Ein Mann ist am vergangenen Freitag aus dem Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen geflohen. Polizei und Klinik haben nun Hintergründe zur Flucht und zum gesuchten Mann gegeben.
Eine Woche nach dem Überfall eines psychisch kranken Insassen des Zentrum für Psychiatrie Emmendingen (ZfP) auf eine 12-jährige zwischen Vörstetten und Gundelfingen, ist schon wieder ein gefährlicher Straftäter aus der dortigen Psychiatrie verschwunden. Dieses Mal handelt es sich nicht um einen Freigänger, der nicht in die Klinik zurückgekehrt ist, sondern um einen Mann, der geflüchtet ist.
Der Ausbruch des 26 Jahre alten Mannes ereignete sich bereits am 1. Mai. Sofiane Q. hatte laut Klinikchef Ralf Zehnle an dem Tag einen zeitlich begrenzten Ausgang auf dem Klinikgelände und nutzte diese Gelegenheit, um sich aus dem Staub zu machen.
Fahndung blieb bisher erfolglos
Eine Fahndung wurde laut Polizeiangaben umgehend eingeleitet, dabei wurden zunächst mögliche Hinwendungsorte des Mannes und „weitere Ermittlungsansätze“ überprüft, hieß es am Mittwochabend. Allerdings führte nichts davon zu einer Festnahme, weshalb die Polizei nun fünf Tage später eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mann herausgegeben hat und darauf hinweist, dass der Gesuchte als „potenziell fremdgefährdend“ eingestuft wird und man ihn nicht auf der offenen Straße ansprechen, sondern den Notruf 110 anrufen soll, wenn man ihm begegnet.
Unmittelbar nach der Entweichung des Patienten habe angesichts der Schutzwirkung der in der Klinik verabreichten antipsychotischen Medikation keine akute Gefährdung der Allgemeinheit bestanden, so Zehnle auf Nachfrage unserer Redaktion. „Mit Nachlassen der Medikamentenwirkung besteht aber gegebenenfalls innerhalb von Tagen bis Wochen das Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung“, so der Mediziner. Im Klartext heißt das: Je länger der Insasse verschwunden bleibt, desto gefährlicher könnte er wieder werden.
Mann hat auf Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft eingestochen
Der Mann wurde im Juli 2025 durch das Landgericht Freiburg wegen versuchten Totschlags verurteilt. Er stach am 24. November 2024 in einer Flüchtlingsunterkunft mit einem Messer auf einen Bewohner ein und verletzte vor seiner Festnahme einen Polizeibeamten, so ein Sprecher der Polizei in Freiburg.
Ministerium sieht keine Häufung
Obwohl es sich binnen weniger Tage bereits um den zweiten Zwischenfall mit einem gefährlichen Straftäter aus dem ZfP in Emmendingen handelt, könne man bei der Klinik keine besondere Häufigkeit von sogenannten „Entweichungen“ feststellen, so Markus Jox, der Sprecher des zuständigen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration in Stuttgart auf Nachfrage.
Im vergangenen Jahr habe es keinen Ausbruch aus dem Maßregelvollzug in Emmendingen gegeben. Genaue Zahlen veröffentliche man nicht, um angesichts der geringen Fallzahlen keine Rückschlüsse auf bestimmte untergebrachte Personen zu ermöglichen.