Die Pkw-Technik steht für junge Männer im Land nach wie vor an erster Stelle der Ausbildungsberufe. Foto: dpa-Zentra/Klaus-Dietmar Gabbert

Der Ausbildungsmarkt verändert sich: Immer mehr junge Migranten kommen ins Ausbildungsalter. Unterstützung ist nötig, doch sie wird sich auszahlen, meint unser Autor.

Sie hat zwar Aufmerksamkeit erzeugt, doch schrillen die Alarmsirenen noch nicht laut genug: Laut einer in dieser Woche vorgestellten Leipziger Studie wächst bundesweit die Ablehnung von Menschen aus der Ferne. Knapp ein Drittel der Befragten im Westen stimmte demnach der Aussage zu, dass Deutschland durch „die vielen Ausländer überfremdet“ sei – im Osten waren es schon 44 Prozent. Dies ist nur eines von mehreren erschreckenden Resultaten. Unterm Strich besagt die Studie: Die Demokratie gerät in die Defensive.

 

Ohne Kräfte mit ausländischen Wurzeln geht es nicht

Was hat das mit dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu tun? Viel. Fremdenfeindlichkeit kann sich diese Gesellschaft gar nicht leisten. Es hat sich demnach noch nicht ausreichend herumgesprochen, dass viele Industriebetriebe oder Dienstleistungsbereiche angesichts des Arbeitskräftemangels ohne Unterstützung der Fremde nicht mehr leistungsfähig sind. Eine Politik der Abschottung, wie sie auch beim möglichen Regierungswechsel in Berlin bevorstünde, wäre für die Arbeitswelt fatal.

Insofern ist es gut, wenn immer mehr junge Menschen mit ausländischem Pass die Schulen verlassen und auf den Ausbildungsmarkt streben. Gewiss, die Startschwierigkeiten sind oft größer als bei deutschen Jugendlichen – es braucht Geduld und mitunter einen Umweg. Doch die Förderinstrumente und der Integrationswille der professionellen Arbeitsmarktakteure sind in Baden-Württemberg vorhanden. Jetzt müssen die Schulen bei der beruflichen Orientierung und die Betriebe bei der Bewerberauswahl dieses Potenzial noch besser umsetzen und so viele Auszubildende wie möglich auf den Weg bringen. Es wäre ein Gewinn für alle.