Grün vor blauem Himmel. Hier oben ist die Luft frischer, das Licht intensiver. Plötzlich scheint man ganz weit weg zu sein vom Alltag, dem städtischen Lärm. Es herrscht Stille, die jäh unterbrochen wird von einem vorwitzigen Hahn aus der Nachbarschaft, der lautstark auf sich aufmerksam macht.

Garten war nicht angelegt

Noch bevor man die Eindrücke ausgiebig genießen konnte, kommen die ersten Gastgeber zur Begrüßung: die schwarz-weißen Border Collies Luna und Cooper. Schwanzwedelnd warten sie darauf, dass man ihnen ein Stöckchen zuwirft. Ihr Blick ist so freundschaftlich, dass man es nicht übers Herz bringt, ihnen diesen Wunsch abzuschlagen. Hat man aber erstmal damit angefangen, bestehen sie auf eine Fortsetzung. Die beiden sind nämlich treue Spielgefährten und fester Bestandteil des Teams im Moosbach Garden.

Liebt ihren Garten: Die Border-Collie-Dame Luna. Foto: Dominika Bulwicka-Walz

2013 verliebten sich Thomas Huber und sein Ehemann Andrew Huber-Froud in das Haus in Nordrach. Das abgeschiedene Anwesen im Schwarzwald hatte den beiden so gut gefallen, dass sie es ein Jahr später kauften. Damals war es von Weiden und Wiesen umgeben. Blumen, blühende Sträucher und terrassierte Gärten waren noch in weiter Ferne. Aber davon ließen sich die beiden nicht abschrecken. Die Voraussetzungen waren ja gegeben: Andrew gärtnert seit seinem 13. Lebensjahr. „Das ist gut für meinen Kopf und mein Herz“, sagt der gebürtige Brite. Und seine Leidenschaft für die Gartenarbeit und den grünen Daumen hat der Informationssicherheits-Spezialist an Thomas weitergegeben. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die englische Gartenkultur im Schwarzwald aufblühen würde.

Ideen ohne Ende

Dabei sei der Garten in seiner heutigen Form so gar nicht geplant gewesen. Er habe sich von ganz alleine entwickelt, erzählt Thomas und lässt keinen Zweifel daran: Das Gartenprojekt ist noch lange nicht fertig. Immer wieder kommen neue Ideen und das kleine Paradies verändert sich stetig. Der Kreativität der beiden sind keine Grenzen gesetzt. Eine alte Gießkanne und ein altes Rohr finden Verwendung, indem sie zu einem kleinen Brunnen werden. Alten Dachziegeln haben die beiden neues Leben eingehaucht, indem sie sie als Mäuerchen aufgebaut haben. Blühende und duftende Rosen, lila Blüten des Schnittlauchs, die der gelernte Koch Thomas auch in seinen Speisen verwendet, ein blutroter Ahornbaum, Rittersporn, strahlendblaue Iris-Pflanzen erfreuen das Auge.

Stille und Ausblick genießen im The Moosbach Garden. Foto: Dominika Bulwicka-Walz

Die meisten Gäste im The Moosbach Garden suchen Entschleunigung und Stille. Dafür bieten sich im Garten die verwunschenen Winkel und Terrassierungen an. Sei es, um einfach nur mal zu sitzen, den von Thomas liebevoll zubereiteten Picknickkorb zu genießen oder um das Wochenende in einem der vier Zimmer zu verbringen.

Rosenmetropole Baden-Baden

Baden-Baden ist die Stadt der Blumen. Präziser: die Stadt der Rose. Vielen dürfte nicht bekannt sein, dass im Rosenneuheitengarten auf dem Beutig jährlich einer der weltweit wichtigsten Wettbewerbe auf dem Gebiet der Rosenneuheiten stattfindet. Besucherinnen und Besucher können die diesjährigen Neuheiten seit Ende Mai bewundern. Prominent platziert, links vom Eingang treten die 143 Neuheiten aus 12 Ländern, darunter Südkorea und Neuseeland, gegeneinander an. Sie wurden bereits vor einem Jahr im Winter gepflanzt und nun ist die Spannung mit den Händen greifbar, denn es geht um nichts Geringeres als darum, welcher Züchter am Ende die goldene Rose mit nach Hause nehmen darf.

Rosenträume auf dem Beutig in Baden-Baden. Foto: Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH.

Aus der Not entstanden, wurde der Wettbewerb 1952 ins Leben gerufen, um Baden-Baden für Touristen attraktiver zu machen. Nach den zermürbenden Jahren des Kriegs und Wiederaufbaus sollte die Welt wieder bunter werden und eine positive Stimmung vermittelt werden. Was eignet sich dafür besser als bunte Blütenträume? Die Badener Rosentage waren geboren mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer als prominentem Schirmherr.

Bienenfreundliche Rosen

Die Faszination für Rosen ist bis heute ungebrochen. Bei einem Rundgang durch den Garten wird schnell klar, warum das so ist. Kaum zu glauben, wie unterschiedlich Rosen sein können: Kletterrosen im zarten Rosa und Gelb schlängeln sich an Rundbögen hoch. Rosenbüsche rühmen sich mit ihren unzähligen gelben Blüten und rosafarbene Knospen, locken nicht nur Insekten sondern auch das Publikum an. Bienenfreundliche Rosen seien derzeit ohnehin sehr gefragt, berichtet Markus Brunsing, Leiter des Städtischen Gartenamts.

Die ideale Rose ist gesund, hat eine schöne Blüte und duftet betörend. Da der Duft eine hervorgehobene Rolle spielt, wird das farbenfrohe Spektakel auch in dieser Sonderkategorie ausgezeichnet. Eigens dafür reisen fünf international anerkannte Parfumeure aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz an und entscheiden darüber, wer den olfaktorischen Ehrenpreis bekommen wird.

Die Bewertungen werden nicht nur der Fachjury überlassen. Auch das Publikum darf seine Lieblingsrose küren. Besucherinnen und Besucher können bis Ende September abstimmen, welche Rose als Besucherliebling prämiert werden soll.

Altes Pflanzenwissen

Ulrike Armbruster hat sich voll und ganz dem Pflanzenwissen verschrieben.

Nahezu alles, was die 62-Jährige in ihrem auf ihrem Bauernhofgarten in Berghaupten hat, findet Verwendung, sowohl in der Küche als auch in der Hausapotheke. Prophylaxe statt Heilung ist ihr Lebensmotto. Wissen, das ihr ihre Mutter vermittelt hatte. Und die sei mit 104 Jahren gestorben. Daher gilt für Armbruster: „Altes Wissen sollte bewahrt werden.“ Und so wandern Kräuter und wertvolle Pflanzen bereits im Alltag beim Essen auf die Teller der Familie.

Ulrike Armbruster bereitet in einem Seminar eine Salbe zu. Foto: Dominika Bulwicka-Walz

Aus diesem Grund teilt sie ihr Wissen zur Heilwirkung und Verwendung von Pflanzen in ihren Kursen und bei Hofführungen. Und die Zeit scheint nicht zu reichen, wenn sie durch ihren Garten führt und davon erzählt, wie sich die Nelkenwurzeln als Gewürz nutzen lassen, die Kohlblätter bei Prellungen helfen, wie man Essig mit Holunder und Rosenblättern verfeinert, wie selbstgemachte Salben mit Mädesüß gegen Rückenschmerzen helfen und wieviele Vitamine und Mineralien in Mikrogrün stecken.

Bienen suchen ein Zuhause

Und damit ihre Pflanzen ihre ganze Heilkraft entfalten können, muss der Garten möglichst natürlich gedeihen. Pflanzen sollen blühen, damit Bienen und dicke Hummeln sich austoben können. Einen Holzstapel hat sie neben den Kletterrosen einfach liegen gelassen. „Die Tiere sollen damit machen, was sie wollen“. So ist ein Bienenhotel entstanden.

Das Holz bietet Insekten ein Zuhause. Foto: Dominika Bulwicka-Walz

Schnecken, die an den Salat wollen, hält sie freundlich mit Schafwolle fern, die sie über die Erde gelegt hat. Das Naturprodukt dient gleichzeitig auch als Dünger und speichert Wasser. Was im Laufe der Monate nicht verrottet, stibitzen im Frühjahr die Vögel, um ihre Nester damit auszukleiden. So haben alle was davon. Bei Ulrike Armbruster haben Mensch und Tier ein kleines Paradies gefunden.

So vielfältig wie der Schwarzwald selbst, so vielseitig und überraschend sind dort auch die Blütenträume. Manchmal versteckt, aber dann ist die Freude über die blühenden Preziosen umso größer.

Infos

Anreise

  • Baden-Baden erreicht man mit der Bahn via Karlsruhe.
  • Zum The Moosbach Garden kommt man am besten mit dem eigenen Auto.
  • Die Anfahrt mit dem eigenen Fahrzeug empfiehlt sich auch zum Armbrusters Hof über die B 33.

Unterkunft 

  • Zentral und gemütlich: Hubers Hotel in Baden-Baden, DZ ab 150 Euro mit Frühstück, www.hubers-hotel.de
  • Romantisch: The Moosbach Garden in Nordrach, DZ ab 215 Euro, www.moosbach.garden
  • Traditionsreich: Hotel Palmenwald in Freudenstadt, DZ ab 127 Euro, www.palmenwald.de

Aktivitäten

  • Kräuterführungen und Kräuterkurse auf Armbrusters Hof. Termine und Anmeldung über www.armbruster-berghaupten.de
  • Rosenneuheitengarten in Baden-Baden. Im August findet dort an vier Wochenenden ein Open-Air-Kino statt. www.baden-bade.de
  • Stadtführungen in Baden-Baden über www.baden-baden.de
  • Picknick im Garten des The Moosbach Garden. Buchungen über www.moosbach.garden

Allgemeine Informationen