Von rechts: Ausbilder Tobias Weißenmayer, 1. Vorsitzender Nils Walter, 2. Vorsitzende Verena Volkholz und die Kursteilnehmer vor dem Freizeitheim Breitenberg „Alte Säge“ Foto: Bund für Baumhaustechniker

Ein Unfall – viele Fragen: Bei der Jugendleiterschulung der Baumhaustechniker diskutierten Jugendliche über Haftung, Verantwortung und Risiken in der Waldpädagogik.

Nicht nur Spaß und Spannung, sondern vor allem auch das Lernen über Verantwortung und Haftung, prägten die diesjährige Jugendleiterschulung der Baumhaustechniker, teilen die Baumhaustechniker in einer Pressemitteilung mit.

 

In einem Rollenspiel nach einem Unfallereignis bei einer Waldpädagogikaktion entbrannte eine heftige Diskussion darum: „Wer zahlt‘s“?

Lernen mit Verantwortung

Während draußen der letzte Schneesturm um die „Alte Säge“ im Freizeitheim Breitenberg des evangelischen Jugendwerks Calw pfiff, hatten es sich drinnen zehn Jugendliche und junge Erwachsene am Kamin gemütlich gemacht.

Die Osterferien mit solchen hochwertigen Bildungsangeboten nutzen erfahrungsgemäß diejenigen, die sich in der Schule eher langweilen und für die berufliche Zukunft einen Trumpf im Ärmel haben wollen, erklärte der erste Vorsitzende Nils Walter, der als Student für Forstwissenschaften die Schulung begleitete.

Walter schwärmte für die Stärkung von Eco-Tourismusangeboten mit einer Ehrenamtsstrategie in Verbindung mit Waldschutzprogrammen und Baumhäusern.

Volles Programm in der Ausbildungswoche

Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 15 Jahren standen neben der Pädagogik in Methodik und Didaktik die Themen der Entwicklungspsychologie, ökologische und hygienische Wald- und Feldküche, Arbeitssicherheit, sowie der Wetter-, Hygiene- und Infektionsschutz bei Waldaktivitäten in der 40-stündigen Ausbildungswoche auf dem Programm.

Pädagogik bis Sicherheit

Als besonders spannend erlebten die Teilnehmer das Rollenspiel. Ein Kind war an einem Zeckenbiss schwer erkrankt. „Wir wollten nachspielen, wie sich so eine Situation für die Verantwortungsträger anfühlt, wenn ein Millionenschaden nach einem Unfall durch Zeckenbiss entstanden ist“, erklärte Verena Volkholz als Vereinsvorsitzende.

Die Künstliche Intelligenz zurate ziehen

Dazu versetzte sich jeder Teilnehmer in eine fiktive Rolle. Mittels künstlicher Intelligenz durften sich die Spieler mit stechenden Argumenten vorbereiten. Am Tisch saßen Unfallversicherung, Jugendamt, das geschädigte Kind im Rollstuhl zusammen mit dem Vater, der Jugendleiter und die Polizei, die wegen Kindeswohlgefährdung gegen den Vereinsvorstand ermittelte.

Wer zahlt’s jetzt, wenn die Versicherung nicht zahlen will, da diese ein Fehlverhalten der örtlichen Verantwortungsträger sah, obwohl das geschädigte Kind selbst die Schutzmaßnahmen in der Zeckenprävention ablehnte?

Keine einfache Antwort

Nach über zwei Stunden hitziger Debatte brach der Spielleiter das Spiel ab, ohne Verhandlungsergebnis. „Das Spiel verdeutlichte aber sehr gut das Spannungsfeld von Interessen, in dem wir uns in der Jugendarbeit ständig bewegen und wie wichtig es ist, fachliche Unterstützung im Vorfeld zu finden, wenn wir Waldpädagogik mit Kindern und Jugendlichen machen“, erklärte Walter und weiter: „Wir wollen Ehrenamtliche damit auch motivieren sich für andere, für Wald- und Umweltschutz und solche Bildungsangebote einzusetzen.“

Gemeinsamer Abschluss

Mit einem veganen Festabend am Lagerfeuer nach einer veganen Woche fand die Schulung am Gründonnerstag im Hallenbad Weil der Stadt den Abschluss. Dort übten sich die neuen Jugendleiter spielerisch auch im Rettungsschwimmen, nur falls wirklich jemandem das Wasser mal bis zum Hals stehen sollte.

Die Jugendleiterschulung wurde durch die Eva Mayr-Stihl-Stiftung gefördert, die sich vor allem für Waldwissenschaft und Waldschutz stark macht.