Alexander Merz (Werksleiter Villingen, von links), Chris Byrd (Global HR), Cyrus Nikou (Eigentümer des Investors Atar Capital), Donald R. James (CEO) und Ralf Wieland (COO) schlagen das neue Kapitel von Solero auf. Foto: © Joanna Haag

Nach der anfänglichen Unsicherheit folgen nun die großen Pläne: Die Übernahme der Automobil-Sparte von Kendrion durch Solero in Villingen ist vollzogen. So soll es dort jetzt weiter gehen.

Es ist eine dieser positiven Nachrichten, die angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage umso mehr heraussticht. 180 Mitarbeiter können beim ehemaligen Kendrion-Werk in Villingen die Übernahme der Automobil-Sparte durch Solero Technologies feiern. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in der Branche stehen die Zeichen auf Wachstum.

 

Und Villingen soll dabei eine wichtige Rolle spielen, wie das Unternehmen betont. „Villingen wird weiterhin ein entscheidender Standort für unsere europäische Präsenz und Marktstellung sein“, erklärt Unternehmenssprecherin Celina Krämer auf Anfrage unserer Redaktion. Dabei setze man auf die Kernkompetenzen in Forschung, Entwicklung, Innovationsstärke und Fertigung der ehemaligen Kendrion-Sparte – diese „werden weiterhin von entscheidender Bedeutung für unser zukünftiges Wachstum und unseren Erfolg sein“.

Die Wertschätzung für die Mitarbeiter, die ihre neue Heimat in dem US-amerikanischen Unternehmen gefunden haben, zeigte sich unter anderem beim offiziellen Solero-Kick-off vor wenigen Tagen. Die gesamte US-Führungsriege war in den Schwarzwald gereist, um das neue Kapitel in der Doppelstadt aufzuschlagen.

Im April wurde der Verkauf verkündet

Dabei war bei der Belegschaft im Kendrion-Werk zunächst die Unsicherheit spürbar, als der Verkauf der Automobil-Branche bekannt gegeben wurde. Im April hatte Kendrion-CEO Joep van Beurden die strategische Neuausrichtung des Unternehmens mit Hauptsitz in den Niederlanden verkündet – und damit einhergehend die Übernahme der Geschäftssparte an Solero Technologies. Die entsprechenden Unternehmensanteile wanderten für 65 Millionen Euro in die Vereinigten Staaten. Damit will der Konzern eine Präsenz in Europa schaffen, sich global erheblich vergrößern und zudem das Produktangebot erweitern.

Solero sieht Villingen als zentraler Geschäftsstandort. Foto: Solero

Dem zunächst ungewissen Blick in die Zukunft konnte aber schnell Abhilfe geschaffen werden. Bei einer Mitarbeiterversammlung in der Neuen Tonhalle hatte man versucht, den Mitarbeitern die Sorgen zu nehmen, auch die IG Metall war an den Verhandlungen über die weiteren Rahmenbedingungen entscheidend beteiligt. Und tatsächlich waren am Ende der Gros der Ex-Kendrion-Mitarbeiter zufrieden: Tarifbindung, Standortsicherung bis Ende 2026 und Betriebsrats-Übergangsmandat bis zur Neuwahl eines neuen Betriebsrats. Die Einbindung der Mitarbeiter und die Transparenz während des Integrationsprozesses seien entscheidend gewesen, um Unsicherheiten zu minimieren, erklärt Solero-Sprecherin Krämer zur Übergangsphase. Entsprechend sei die Vorfreude auf das neue Kapitel gewachsen – mit einem neuen Unternehmen und einem frischen Ansatz für den Markt, wie Krämer betont.

Fokus auf das Automobilgeschäft

Denn: Der Fokus liegt jetzt ausschließlich auf dem Automobilgeschäft. „Das Automotive-Produktportfolio von Solero Technologies, jetzt in Kombination mit dem Produktportfolio von Kendrion Automotive, ist hervorragend positioniert, um die globalen Trends der Automobilhersteller zu nutzen, die den Wandel hin zu Elektrifizierung und Nachhaltigkeit unterstützen“, sagt Donald R. James, CEO von Solero Technologies.

Herausforderungen am europäischen Markt

Hier verschweigt man nicht die Herausforderungen in Europa. „Die Prognose für den Wandel von Verbrennungsmotoren zu Elektrofahrzeugen ist aufgrund der allgemeinen Kundenakzeptanz und Marktnachfrageschwankungen manchmal schwer vorhersehbar“, erklärt die Solero-Sprecherin. Dennoch soll der Wandel in der Automobilbranche den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen.

Und wie sieht dieser Weg aus? CEO Donald R. James sagt: „Insbesondere die Steuerungskompetenz unseres Unternehmens versetzt uns in die Lage, Geschäfte in den Bereichen aktive Federung, Wärmemanagement für Elektrofahrzeuge, intelligente Aktuatoren sowie Motor- und Getriebeanwendungen zu gewinnen. Wir sind global auf Wachstum ausgerichtet und bereit für die Zukunft der Mobilität.“

Villingen als zentraler Geschäftsstandort

Ein Baustein soll dabei eben der Standort in Villingen sein, der als „zentraler Geschäftsstandort“ die Solero Europa-Präsenz stärkt. Man sei auf „langfristige Investitionen“ ausgerichtet und betrachte das Engagement in Europa als „vielversprechend“. Überhaupt lässt man keinen Zweifel daran, dass man auch die Zukunft im Schwarzwald überaus positiv sieht. „Trotz der Herausforderungen der Vergangenheit ist das Unternehmen in Villingen nun besser aufgestellt und optimal ausbalanciert, um die Zukunft der Mobilität erfolgreich zu gestalten“, so Krämer.