Die Experimenta erforschen. Durch die Zipfelbachschlucht streifen. Einen Schwarzwaldhof entdecken. Wir haben sechs Ideen, was Familien in den Ferien im Südwesten unternehmen können.
Die Pfingstferien stehen vor der Tür. Wer nicht ans Mittelmeer fährt oder in die Alpen, sondern zu Hause bleibt, fragt sich: Was machen wir hier in der Umgebung, wie halten wir den Nachwuchs zwei Wochen lang bei Laune? Wir haben sechs Ideen gesammelt für Ausflüge in ganz Baden-Württemberg, für gutes und für schlechtes Wetter, für kleine Kinder und für große.
Experimenta
Wo soll man bloß anfangen? Die Experimenta in Heilbronn bietet so viel, dass man ganze Tage darin verbringen könnte und immer noch nicht alles gesehen hätte. Am besten kommt man mehrmals, sonst kann einen diese Fülle schon überwältigen. Allein das Gebäude, entworfen vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton, ist eine Wucht. Drinnen sind kleine Entdeckerinnen und Entdecker dann voll in ihrem Element. Anfassen, ausprobieren und mitmachen ist in Deutschlands größtem Science-Center ausdrücklich erlaubt. Mit VR-Brille kann man sich anschauen, was passiert, wenn in einem Auto die Airbags auslösen. Was geschieht in unserem Gehirn, wenn wir bestimmte Begriffe hören? Und wie heftig ist eigentlich Windstärke 10? Die Experimenta ist vor allem für Schulkinder ein gewaltiges Abenteuer. Für jüngere Kinder sind viele der etwa 275 Mitmachstationen noch etwas komplex. Sie haben aber bestimmt im Forscherland im vierten Stock ihren Spaß: Hier gibt es eine große Wasserbaustelle und eine Kugelbahn, bei der die Kleinen ganz viel kurbeln dürfen.
Infos: Montags bis freitags ist die Experimenta in Heilbronn von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Karten kauft man am besten vorab online. 12 Euro kostet ein Ticket für Erwachsene, Kinder kommen für 6 Euro rein, Freitags kostet der Eintritt nur die Hälfte (vorerst bis Ende Juli 2023).
Zipfelbachschlucht
In Hepsisau kann man gar nicht falsch gehen, so gut ist sie ausgeschildert, die Zipfelbachschlucht. Trotzdem ist das steile Tal mit dem kleinen Bach bei Weilheim an der Teck (Kreis Esslingen) nicht überlaufen. Durch Obstwiesen geht’s los, bald hört man ihn schon gluckern, und dann steht man plötzlich in einem grünen Blättertunnel, durch den der muntere Zipfelbach fließt. Über zahlreiche Brücklein und schmale Pfade (die bei Regen rutschig sein können) geht’s dahin, durch Bärlauchhaine, der Bach springt in kleinen Wasserkaskaden über Steine und Felsen. Mit ein bisschen Glück sieht man sogar einen Feuersalamander huschen. Kinder haben da so viel Spaß, dass sie gar nicht merken, dass es ordentlich den Berg hochgeht. Oben, am Rande des Randecker Maars, lässt man den Bach hinter sich. Wer jetzt Hunger hat, muss nicht mit knurrendem Magen weiterlaufen: Im Ochsenwanger Hof Ziegelhütte gibt es selbstgemachten Kuchen, Kefir von den eigenen Kühen und Bio-Eis aus der Truhe. Im Hofladen kann man Käse kaufen. Kälber streicheln ist inklusive. Danach ist auch wieder Energie da, noch bis zum Mörikefels zu wandern, der eine tolle Aussicht ins Albvorland bietet.
Infos: Die Zipfelbachschlucht erwandert man am besten vom Weilheimer Ortsteil Hepsisau aus. Mit dem Auto braucht man von Stuttgart aus über die Autobahn A8 etwa 40 Minuten. Man kann aber auch mit der S-Bahn bis Kirchheim unter Teck fahren und dann den Bus nehmen. Der Hof Ziegelhütte hat donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof
Haben Sie sich auch schon immer mal gefragt, wie diese schmucken Schwarzwaldbauernhöfe wohl von innen aussehen? Im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach/Schwarzwaldbahn (Ortenaukreis) darf man einfach hineinspazieren – und muss noch nicht einmal anklopfen. Neun historische Höfe stehen hier, dazu kommen etliche Nebengebäude wir Backhäusle, Scheunen oder Mühlen. Die meisten von den Bauernhäusern mit den typisch tiefgezogenen Walmdächern wurden anderswo abgetragen und in Gutach mit viel Liebe zum Detail wieder aufgebaut. Drinnen bekommt man einen Eindruck, wie früher dort gelebt wurde – und wie hart so ein Leben auch sein konnte. Umgeben sind die Höfe von schmucken Bauerngärten und Weiden mit Tieren: hier grasen Ziegen, dort halten Schwarzwälder Füchse, die alte Kaltblut-Pferderasse, gutmütig ihre Hälse zum Kraulen über den Zaun. (Kunst)handwerker zeigen ihr Können und in der museumseigenen Werkstatt dürfen Kinder auch selbst Hand anlegen. Auf sieben Hektar Fläche gibt es so viel zu sehen und zu tun, dass Familien hier gut einen ganzen Tag verbringen können.
Info: In diesem Jahr ist das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof noch bis zum 5. November täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet (im August bis 19 Uhr). Erwachsene müssen 12 Euro Eintritt zahlen, Kinder ab sechs Jahren 6,50 Euro. Eine Familientageskarte kostet für zwei Erwachsene und zwei Kinder 33 Euro.
Sinneswandel Bad Boll
Sie haben Kinder, für die Wandern die Pest ist? Die nach drei Schritten zu jammern anfangen oder sogar in den Gehstreik treten? Der Sinneswandel in Bad Boll ist so abwechslungsreich, dass hier auch Lauffaule Meter machen. Hinter jeder Wegbiegung gibt es auf dieser rund zwei Kilometer langen Mini-Wanderung durch das Badwäldle etwas Neues zu entdecken. Die Strecke beginnt am Badbächle an einem Wasserspielplatz, der kleine Matschtanten und -onkels glücklich machen dürfte. Durch die Klinge wird es ganz schön steil und oft auch ziemlich matschig – gutes Schuhwerk, das dreckig werden darf, ist von Vorteil. Auf der Baumwipfelmatte ist Entspannung angesagt: ein bisschen Baumeln mit Blick aufs Blätterdach. Im Klangwald kann man Hölzer zum Klingen bringen. Ein Spielplatz mit Grillstelle bietet sich zum Schluss für ein Vesperpäuschen an.
Info: Um zum Bad Boller Sinneswandel zu kommen, parkt man am besten am Parkplatz P3 am Pappelweg. Wichtig: Der Weg ist mit seinen zwei Kilometern auch für jüngere Kinder gut machbar, mit dem Kinderwagen ist er aber nicht befahrbar.
Affenberg Salem
Affen am Bodensee? Ja, das gibt es. In Salem leben rund 200 Berberaffen in einem rund 20 Hektar großen bewaldeten Freigehege. Besucher und Besucherinnen können sie ohne Zäune und Gitter beobachten, Käfige gibt es nicht. Die Tiere leben in Gruppen, ziehen ihren Nachwuchs groß, erwählen sich einen Chef und suchen ihr Futter vorwiegend selbst. Neu auf dem Affenberg ist der Treewalk: In zwölf Metern Höhe kann man schauen, was die Affen in den Baumwipfeln so treiben, wie sie Blätter pflücken oder von Ast zu Ast schwingen. Die Berberaffen, die in ihrer Heimat Marokko inzwischen stark dezimiert sind, sind übrigens nicht die einzigen spannenden Tiere in Salem: Jede Menge Störche brüten und Damwild grast hier.
Info: Der Affenberg Salem ist von Mai bis Anfang November ab 10 Uhr geöffnet, von Mai bis Ende Juli schließt der Park um 17.30 Uhr, in den Sommerferien um 18 Uhr, danach um 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 12,50 Euro, für Kinder zwischen 5 und 14 Jahren 8,50 Euro. Schüler und Studenten zahlen 11,50 Euro. Der Treewalk muss extra zum regulären Eintritt hinzugebucht werden (5 Euro).
Landwirtschaftlicher Erlebnispfad Ottenhöfen
Ottenhöfen im Schwarzwald (Ortenaukreis) ist für seine zahlreichen historischen Mühlen bekannt. Auf dem landwirtschaftlichen Erlebnispfad lernen Kinder spielerisch deren Geschichte kennen: Wie wurde früher Korn zu Mehl verarbeitet? Und wie funktioniert so eine Mühle eigentlich? Auf 8,5 Kilometern geht es von Station zu Station durchs Achertal und an Attraktionen wurde nicht gespart: Eine Holzmurmelbahn, ein Damwildgehege und ein Wasserspielplatz sorgen schon dafür, dass der Nachwuchs motiviert bleibt. Wem das noch nicht reicht, kann sich an der Tourist-Information oder dem Kiosk im Kurpark einen Rätselbogen besorgen und unterwegs Aufgaben lösen. Landschaftlich reizvoll ist die Tour durch Wiesen und Wald sowieso.
Info: Die Tour beginnt im Ottenhöfer Kurpark und führt an zwölf Thementafeln vorbei. Mit einem geländegängigen Kinderwagen ist der Weg gut machbar. Für den Wasserspielplatz gilt: Wechselklamotten nicht vergessen!