Eine Absperrung verwehrt aktuell den Moos-Spaziergängern den Weg, hier wird der Neckarradweg ausgebaut. Foto: Martin Gruhler

Die Stadt baut einen Radweg am Naturschutzgebiet des Schwenninger Mooses aus – eingefleischte Moos-Spaziergänger sehen das Bauvorhaben aber mit argwöhnischen Augen. So sorgen sie sich um die Natur – und um Frösche, die am frischen Asphalt kleben bleiben könnten.

Seit dem 5. August baut die Stadt den Neckarradweg an der Naturparkstation Moos in Richtung Zollhaus aus, wie die Stadt zunächst in einer Pressemitteilung bekanntmachte. Dabei soll der bereits bestehende Radweg um 300 Meter auf eine Breite von drei Metern ausgebaut werden.

 

Der Neckarradweg soll so Anforderungen des Radwegnetzes Baden-Württemberg entsprechen. Die Bauzeit soll drei Wochen dauern, vermeldete die Stadt im Vorfeld.

Wie die Stadt auch in ihrer Mitteilung angab, werde der Weg außerhalb des Naturschutzgebiets verbreitert, so dass „der Eingriff in die Natur gering bleibt“. Doch bei besorgten Moos-Spaziergängern stößt dieser Satz auf taube Ohren – und Sorgen machen sich die Moos-Spaziergänger dennoch um die Natur rund um das Schwenninger Moos.

Ist der Weg-Ausbau „total unnötig“?

So wird der Ausbau des Neckarradwegs von Kritikern etwa als „total unnötig“ kritisiert und man solle laut den Worten der Moos-Liebhaber mit dem Geld „etwa eher die Schlaglöcher in Schwenningen reparieren“.

Auch um wilde „Wild Wings“-Fans macht man sich seitens der Moos-Spaziergänger Sorgen – diese könnten den ausgebauten Radweg ja unter Umständen für eine heimliche Abkürzung und einen schnellen Bypass nutzen.

Der Radweg am Moos wird von der Stadt ausgebaut. Foto: Martin Gruhler

Doch insbesondere sorgen sich die Moos-Spaziergänger laut Information unserer Redaktion um „ihr“ Naturschutzgebiet rund um das Schwenninger Moos – insbesondere Kröten und ihr Nachwuchs könnten durch die Asphaltierung sehr wohl gefährdet werden. „Am Moos und am angrenzenden Gebiet hüpfen derzeit etwa ein Zentimeter kleine Frösche durch die Gegend“, berichtet ein Spaziergänger gegenüber der Redaktion. „Durch die Asphaltierung werden diese vermehrt gefährdet, wünschenswert wäre hier, wenn schon ein neuer Weg, dass wenigstens mit wasserdurchlässigem Asphalt gearbeitet werden würde“, so die Kritik.

Bisheriger Weg sei eindeutig zu schmal gewesen

Doch was sagt die Stadt zur Kritik rund um den Ausbau des Neckarradwegs? „Mit nur 2,50 Meter Breite war der bisherige Weg ohne Bankett deutlich zu schmal“, begründet die Pressesprecherin der Stadt, Madlen Falke, den Ausbau des Radwegs.

Der bisherige Zustand des Weges sei auch insbesondere für den Radverkehr mangelhaft gewesen – auch wenn das die Moos-Spaziergänger anders sehen, denn der „gewalzte Schotterpfad“, sei für Radfahrer nach Ansicht der Spaziergänger doch ausreichend gewesen. Auch sei die Breite von drei Metern für Forst-Fahrzeuge mittlerweile notwendig, was auch aus einer Beschlussvorlage des Technischen Ausschusses aus dem Februar hervorgehe.

Ein Schild weist die Moos-Besucher auf die Bauarbeiten hin. Foto: Martin Gruhler

Auch zu den finanziellen Aspekten des Ausbaus vom Neckarradweg klärt die Stadtsprecherin auf. Laut Madlen Falke sei der Ausbau „sehr wirtschaftlich“, weil eine Doppelförderung vom Land und dem Bund komme. Die Gesamtausgaben gemäß des Projektbeschlusses würden bei 250 000 Euro liegen, die Förderung des Förderbescheids bei 149 270 Euro.

Unliebsame Wild-Wings-Abkürzer seien laut Madlen Falke nicht zu erwarten, da Feld-, Rad-, und Waldwege nicht von privaten Kfz-Fahrzeugen befahren werden dürften. Der Geh- und Radweg werde entsprechend beschildert.

Vorhaben abgesprochen mit Naturschutzbehörde

Was die Kritik zu den Auswirkungen der Bauarbeiten auf den Naturschutz des Mooses angeht, versucht die Stadtsprecherin zu beruhigen: „Selbstverständlich wurde der Ausbau vorab mit den Naturschutzbehörden in der Stadt, dem Kreis und dem zuständigen Regierungspräsidium Freiburg abgestimmt“, sagt Falke. Für diese Erlaubnis sei auch eine „landschaftspflegerische Begleitplanung“ nötig gewesen. „Als Ausgleichsmaßnahme (zu den Bauarbeiten, Anm. d. Red) werden im Herbst 32 neue Bäume im erweiterten Umfeld des Neckars gepflanzt“, schreibt Madlen Falke auf Anfrage.

Und auch die Frösche und Kröten des Mooses hätten laut der Pressesprecherin der Stadt nichts zu befürchten: „Die Bauzeit wurde so gewählt, dass das Projekt bis zum Zeitraum der Rückwanderung der Jungkröten im September abgeschlossen sein wird. Amphibien wandern überwiegend nachts oder bei feuchter Witterung und werden deshalb dort nicht verenden, zumal der Weg durch den angrenzenden Wald großteils beschattet wird“, so die Stadtsprecherin abschließend.