Noah Dürr hat den zweiten Platz beim Gestaltungswettbewerb „Die Gute Form“ belegt. Die Ausbildung absolvierte er in der Schreinerei „Holz Plus“ in Kandern.
Alljährlich zeichnet die Fachjury des Schreinerverbands Baden „exzellent gestaltete Gesellenstücke im Tischler- und Schreinerhandwerk aus“. Alle drei Treppchenplätze sicherten sich Nachwuchsschreiner aus dem Landreis Lörrach. Der Öffentlichkeit wurden die Gesellenstücke Anfang Oktober im Freiburger Gewerbegebiet Haid vorgestellt. Mehrfach gab es ein „Wow“ für sein Flurmöbel „Quercus Lino“, freut sich der frischgebackene Geselle Noah Dürr im Gespräch mit unserer Zeitung.
Die Anerkennung galt vor allem den beiden blauen Schubladen, die erst beim Öffnen des rechten vorderen Schiebetürchens zum Vorschein kommen. „Der Aha-Moment war natürlich geplant“, schmunzelt Dürr. Schließlich sollte die Arbeit etwas Spezielles sein.
Die Jury hob die „stimmige Farbkomposition, herausragende handwerkliche Verarbeitung und einen eigenständig entwickelten, technisch gelungenen Schiebetürmechanismus“ hervor. Letzterer sei das Ergebnis einer Internet-Recherche gewesen. Allerdings habe es keinerlei Anleitung gegeben. Folglich musste sich Dürr den eigenen Kopf zerbrechen.
Keine Angst vor Farbe
Sein Lehrmeister Gerhard Benischke hebt hervor, dass es viel einfacher sei, wenn zwei Türchen in der Mitte zusammentreffen. Dass sie reibungslos aneinander vorbeilaufen, sei eine knifflige Angelegenheit. Auf der rechten Seite der Konsole sind besagte blaue Schubladen – erst auf den zweiten Blick sichtbar – untergebracht. Links präsentiert sich ein Fach zur Ablage. Darüber hängt ein Spiegel, ebenfalls Teil des Ensembles. Als drittes gehört ein hoher schmaler Schrank dazu, der mehrere Fächer bietet, und in Blau gehalten ist.
Auch bei der Farbwahl galt: keine Angst vor knalligen Tönen. „Cool“ sollte das Ganze ausfallen, sagt der Preisträger. Das galt auch für den Namen. Hinter „Quercus Lino“ verberge sich Eiche für die Wahl der Holzart, und Linoleum, das bei den Oberflächen zum Einsatz kam. Zusammen mit Bruder Jonas, der Gärtner sei und sich mit Pflanzenlatein auskenne, habe er den Titel ausbaldowert. Erneut galt, dass es ein besonderer sein sollte. Wer die Kataloge durchblättert, die in der Schreinerei ausliegen, trifft auf „Schminktisch“ und „Phonomöbel“. Das war dem Prüfling nicht cool genug.
Freude und Stolz
Gewürdigt wurde das Engagement von Nico Ranz aus Weil am Rhein, der als Leiter des Arbeitskreises „Gute Form“ agierte, und sich beeindruckt vom „hohen Niveau der diesjährigen Einreichungen“ zeigte. Mit Freude und Stolz blickt auch Benischke auf seinen Schützling – den er eigentlich gar nicht einstellen wollte. Seit 1996 sei er als Schreinermeister tätig, fast 30 Jahre also, wovon er 20 als Ausbilder verbracht habe. „Jetzt ist Schluss“, sagte sich Benischke, der nicht mit Noah Dürr gerechnet hatte.
Voneinander profitiert
Im Internet unterwegs, stieß letzterer auf die Schreinerei an der Ziegelstraße. Ursprünglich wollte er Zimmermann werden, schwenkte jedoch auf das „feinere Handwerk“ des Schreiners, wie Benischke es formuliert.
Als Noah Dürr vor drei Jahren vor ihm stand, davon erzählte, dass der Vater Schreiner gelernt habe, dass es daheim einen Bauernhof gebe, wo immer etwas zu tun sei, und dass klar sei, es gehe für ihn in die Richtung, wo man sich die Hände schmutzig machen müsse, cancelte Benischke sein Vorhaben, keine Azubis mehr zu nehmen – und stellte ihn ein.
Es sollten drei „fruchtbare Jahre werden, in denen einer vom anderen profitiert hat“, bilanziert Benischke. Darüber hinaus sei Noah sein erster Geselle, der sich einen Preis holte. Amüsanterweise hatte der Chef seinerzeit ebenfalls den zweiten Platz gemacht – auf Landesebene.