Im Kippenheimer „Rindfuß“ und der ehemaligen Metzgerei soll wieder Leben einkehren. Geplant ist unter anderem der Bau von 25 Wohnungen. Dabei gibt es jedoch einen Haken, der im Gemeinderat für großes Kopfschütteln sorgte.
„In den vergangenen 20 Jahren war es immer wieder Thema. Nun steht das wohl bekannteste Gebäude Kippenheims vor einer Sanierung“, freute sich Bürgermeister Matthias Gutbrod am Montagabend im Hinblick auf das ehemalige Gasthaus Rindfuß samt leerstehender Metzgerei. Gekauft wurde das Areal vor rund zwei Jahren von einem Investor aus Schleswig-Holstein (wir berichteten). Genaue Details, was mit dem denkmalgeschützten Gebäude an der Oberen Hauptstraße passieren soll, verriet er auf damaliger Nachfrage nicht. Heute ist klar: Im historischen Gasthaus wird Wohnraum und Kunst geschaffen.
„Konkret sind im Erdgeschoss und im Obergeschoss 25 Wohneinheiten geplant“, erklärte Bauamtsleiter Kai Melder. Diese seien aufgeteilt in zehn normale Wohneinheiten mit einer Größe von jeweils 70 bis 90 Quadratmeter sowie 15 Unterkünfte mit Ausstattung für sogenanntes Clusterwohnen – also einzelne Mietobjekte, die sich gemeinschaftliche Räume teilen.
Im Schlachthof soll ein Atelier entstehen
Zusätzlich soll eine Teilfläche des alten Schlachthofs zu einem Künstleratelier umgenutzt werden. „Das Atelier bietet Raum für Kunst, Musik, Forschung und Handwerk. Die geplanten Betriebszeiten sind Montag bis Samstag von 8 bis 18 Uhr“, so Melder. Und die ehemalige Metzgerei? Dort soll künftig wieder verkauft werden. Nämlich lokal erzeugte Produkte aus Landwirtschaft und Handwerk. „Die Waren werden über Regale und Verkaufsautomaten angeboten“, erklärte der Bauamtsleiter. Die Betriebszeiten sind von Montag bis Samstag, 7 bis 21 Uhr, geplant. Es sollen sechs bis acht Kunden gleichzeitig bedient werden können.
Auf 25 Wohnungen kommen nur 14 Stellplätze
„Für unsere Gemeinde ist das ist ein Sechser im Lotto“, freute sich Günter Ackermann (FWV). Demnach hätte man mit dem Investor jemanden gefunden, der sehr viel Geld in die Hand nehme und aus dem Leerstand eine „tolle Sache“ mache. Grund zur Sorge hatte dagegen sein Fraktionskollege Lothar Stulz. „Was nützt uns das Haus, wenn drum herum Chaos herrscht?“, bezog er sich auf die Parksituation vor Ort. Das Problem: Auf 25 Wohnungen kommen lediglich 14 Stellplätze. Mutmaßlich zu wenig, doch laut Landesbauordnung müssen bei Schaffung von Wohnraum durch Ausbau und Nutzungsänderung keine zusätzlichen Parkräume gebaut werden. Und dieses Schlupfloch möchte der Bauherr offenbar nutzen. „Es ist mir unerklärlich, wie das funktionieren soll. Mit integrierten Parkplätzen könnte ich zustimmen, aber so geht es nicht“, betonte Stulz.
Gleicher Meinung war auch Matthias Stulz (SPD). Demnach sei er zwar froh, dass etwas passiere. Laut ihm wird jedoch zu lasch mit dem Thema Parkraum umgegangen. „Im Gebäude wird jeder Quadratmeter ausgenutzt. Man sollte auch im Außenbereich kreativ werden und mehr rausholen. Wir müssen mit mindestens 50 Autos rechnen, die künftig irgendwo parken müssen“, blickte der SPD-Gemeinderat besorgt in die Zukunft.
Gutbrod kann die scharfe Kritik der Räte verstehen
Die Kritik aus dem Gremium stieß bei Bürgermeister Gutbrod auf Verständnis: „Auch mir wären 25 Parkplätze lieber. Aber die aktuelle Planung holt bereits das Maximum heraus.“ Wie sehr der Denkmalschutz die Planung einschränke, habe sich bereits bei der Engel-Apotheke gezeigt. „Damals wollten wir einen kleinen Schopf abreißen lassen, um vier bis fünf Stellplätze zu schaffen. Keine Chance“, erinnerte sich Gutbrod. Und das selbe gelte auch für den „Rindfuß“. Der Rathauschef betonte: „Denkmalschutz ist immer mit Kompromissen gebunden. Das Ganze ist ein Abwägungsprozess – das muss uns klar sein.“
Mir drei Gegenstimmen sprach sich der Gemeinderat für die Sanierung und Umnutzung des ehemaligen Gasthauses und der Metzgerei aus. „Hier entsteht etwas Gutes für Kippenheim“, so der Rathauschef abschließend.