Die Althengstetter und Ostelsheimer Preisträger mit der taiwanesischen Vizepräsidentin, von links: Stefan Reiß, Ryyan Alshebl, Hsiao Bi-khim, Clemens und Isabel Götz. Foto: Clemens Götz

Persönlichkeiten aus dem Gäu wurden in Taiwan geehrt. Der Höhepunkt der siebentägigen Reise war für die Gruppe der Empfang bei Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim. Wie waren ihre Eindrücke?

Tief beeindruckt kehrten der Ostelsheimer Bürgermeister Ryyan Alshebl und das Ehepaar Isabel und Clemens Götz aus Taiwan zurück. Sie weilten für eine Woche auf Einladung der Chou Ta-Kuan CTK Kultur- und Bildungsstiftung in der Republik China und wurden dort mit dem Global Love of Lives Award geehrt.

 

Stiftung Die CTK-Stiftung wurde 1997 von den Eltern des im Alter von zehn Jahren an Krebs gestorbenen Chou Ta-Kuan gegründet, dessen letzter Wunsch es war, dass die Menschen nett zu sich selbst, zu anderen und der Erde sein sollen. Die Stiftung setzt sich weltweit für krebskranke Kinder ein und vergibt zudem jährlich einen Preis an Hoffnungsträger aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Bereits im vergangenen Jahr war Bürgermeister Alshebl und dem Ehepaar Götz der Preis zuerkannt worden, aus terminlichen Gründen war eine Reise in den Inselstaat zur Preis-Verleihung nicht möglich. Allerdings waren im Juni 2024 die Eltern von Chou Ta-Kuan sowie dessen Brüder und der Generaldirektor der taiwanesischen Vertretung aus München nach Ostelsheim gekommen und haben über die Stiftung und ihr weltweites Wirken berichtet und den Ostelsheimern dargelegt, warum Ryyan Alshebl sowie Isabel und Clemens Götz für den Preis nominiert wurden.

Neue Hoffnung

Alshebl kam 2015 als syrischer Flüchtling in den Schwarzwald und wurde 2023 in Ostelsheim zum Bürgermeister gewählt. Der ehemalige Althengstetter Bürgermeister Clemens Götz hat in seinen zwei Amtszeiten ebenso wie seine Frau Isabel Götz in ihrer Verantwortung für die Flüchtlinge im Landkreis Calw ihr Leben der Unterstützung benachteiligter Menschen gewidmet, um ihnen unbegrenzte Möglichkeiten zu eröffnen und ihnen neue Hoffnung zu geben, heißt es in den Würdigungen auf der Homepage der CTK-Stiftung. Sie wurden als „German Angel Mayor Couple“ geehrt.

Unsere Redaktion hat mit den drei Preisträgern nach ihrer Rückkehr aus Taiwan gesprochen. Begleitet wurden sie vom Ostelsheimer Stefan Reiß. Er hat vier Jahre in der Volksrepublik China gelebt und spricht Chinesisch, die Sprache sowohl Taiwans wie der Volksrepublik.

Ryyan Alshebl hielt im Namen aller 23 diesjährigen Preisträger der CTK Kultur- und Bildungsstiftung, die aus über 3600 Vorschlägen weltweit nominiert worden waren, die Ansprache beim Empfang der Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim (Zweite von links) im Präsidentenpalast. Foto: Clemens Götz

Hartes Programm Die Gruppe war sieben Tage zusammen mit den anderen 19 Preisträgern aus aller Welt im Land unterwegs. „Es war ein hartes Programm“, erzählt Alshebl lächelnd, denn täglich stand der Besuch von ein bis zwei Schulen auf dem Programm, wo die Preisträger ihre Geschichten mit den jungen Taiwanesen teilten. Alshebl wie auch Clemens und Isabel Götz betonen, wie sehr sie die Menschen des Inselstaats, der etwa so groß wie Baden-Württemberg ist, beeindruckt haben. „Das Leben dort ist eine interessante Mischung aus Ost und West,“ sagt Alshebl, „einerseits sehr vielfältig, andererseits haben die östlichen Werte wie die hohe Achtung vor älteren Menschen, vor Behinderten oder dem Individuum generell einen großen Stellenwert im Alltag“.

Taiwan ist wirtschaftlich erfolgreich, es ist Heimat des weltweit größten Auftragsfertigers für Halbleiter TSMC. „Das ist die Lebensversicherung Taiwans sozusagen, aber dieser Hightech-Erfolg muss nicht rausgehängt werden“, sagt Isabel Götz. Die zurückhaltende Art der Taiwaner ist den Besuchern aufgefallen. Sie haben auf ihrer Reise die pulsierende Metropole Taipeh und die atemberaubende Natur im Yangmingshan-Nationalpark erlebt und auch das Nationale Palastmuseum besucht. Und sie konnten „Fäden knüpfen“ zu den anderen Preisträgern, die sicher in Zukunft zu gegenseitigen Besuchen führen, wie Clemens Götz anmerkte.

Pragmatisches Miteinander Der Konflikt mit China und die Spannungen zwischen den beiden Staaten sind im Alltag gegenwärtig, die Volksrepublik China will die Wiedervereinigung mit Taiwan, aber auch die eigenständigen, demokratischen Taiwaner sehen sich als die wahren Chinesen, berichtet die Gruppe. Trotzdem zeigt Taiwan im Alltag, dass pragmatisches Miteinander in diesem Konflikt möglich ist, berichtet Clemens Götz, denn der größte Teil der Touristen im Inselstaat sind Festland-Chinesen und viele Taiwaner arbeiten oder studieren in der Volksrepublik.

Höhepunkt Der Höhepunkt der Reise war für die Gruppe aus dem Gäu der Empfang bei Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim. Ryyan Alshebl war von allen Preisträgern als ihr Sprecher zu diesem Anlass ausgewählt worden.

Gastgeschenke dabei

Seine Auszeichnung nahm Alshebl stellvertretend auch für alle Ostelsheimer entgegen, sie sei nicht nur eine persönliche Ehre für ihn, „sie ist eine Anerkennung für alle Menschen, die an das Gute glauben und Nächstenliebe und Menschlichkeit über Herkunft und Grenzen stellen“. Der Wert, den die Stiftung in Taiwan genieße, zeige sich in der sehr repräsentativen Ausgestaltung der Veranstaltung, sagt Clemens Götz anerkennend. Die Gruppe hatte auch Gastgeschenke für die Vizepräsidentin dabei, „ich durfte ihr ein „The Länd“-T-Shirt und ein Glas Ostelsheimer Honig überreichen“, lacht Alshebl.

Infos zur Stiftung und allen Preisträgern gibt es unter https://www.ta.org.tw/main.php?lang=en