Kilian Nattmann ist der erste männliche Auszubildende zum Erzieher im Hort der Gemeinde Oberwolfach. Foto: Fischer

Kilian Nattmann hat sich für einen noch recht ungewöhnlichen Weg entschieden: Er ist Auszubildender im Oberwolfacher Hort und damit als einziger Mann für die Betreuung der Schulkinder zuständig. Wie er das findet, hat er uns erzählt.

Oberwolfach. "Ich kann mir gerade keinen besseren Beruf vorstellen", sagt Kilian Nattmann. Er ist der erste männliche Auszubildende im Hort in Oberwolfach und betreut die Schulkinder ab mittags nach dem Unterricht. Die Arbeit mit Kindern habe ihm schon immer Spaß gemacht, erzählt der 21-Jährige. Zunächst hat er aber sein Abitur im sozialen Bereich in St. Georgen gemacht und danach ein freiwilliges Soziales Jahr bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) absolviert. Nachdem er anschließend zwei Jahre mit behinderten Menschen zusammengearbeitet hatte, entschied er sich für seine jetzige Ausbildung: "Dass ich etwas Soziales machen will, war schon immer klar. Ich bin seit sechs Jahren Jugendtrainer im Handball und habe nach diesen unterschiedlichen ersten Berufserfahrungen gemerkt, dass mir die Arbeit mit Kindern am meisten Spaß macht", so der Azubi.

Einstieg direkt mit der Ferienbetreuung

Weil er zwei Mitarbeiterinnen im Hort in Oberwolfach gut kannte, hatte er sich dort nach einem Ausbildungsplatz erkundigt, sich aber auch in der kompletten Region beworben. In Oberwolfach war ein sechswöchiges Praktikum Voraussetzung für die Ausbildung, deshalb hatte Nattmann das bereits im August absolviert.

Im September ist er dort dann direkt mit der Ferienbetreuung eingestiegen: "Das hat bedeutet, von morgens bis abends etwas mit den Kindern zu unternehmen und mehr als acht Stunden am Tag zu arbeiten. Das war gerade am Anfang schon anstrengend, hat aber auch gleich sehr viel Spaß gemacht." Einen Tag lang seien die Kinder auch bei ihm daheim auf dem großen Hof in Wolfach mit Pool und Garten gewesen und hatten dort viel Gelegenheit zum Spielen und Toben.

Er gehe immer mit viel Motivation und sehr gerne zur Arbeit, sagt Nattmann. Dass er im Team mit seinen vier Kolleginnen der einzige männliche Erzieher ist, mache ihm nichts aus und komme bei den meisten der 20 Kinder gut an. "Für die Jungs ist es ein Highlight, dass sie nun einen männlichen Ansprechpartner haben", so der Azubi. Die meisten Kinder hätten natürlich einen Lieblingserzieher, an den sie sich bei Problemen wenden.

Alltag im Hort ist immer abwechslungsreich

Sein Alltag im Hort ist sehr abwechslungsreich, was Nattmann an dem Beruf des Erziehers besonders schätzt. "Wir kommen erst in die Schule und betreuen die Erst- bis Viertklässler zunächst dort, essen gemeinsam Mittag und wenn alle Schulschluss haben, fahren wir dann gemeinsam zu den Räumen im Rathaus, wo der Hort aktuell untergebracht ist", berichtet Nattmann. Als oberste Priorität stehe dann die Betreuung der Hausaufgaben auf dem Programm. Wenn die erledigt sind, kann der Azubi zum Beispiel mit den Kindern rausgehen, Sport machen, Malen, Basteln oder Lesen.

"Die Arbeit mit Schulkindern ist schon komplett anders als die mit Kindergartenkindern. Bei den Grundschülern merkt man das Alter schon, man kann zum Beispiel auch anspruchsvollere Bastelarbeiten oder auch aktiven Sport mit ihnen machen." Gerade bei den Bastelarbeiten sei Nattmann immer wieder überrascht, wie viel Kreativität und eigene Ideen die Kinder in ihrem Kopf hätten. So seien aus Kartons auch mal Monster wie Drachen oder gruselige Bösewichte entstanden.

"Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, auch nach meiner Ausbildung im Hort zu bleiben, denn ich denke, die Arbeit mit Grundschulkindern liegt mir am meisten. Ich finde bei den Kindern die Lebensfreude und den Tatendrang wirklich beeindruckend und toll", sagt Nattmann.

Die Ausbildung

Die Ausbildung von Erzieher Kilian Nattmann dauert insgesamt drei Jahre. Sie findet praxisorientiert statt, das heißt, Nattmann arbeitet zwei Tage in der Woche im Oberwolfacher Hort und besucht drei Tage die Berufsschule in Gengenbach. Im Laufe dieser bezahlten Ausbildung müssen zwei dreiwöchige Praktika absolviert werden.