Die Region macht Druck bei der Gäubahn. Sie soll endlich schneller werden. (Archiv-Foto) Foto: Kästle

Ausschuss erhebt Forderungen. Ziel: Druck erhöhen. Region will sich nicht mehr vertrösten lassen.

Mehr politischen Druck, mehr Tempo, mehr Streckenausbauprojekte. Diese Forderungen sind das Ergebnis einer Diskussion über die Gäubahn beim Regionalverband. Eines wurde dabei klar. Vertrösten lassen will sich die Region nicht mehr. Sie haut nun auf die Pauke. Ob es was bringt?

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Schwarzwald-Baar-Heuberg - Den Druck auf die politisch Verantwortlichen in Stuttgart und Berlin in Sachen Gäubahn verstärken – das ist die einhellig geäußerte Absicht im Verwaltungs-, Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Regionalverbands. Der Verbandsvorsitzende, der Rottweiler Landrat Wolf-Rüdiger Michel, fasst nach der Diskussion zusammen: "Wir müssen auf den Tisch hauen, damit wir in Stuttgart und Berlin gehört werden."

Zögerlicher Fortschritt beim Ausbau

Anlass für die markigen Worte – nicht nur des Vorsitzenden – sind die mehr als zögerlichen Fortschritte beim Ausbau der Gäubahn, der Schienenstrecke zwischen Zürich und Stuttgart, die quer durch die Region geht.

Michel erinnert daran, dass schon seit Jahrzehnten über eine Beschleunigung der Trasse, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu Reparationszwecken von zwei Gleisen auf eines zurückgebaut wurde, gesprochen werde. Getan habe sich bislang wenig.

Darauf machen die Regionalräte aufmerksam. So etwa der Sulzer Bürgermeister Gerd Hieber (FWV-Fraktion).

Schon 1996 sei festgestellt worden, dass die Achse Zürich-Stuttgart bedeutend sei. Seitdem sei viel zu wenig gemacht worden. Einzig der zweigleisige Ausbau zwischen Horb und Neckarhausen stehe fest. Er solle 2022 erfolgen und 2023 fertiggestellt sein.

Keine konkrete Planung

Für alle anderen Maßnahmen, die im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben seien, gebe es nicht einmal eine konkrete Planung, äußert Rolf Schwenk von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/ÖDP verärgert. Schwenk verweist auf das ambitionierte Ziel der Fahrbahnverkürzung im Zuge des Deutschlandtaktes hin, der im Sommer vorgestellt wurde. Die Strecke Stuttgart-Singen solle dann in maximal 105 Minuten bewältigt werden, heute sind es 116 Minuten.

Möglich würde dies nur durch weitere Baumaßnahmen, die noch gar nicht im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten seien: ein zwölf Kilometer langer Tunnel auf den Fildern, ein Tunnel bei Sulz und der Gleisausbau zwischen Talhausen und Rottweil – eine Milliardeninvestition, so Schwenk, die frühestens Mitte der 30er-Jahre umgesetzt sei. Dann sei man so weit, wie man schon um die Jahrtausendwende gewesen war, als die eingesetzten, indes auch störanfälligen Neigetechnikzüge die Strecke in 106 Minuten bewältigten.

Der Regionalverband beschließt ein ganzes Forderungsbündel. Die Beschlüsse der Vorlage werden in der Diskussion im Ausschuss zum Teil noch verschärft. Gut geheißen werden dabei die vorgesehenen Verbesserungen im Rahmen des Deutschlandtaktes, die im Bundesverkehrswegeplans 2030 verankerten Ausbaumaßnahmen und darüber hinaus geplante Projekte wie der Gäubahntunnel auf den Fildern.

Parallel dazu soll die Flughafenanbindung auf den Fildern vorangetrieben werden. Der Regionalverband fordert zudem, dass der sogenannte Unterbruch der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen zeitlich so gering wie möglich ausfällt. Nach bisherigen Informationen ist zu befürchten, dass das vorläufige Ende der Gäubahn in Vaihingen mehrere Jahre dauern wird. Daniel Karrais (FDP, Rottweil) weist darauf hin, dass unbedingt verhindert werden müsse, dass aus dem Provisorium eine Dauerlösung werde.

Einstimmiger Beschluss

Auf Antrag von Sonja Rajsp (Bündnis 90/Die Grünen, Lauterbach) soll die Panoramabahn rund um den Stuttgarter Talkessel erhalten werden, eine Machbarkeitsstudie solle darlegen, wie eine unterirdische Weiterführung und Anbindung an den neuen Hauptbahnhof möglich gemacht werden könnte. Auf Wunsch von Karrais wird der Ausbau der Strecke Oberndorf-Grünholz in den Forderungskatalog aufgenommen.

Zwischen die Regionalräte passt bei diesem Thema kein Blatt – selbst in Coronazeiten. Die Forderungen werden einstimmig beschlossen. Regionalrat Karl Rombach (CDU, Schonach im Schwarzwald), zugleich Landtagsabgeordneter, freut sich über diesen Rückenwind aus der Region. Das erleichtere die politische Arbeit der Fraktion in Stuttgart. Jetzt gehe es nach dem Prinzip von unten nach oben.