Insgesamt fast 300 Ausbildungswillige waren am 30. September bei der Agentur für Arbeit noch als suchend gemeldet. Foto: Michael Werndorff

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Lörrach bleibt angespannt: Zwar gibt es mehr Ausbildungsstellen als Bewerber, doch nicht immer passen Angebot und Nachfrage zusammen.

Die Agentur für Arbeit hat seit Oktober 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 89 gemeldete Ausbildungsstellen, aber auch 68 Bewerber weniger verzeichnet. Unterm Strich ging dabei die Anzahl an unbesetzten Arbeitsstellen um 102 auf 419 zurück. Insgesamt standen 2104 Interessenten an einer Lehrstelle 2737 offenen Ausbildungsstellen gegenüber.

 

Von der reinen Anzahl an Ausbildungsstellen her wäre also für jeden jungen Menschen etwas dabei gewesen – rein rechnerisch kamen auf 100 Stellen auf 78 gemeldete Interessenten. Doch nicht immer passen Bewerber und Ausbildungsplatz zusammen, wie Geschäftsführerin Jenniefer Schmucker im Pressegespräch ausführt.

Bis Ende September konnten 992 junge Leute in eine Ausbildung vermittelt werden. Das sind 284 Personen weniger als im Vorjahr und entspricht einer Quote von lediglich 47 Prozent – der geringste Wert der letzten Jahre.

Unversorgte Bewerber

Dementsprechend hoch war mit sieben Prozent die Quote an noch unversorgten Bewerbern. Insgesamt fast 300 Ausbildungswillige waren am 30. September bei der Agentur für Arbeit noch als suchend gemeldet. Einige von ihnen dürften mittlerweile fündig geworden sein.

Für die anderen verweist Schmucker auf die „Nachvermittlungszeit“ bis Dezember. „Oft ist auch ein späterer Einstieg noch möglich.“ Wenn auch das nicht gelingt, werde gemeinsam nach Alternativen gesucht. So könnten beispielsweise Praktika ein guter Einstieg sein. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit einer „Assistierten Ausbildung“ mit Nachhilfe oder einer sozialpädagogischen Begleitung bei Problemen mit dem Chef. Schmucker bedauert, dass diese Art der Unterstützung nur wenige Betriebe zulassen würden.

Die Agentur will den jungen Menschen im Dschungel von mehr als 320 Ausbildungsberufen vor allem Orientierung geben. Auch sollen sie ermutigt werden, über den Tellerrand zu blicken und geschlechterspezifische Stereotypen bei der Berufswahl hinter sich zu lassen.

Gute Erfahrungen

Gute Erfahrung habe die Agentur mit beruflichen Speeddatings gemacht. Was die steigende Anzahl an ausländischen Bewerbern betrifft, gelte es manchmal Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn das Konzept der dualen Ausbildung ist vielen von ihnen gar nicht bekannt. Andere wollten lieber gleich mehr Geld verdienen. Jeder vierte Ausbildungssuchende, so Schmucker, habe keinen deutschen Pass.

Dass die Zahl an Ausbildungsstellen zurückgegangen ist, könnte auch mit erfolglosen Versuchen in den Vorjahren zu tun haben, wurde gemutmaßt. Offene Stellen gibt es im Landkreis Lörrach vor allem im Verkauf und Einzelhandel sowie in der Gastronomie und Hotellerie. Schmucker hat eine Tendenz bei den Betrieben festgestellt, nur noch dann zuzugreifen, wenn es wirklich passt. Am zweitbesten Bewerber hingegen bestehe kaum noch Interesse.

Schwer erreichbar

Sorge bereiten der Geschäftsführerin vor allem jene Jugendlichen, die von der Agentur nur schwer oder gar nicht erreicht werden könnten. „Uns darf kein junger Mensch verloren gehen“, betont sie und appelliert gleichzeitig an die Betriebe, weiter auszubilden. Den jungen Leuten mache die Berufsentscheidung oft Angst, weiß sie zu berichten. Viele glaubten, dies sei nun eine endgültige Entscheidung fürs ganze Leben. „Dabei ist es nur der erste Schritt“, betont Schmucker.

Sprungbrett für Karriere

Dem pflichtet Kreishandwerksmeister Martin Ranz bei. Eine Ausbildung im Handwerk könne ein Sprungbrett für viele Karrierewege sein, sagt er und betont: „Im Handwerk können wir jeden brauchen, der fleißig ist.“ Viele, die zunächst nicht den patentesten Eindruck gemacht hätten, gehen richtig auf, sobald sie eine Chance erhalten, hat er festgestellt. Er und Andrea Seger, Leiterin Ausbildung bei der Handwerkskammer Konstanz, werben gerne mit den sicheren Arbeitsplätzen, die das Handwerk zu bieten hat, gerade auch vor dem Hintergrund von Berufen, die durch Künstliche Intelligenz überflüssig werden könnten.

Kfz-Mechatroniker vorn

Im Bezirk der Handelskammer Freiburg steigen die Ausbildungszahlen seit der Pandemie kontinuierlich an. 2636 Auszubildende hatte der Kammerbezirk in diesem Jahr zu verzeichnen (Vorjahr: 2463). Dabei lagen die Kfz-Mechatroniker mit 71 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen vorn. Fast 80 Prozent der Auszubildenden würden von ihren Betrieben übernommen.

Der Anteil an Frauen liege nun bei 20 Prozent, erklärt Ranz. Und weiter: „Ohne Bewerber aus dem Ausland geht es nicht mehr.“ Ihr Anteil an den Auszubildenden wächst beständig. Mittlerweile stellen die Realschüler (39 Prozent) noch vor den Hauptschülern (32) die größte Gruppe innerhalb der Handwerk-Azubis.

Handwerk wirbt

Mit Joberkundungstagen (JET) und Ausbildungsbotschaftern (ABB) wirbt das Handwerk um Nachwuchs. Bald soll das freiwillige Handwerkerjahr hinzukommen. Bei einem guten Lehrlingsgehalt ermöglicht dieses Modell zur Berufsorientierung dreimonatige Praktika in vier ausgewählten Betrieben. Manche Handwerksberufe, wie beispielsweise Anlagenmechaniker, seien sehr anspruchsvoll und nicht für jeden geeignet, ergänzt Seger.

Wenn Handwerksbetriebe aufgeben, dann liege das zumeist daran, dass sie kein Personal respektive keinen Nachfolger finden würden, führten Seger und Ranz weiter aus. Gut finden sie es deshalb, dass jetzt auch schon in den Grundschulen geworben wird.