Foto: Diakonie Stuttgart/privat

Ab Montag sollen Hilfsgüter rollen: "Wir haben die Information, dass Frachtmaschinen ab nächster Woche wieder in Port-au-Prince landen können", sagt Rainer Lang von der Diakonie Stuttgart.

Stuttgart/Schramberg - Am Montag ist es soweit. In einem von der Caritas und der Diakonie Katastrophenhilfe organisierten Flug von Ostende nach Port-au-Prince sollen Hilfsgüter im Wert von 135.000 Euro nach Haiti gebracht werden. "Wir haben die Information, dass zumindest Frachtmaschinen ab nächster Woche wieder auf dem Flughafen in der Hauptstadt Port-au-Prince landen können", sagt Rainer Lang von der Diakonie Katastrophenhilfe in Stuttgart.

An Bord der Maschine werden Medikamente und Verbandsmaterial für 80.000 Erdbebenopfer, 2000 Decken, 20.000 Plastikkanister zur Wasseraufbewahrung sowie 31 Großraumzelte sein. Diakonie und Caritas bezahlen die Hälfte der Kosten - jeweils finanziert durch Spenden. "Unser Fokus liegt zuerst auf der medizinischen Versorgung, dann wollen wir uns um den Wiederaufbau und den Neubau von Gebäuden kümmern", sagt Rainer Lang: "Im Häuserbau haben wir viel Erfahrung." 26 Diakonie-Mitarbeiter sind in Haiti vor Ort, weitere sollen in den nächsten Tagen folgen. Allein über das Internet sind bei der Diakonie bisher Spenden in Höhe von 110.000 Euro eingegangen. "Die Summe ist extrem hoch, wir hoffen, dass das so weitergeht", sagt Lang. Spendengelder stehen also zur Verfügung - wohin die Mittel vor Ort konkret fließen, ist angesichts der chaotischen und unübersichtlichen Zustände in Haiti aber unklar. "Logistisch ist das alles noch sehr schwierig", sagt Lang.

Ähnliche Probleme hat auch die in Schramberg gegründete Haiti-Kinderhilfe. "Wir wissen noch nicht, wie und wo wir die Mittel einsetzen können, wir kommen nicht weiter", sagt die Mitarbeiterin Heike Fritz. Die Kinderhilfe arbeitet mit den Hilfsorganisationen wie den Ärzten ohne Grenzen zusammen, schießt Geld zu und hilft bei der Verteilung der Gelder und Hilfsgüter - wenn dies schon möglich ist. "Das Sinnvollste wäre, vom Flugzeugträger der USA vor Port-au-Prince Hubschrauber mit den Gütern hin und her fliegen zu lassen, alles andere macht keinen Sinn", sagt Heike Fritz.

Die Kinderhilfe hat Patenschaften für 150 haitianische Kinder übernommen, zudem baut sie Schulen und Kliniken auf. "Wir haben in einem kleinen Vorort vor Port-au-Prince im vergangenen Jahr eine Schule errichtet - die wurde beim Erdbeben komplett zerstört", sagt Fritz. Von ihren haitianischen Mitarbeitern in Port-au-Prince habe sie noch nichts gehört: "Wir wissen nur vom Vorsitzenden unseres Partnervereins, dass er beim Beben beim Tanken war, sein Wagen explodiert ist und er seitdem schwer verletzt in seinem Haus liegt - ohne jegliche Behandlung. Das ist unfassbar."

Auf den Weg in die Krisenregion in der haitianischen Hauptstadt hat sich am Donnerstag Marcel Kötter gemacht. Der Katastrophen-Manager arbeitet für die Hilfsorganisation Hoffnungszeichen in Singen am Hohentwiel und soll mit Ärzteteams der Organisation Humedia die medizinischen Hilfsmaßnahmen koordinieren. Zudem soll Kötter die Verteilung der Spenden und Hilfsgüter organisieren - das derzeit dringendste Problem in Haiti. Sein Hilfsverein vom Bodensee hat 10.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Kötter ist in die Dominikanische Republik geflogen. "Hoffentlich kommt er durch ins Krisengebiet, wir haben leider noch nichts von ihm gehört", sagt Dorit Töpler, Mitarbeiterin in Singen.

Die Haiti-Hilfe in Schramberg, die seit 30 Jahren in Port-au-Prince wirkt und derzeit 607 haitianische Patenkinder hat, bekam nach bangen Stunden am Donnerstag per E-Mail die Nachricht, dass es zwei Mitarbeitern gut geht - die beiden Helfer hatten sich zum Zeitpunkt des Bebens nicht wie angenommen in der Hauptstadt aufgehalten.

Spenden für die Opfer nimmt das Bündnis von verschiedenen Hilfsorganisationen, Aktion Deutschland Hilft, entgegen: Kontonummer: 10 20 30, Bankleitzahl: 370 205 00, Sozialbank Köln. Stichwort: Erdbeben Haiti.

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