Interview
Zells neue Bürgermeisterin Marion Isele blickt nach wenigen Wochen im neuen Amt auf das neue Jahr und damit auf die anstehenden Projekte voraus.
Sie sind nun erst einige Tage im Amt. Haben Sie sich gut eingelebt?
„Ich bin gut gestartet und finde mich Schritt für Schritt in die neuen Aufgaben ein. Die ersten Tage waren intensiv, aber sehr positiv. Besonders schätze ich die freundliche Aufnahme durch die Mitarbeitenden und die Zeller Bürgerinnen und Bürger.“
Bürgermeister wird man ja irgendwie von heute auf morgen. Da ist gleich volles Programm. Das Pensum ist bestimmt am Anfang sehr hoch. Haben Sie noch Freizeit?
„Die ersten Wochen sind natürlich sehr dicht gefüllt, das gehört zum Start einfach dazu. Trotzdem finde ich neben dem neuen Pensum immer wieder Momente, in denen ich etwas Abstand gewinnen und Zeit mit Familie und Freunden verbringen kann. Eine gute Balance ist mir wichtig, damit ich die Aufgaben mit voller Energie angehen kann.“
Was wird wohl die größte Baustelle sein, die zunächst für Sie ansteht?
„Ich schaue mir derzeit viele Themen sehr genau an, um mir ein umfassendes Bild zu machen. Klar ist: Es gibt einige Bereiche, in denen wir gemeinsam weiterarbeiten müssen – sei es bei der Stadtentwicklung, der Infrastruktur oder der finanziellen Stabilität. Welche Baustelle am größten ist, zeigt sich gerade im Detail, aber wichtig ist mir, die Themen strukturiert und im Dialog mit Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft anzugehen.“
Die finanzielle Lage der Stadt ist ja eine große Herausforderung. Wie wollen Sie diese meistern?
„Die finanzielle Situation ist ohne Frage eine große Herausforderung, und mir ist wichtig, hier sehr verantwortungsvoll vorzugehen. Derzeit verschaffe ich mir einen detaillierten Überblick über alle laufenden Projekte und Verpflichtungen. Gemeinsam mit dem Gemeinderat und der Verwaltung werden wir Prioritäten klar definieren und nach Lösungen suchen, die sowohl nachhaltig als auch realistisch sind. Mir geht es darum, die Handlungsfähigkeit der Stadt langfristig zu sichern und dabei transparent mit der Bürgerschaft zu bleiben.“
Was passiert mit dem Bahnhofsvorplatz - ein weiteres Großprojekt?
„Der Bahnhofsvorplatz ist bekanntermaßen ein großes und wichtiges Thema für die Bürger. Die Verwirklichung der Modernisierung und Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes hat einen großen Schritt nach vorne gemacht.
In enger Zusammenarbeit von Verwaltung, Planungsbüro und Fraktionsvorsitzenden wurde eine Variante ausarbeitet die einen barrierefreien Umbau ermöglicht, die jedoch im Vergleich zu vorherigen Varianten kostensparend ist. Wir sind guter Hoffnung, dass die Bauarbeiten für die ausgearbeitete Alternative 2026 beginnen können.“
Welche weiteren Großprojekte stehen in Zell an, die nicht aufgeschoben werden können?
„Es gibt viele verschiedene Interessen und für jeden gibt es Projekte mit unterschiedlicher Wertig- und Dringlichkeit. Ich glaube aber, dass sehr kurzfristig die Projekte „Tiergehege“ und „Recyclinghof“, die eine Zwischenlösung gefunden haben, zukunftsfähig entwickelt und realisiert werden müssen. Sehr wichtig sind mir auch die Entwicklung eines tragfähigen Konzepts zu unserer Schulstruktur. Wir müssen wissen, wo wir hin möchten, um daraus schlussfolgernd möglichen Sanierungsstau an unseren Schulen in Angriff zu nehmen. Es hilft ja nicht, überall nur Flickschusterei zu betreiben und gröbste Mängel zu beseitigen. Ein gemeinsames Ziel muss ausgearbeitet werden, alles andere kostet nur Geld.
Und nicht zu vergessen ist weiterhin die Trinkwasserversorgung. Dort ist in der Vergangenheit bereits investiert worden, der Klimawandel wird uns aber in diesem Bereich auch in Zukunft und sehr zeitnah vor Herausforderungen stellen.“
Wie wollen Sie es schaffen, die Innenstadt attraktiver zu gestalten und weitere Leerstände zu vermeiden? Das war ja eines Ihrer Ziele.
„Die Attraktivität der Innenstadt ist mir ein großes Anliegen. In den letzten Tagen habe ich bereits mit Gewerbetreibenden, Eigentümern sowie der Verwaltung gesprochen und werde es in den nächsten Wochen intensivieren, um ein gemeinsames Bild zu entwickeln, was unsere Innenstadt braucht. Mir ist wichtig, vorhandene Potenziale zu stärken, Kooperationen zu fördern und realistische Schritte zu identifizieren, um Leerstände zu vermeiden. Dabei geht es weniger um schnelle Versprechen, sondern um tragfähige Lösungen, die wir gemeinsam erarbeiten.“
Welche Ideen haben Sie noch, um Zell weiter voran zu bringen?
„Ich bringe viele Ideen mit, aber im Moment ist es mir wichtig, zuerst zuzuhören, einen klaren Überblick zu gewinnen und gemeinsam mit Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft Prioritäten zu setzen.
Ich sehe großes Potenzial in Bereichen wie einer lebendigen Innenstadt, moderner Mobilität, einer guten Familien- und Vereinsarbeit sowie einer starken Wirtschaft. Entscheidend ist für mich, dass wir Schritt für Schritt realistische und nachhaltige Entwicklungen anstoßen – gemeinsam und mit Blick auf das, was unsere Stadt wirklich braucht.“
Welche laufenden Projekte werden bald abgeschlossen?
„Hier ist z.B. der Breitbandausbau zu nennen. Die Stadt ist nicht in der alleinigen Verantwortung, aber es ist zeitgemäß, eine moderne Infrastruktur mit schnellem Internet zu haben, um die Herausforderungen, die heute an einzelne Berufszweige gestellt werden, bedienen zu können. Als sichtbares Großprojekt ist zum Jahresende der Ausbau der Gartenstraße beendet worden.“
Was wünschen Sie sich zudem für Ihre Arbeit?
„Für meine Arbeit wünsche ich mir klare Strukturen, verlässliche Informationen und eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und der Verwaltung. Mir ist es außerdem wichtig, Entscheidungen transparent zu treffen und den direkten Austausch mit den Bürgern zu pflegen, damit wir gemeinsam zukunftsfähige und nachhaltige Lösungen für Zell entwickeln können.“