Staus nach Unfällen – wie i Bild – sind auf der B 27 keine Seltenheit. Foto: imago/www.7aktuell.de/Alexander Hald

Immer wieder staut sich der Verkehr auf der B 27 zwischen Aichtal und der A 8. Zwei Spuren mehr sollten die Situation verbessern. Doch jetzt kommt der Ausbau anders als geplant – und wird noch eine ganze Weile dauern.

Eigentlich ist schon lange beschlossen, dass die B 27 im Abschnitt zwischen Aichtal und der A 8 vollständig sechsspurig ausgebaucht werden soll. Doch für einen Abschnitt wird die Planung nun zunächst zurückgestellt. Das geht aus einer Antwort des baden-württembergischen Verkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage von Dennis Birnstock, FDP-Landtagsabgeordneter und Filderstädter Gemeinderat, hervor.

 

Während die Deutsche Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft (Deges) im Auftrag des Landes die Ausbauplanung für den nördlichen Teil zwischen dem Echterdinger Ei und der Anschlussstelle Leinfelden-Echterdingen Süd übernimmt, bleibt der Ausbau des südlichen Abschnitts bis Aichtal in der Verantwortung der Straßenbauverwaltung Baden-Württemberg. Und die lässt verlauten: „Die Planung wird hier zunächst zurückgestellt. Wann mit der Fortsetzung der Planung und Realisierung dieses Abschnitts zu rechnen ist, hängt von der weiteren Priorisierung dieses Abschnitts ab.“

FDP: Zweiter Teil wird vielleicht nie realisiert

Dennis Birnstock nennt die Pläne „erschreckend“. Er sei überrascht, dass das Ministerium so deutlich sage, dass es für den südlichen Teil erst einmal keine Ausbau-Ambitionen gebe. Der FDP-Mann ist der Ansicht, dass so die Gefahr bestehe, dass der zweite Teil niemals realisiert werde. Er kritisiert auch, dass für den Ausbau der Streckenabschnitte mit Deges und Land unterschiedliche Planungshoheiten bestimmt wurden.

Wie genau es mit dem nördlichen Teil weitergeht, muss das Bundesministerium für Digitales und Verkehr allerdings noch festlegen. Drei Ausbaumöglichkeiten sind im Gespräch: Variante eins sieht vor, dass in jede Fahrtrichtung seitlich angebaut wird. Bei der zweiten Variante ist geplant, die bestehende B 27 zunächst unberührt zu lassen und östlich davon eine neue Fahrbahn Richtung Stuttgart zu bauen. Später müsste man dann alles zusammenführen und die überschüssige Straße am westlichen Rand zurückbauen. Die dritte Variante ist eine optimierte Version der zweiten. Bei dieser soll gleich zu Baubeginn ein seitlicher Streifen der B 27 abgezwackt und für den Bau verwendet werden. Dafür wären die Eingriffe ins Grünland geringer. Das Ministerium präferiert die dritte Variante, etwa 354 Millionen Euro wird sie voraussichtlich kosten. Eine Entscheidung soll noch im März fallen.

Wann beginnt die Bauphase?

Bis dann tatsächlich gebaut wird, werden aber noch viele Jahre ins Land gehen. Das Verkehrsministerium zählt auf, was vorher noch gemacht werden muss: Die Entwurfsplanung bis zur Erteilung des Gesehenvermerks des Bundes dauert zweieinhalb bis drei Jahre, ebenso die Genehmigungsplanung und das Planfeststellungsverfahren zur Erlangung des Baurechts, für Ausführungsplanung und europaweite Ausschreibung der Bauleistung werden weitere anderthalb Jahre veranschlagt. Erst dann beginnt die etwa dreijährige Bauphase.

Schneller geht es mit der Übernahme des Projekts durch die Deges also nicht. Grundsätzlich seien hierdurch „keine Zeitvorteile zu erwarten“, heißt es seitens des Verkehrsministeriums. Vielmehr schaffe die Planungsübergabe im Regierungspräsidium Freiräume, um sich anderen wichtigen Projekten zu widmen. Während der Planung des Entwurfs für den nördlichen Abschnitt will die Deges auch die Träger öffentlicher Belange anhören. „Die betroffenen Gemeinden werden im weiteren Planungsprozess und im Planfeststellungsverfahren entsprechend eingebunden“, heißt es.