Auch das Speditionsgewerbe spürt die Wirtschaftskrise. Die barth Logistikgruppe trennte sich in Hechingen von einigen Mitarbeitern. Komplett aufgegeben wird der Standort Burladingen.
Nahezu alle wichtigen Branchen der deutschen Wirtschaft stöhnen über die konjunkturelle Lage. Wo weniger produziert und geordert wird, muss auch weniger transportiert werden.
Kein Wunder, dass auch die Logistikbranche am Ende eines schwierigen Jahres steht. „Wir verzeichnen in fast allen Bereichen Volumenrückgänge“, sagt Kay Kleinhanß, der seit zwei Monaten der Geschäftsführung der barth Spedition GmbH im Hechinger Nasswasen angehört.
Das gegenwärtige wirtschaftliche Umfeld, so Kleinhanß im Gespräch mit der Redaktion, sei „sehr herausfordernd“. Speziell im Bereich der Automotive-Dienstleistungen, in der die barth-Gruppe stark vertreten ist, gebe es einen großen Auftragsrückgang. Von einem Volumenrückgang in einer Größenordnung von drei bis vier Prozent sei im Übrigen die gesamte nationale Stückgutbranche im zu Ende gehenden Jahr 2025 betroffen.
Großer Auftragsrückgang
Die „Einbußen“ in den verschiedenen Geschäftsbereichen, von denen Kleinhanß spricht, haben das Unternehmen gezwungen, entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Vor diesem Hintergrund, so der barth-Geschäftsführer, musste man sich „auch von Mitarbeitern am Standort Hechingen trennen“. Kleinhanß verweist darauf, dass einige der Mitarbeiter auch im Wege der normalen Fluktuation ausgeschieden sind und nicht ersetzt wurden. Aktuell sind rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort in Hechingen beschäftigt.
„Die Erhöhung der Produktivität ist alternativlos“, begründet Kleinhanß den Personalabbau, der Fahrer und Lager-Beschäftigte ebenso traf wie kaufmännische Mitarbeiter. Erklärtes Ziel der barth-Geschäftsführung ist es, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen den Hebel in den Jahren 2026 und 2027 wieder auf Wachstum umzulegen. Der klare Fokus auf die Ausbildung des eigenen Unternehmensnachwuchses bleibe ohnehin bestehen. 18 – kaufmännische und gewerbliche – Auszubildende sowie vier Berufsakademie-Studierende werden aktuell bei barth im Nasswasen ausgebildet.
„Klarer Plan für Wachstum“
„Wir haben einen klaren Plan für Wachstum“, betont Kleinhanß. Der Automotive-Bereich sowie nationale Stückguttransporte bleiben das Basisgeschäft von barth. Man habe jedoch vor, sowohl in den Bereichen internationales Stückgut als auch in Teilpartien zuzulegen. „Mein Ziel ist es, dass wir unseren Kunden künftig maßgeschneiderte Transportlösungen flächendeckend über ganz Europa anbieten“, sagt der Geschäftsführer. Das internationale Volumen biete für barth zweifellos ein großes Wachstumspotenzial.
Neubaupläne gelten weiterhin
Zu den Wachstumsplänen, die die seit 2020 mit der BMV-Gruppe aus dem französischen Lyon fusionierte barth-Gruppe verfolgt, gehört unverändert das Vorhaben, ein weiteres großes Lager am Standort im Nasswasen zu bauen. Pläne dafür hatte barth bereits Anfang 2024 verkündet. Im Gespräch mit der Redaktion bekräftigte Kleinhanß. „Wir verfolgen weiterhin den Plan, auf unserem Areal ein Multi-User-Logistikzentrum zu errichten.“
War vor anderthalb Jahren im Rahmen einer Medical-Valley-Tagung bei barth noch von einem 16 Meter hohen Logistikzentrum für medizintechnische und pharmazeutische Produkte die Rede gewesen, so spricht Kleinhanß heute von einem „Logistikzentrum für Kunden aus verschiedenen Branchen“. Entstehen soll der Neubau auf einer freien Fläche des Firmengeländes in Richtung Sickingen, direkt angebunden an die Speditionsanlage. Im Laufe des Jahres 2028, so der aktuelle Plan, soll das neue Gebäude bezugsfertig sein.
Rückzug aus Burladingen
Aufgeben wird barth dann das aktuell angemietete Außenlager am Hechinger Fichtenwäldle. Ebenso wird zum Jahresende die Lkw-Werkstatt in Burladingen geschlossen – „aus strategischen Gründen“, wie der Geschäftsführer sagt. Das bedeutet, dass 150 barth-Lkws in naher Zukunft für Reparaturen, Wartung und Reifenwechsel nicht mehr durchs Killertal nach Burladingen fahren müssen. Die Werkstattaufgaben sollen teilweise auf dem Hechinger Betriebsgelände erledigt, zum Teil outgesourct werden. Ein Teil der Werkstatt-Mitarbeiter werde am Standort Hechingen übernommen, sagt Kleinhanß.
Zur Folge hat die Strategie freilich, dass die Spedition barth im Jahr 2026 ihren Gründungsstandort Burladingen komplett aufgeben wird. Anno 1948 war die damalige Kraftverkehr Barth OHG von Gebhard, Rudolf und Peter Barth in der Fehlagemeinde aus der Taufe gehoben worden. Im Hechinger Nasswasen, direkt an der B 27, wo die Unternehmensgruppe seit 2021 ihren neuen Sitz hat, wähnt sich die international tätige Spedition jedoch ganz am richtigen Platz.
Weiter im Einsatz für Hussain Salan
Schlagzeilen
schrieb die barth Logistikgruppe zuletzt, als sie sich mit einem Brief an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für ihren von Abschiebung bedrohten syrischen Auszubildenden Hussain Salan einsetzte. „Leider haben wir aus Berlin noch keine Antwort erhalten“, sagt Jaqueline Ziegler, Ausbildungsleitung bei barth. Das Unternehmen sei jedoch im regen Kontakt mit dem Integrationszentrum Refugio, wo Salan vor seiner Zeit bei barth als Koch gearbeitet hat. Das Refugio hatte mehr als 800 Unterschriften gegen eine Abschiebung des Syrers gesammelt. „Wir hoffen weiter auf einen positiven Ausgang“, sagt Geschäftsführer Kay Kleinhanß, „dass Herr Salan zumindest seine Ausbildung bei uns beenden kann“.