Schwerer Rückschlag für die Clubszene und die Nachtschwärmer in der Doppelstadt: Die Expressguthalle stellt ihren Betrieb ab sofort ein. Betreiber Jan Christoph Uhl erklärt die Gründe für das Aus und berichtet, wie es mit dem Café Ostbahnhof weiter geht.
20 Jahre Expressguthalle finden ein jähes Ende – im Schwenninger Club gehen die Lichter aus. Die Institution im VS-Nachtleben wird nicht mehr öffnen.
„Es ist eine Vernunftentscheidung“, erklärt Jan Christoph Uhl nach langem Überlegen auf die Frage, wie sehr ihm das Herz blutet. Bereits seit zwei Jahren spielt der 45-Jährige mit dem Gedanken, die Expressguthalle an einen neuen Betreiber zu übergeben. 2009 hatte er den Betrieb übernommen, den Jochen Zähringer – besser bekannt als „Boa“ – 2004 ins Leben rief.
Die „Exe“ überlebte trotz Corona
In den ehemaligen Bahnhofsräumen hatte sich der Partybetrieb nach der Aufgabe des Güterverkehrs an dieser Stelle schnell etabliert, das lag auch an den legendären BA-Partys, die sich damals über den Ostbahnhof auf die Schalterhalle ausweiteten.
Uhl erlebte in den vergangenen 15 Jahren Höhen und Tiefen mit der Expressguthalle – „Corona hat uns natürlich gebeutelt, danach ist alles wesentlich schwieriger geworden“, doch die „Exe“ überlebte. Sie war auch weiterhin ein fester Anlaufpunkt für Nachtschwärmer und insbesondere für Studenten.
Gesundheitliche Gründe sorgen für Aus
Wieso dann also das Aus? „Das ist aus gesundheitlichen Gründen “, so Uhl. Die vielen Jahre in der Branche gingen nicht spurlos an ihm vorbei, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Stress setze ihm zu, „es geht jetzt einfach nicht mehr“.
Die ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen im Nachtleben, die auch körperliche und psychische Folgen mit sich bringen würden, hätten sich verschärft und ihn an den Rand der Belastungsgrenze geführt. Teilweise auch darüber hinaus.
Zusammenarbeit mit Behörden war schwierig
So sei es mit den Protagonisten der Branche schwieriger geworden, viele DJs seien ihm weggebrochen, guten Ersatz zu finden sei nicht so einfach. Seit Corona hätte sich auch das Ausgehverhalten der jungen Generation geändert, „die Jugend ist schwieriger am Wochenende zu erreichen“, so der erfahrene Gastronom. Viele junge Erwachsene aus den Umlandgemeinden würden dort für Möglichkeiten zum Feiern schaffen. Das sei natürlich legitim, für die Clubs hätte das aber weitreichende Folgen.
Und nicht zuletzt hätte auch die schwierige Zusammenarbeit mit den Behörden und die daraus resultierende Bürokratie nicht für eine Entspannung der Lage und Verbesserung der Bedingungen gesorgt. Daraus hatte Uhl auch in der Öffentlichkeit nie einen Hehl gemacht. Der 45-Jährige kritisiert in diesem Zusammenhang den Schwenninger Stadtstrand, der viel Geld verschlingen würde. „Mit diesem Geld könnten Gastronomen gefördert werden, die dauerhaft für attraktive Bedingungen sorgen.“
Ungleiche Behandlung durch die Stadt
Ihm stieß dabei auch bitter auf, dass ihm auf der Terrasse des Ostbahnhofs Musik verwehrt wurde, während beim Stadtstrand eine Beschallung möglich war. „Mit einer Sondergenehmigung, die mich wiederum Geld gekostet hat, hat man mir das dann später ermöglicht“, erklärt der Besitzer des Bahnhofgebäudes.
Die Behörden hätten sich wenig lösungsorientiert bei der Problematik seines Raucherbereichs verhalten, für den Uhl kein Wintergarten anlegen durfte. „Man wirbt immer mit der Attraktivität für Studenten, wir werden aber nicht unterstützt“, kritisiert er.
Auch im Bereich der sozialen Medien sei nicht zusammengearbeitet worden – zu wenig ziehe man hier gemeinsam an einem Strang. Die ständigen Kämpfe mit der Stadtverwaltung hätten für zusätzlichen Stress gesorgt und ihm zu schaffen gemacht, „das ist insgesamt einfach frustrierend.“ Jetzt zieht er deshalb die Reißleine.
Café Ostbahnhof bleibt geöffnet
Eine mögliche Nachfolgelösung habe sich kurzfristig zerschlagen. Deshalb sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als den regulären Betrieb ab sofort einzustellen. Am vergangenen Samstag fand mit „Lieblingshalle“ die letzte Party dort statt. „Ich vermiete die Expressguthalle aber noch für Veranstaltungen“, erklärt Uhl.
Und der Ostbahnhof? „Der läuft weiter.“ Der dortige Betrieb des Cafés sei nicht an seine Person gebunden. Die Anlaufstelle am Schwenninger Bahnhof soll deshalb weiter bestehen bleiben. Nach dem entspannten Drink dort in die Expressguthalle zum Feiern zu wechseln – diese Zeiten sind nun aber vorbei.