Verzicht auf spartenübergreifendes Magazin: das Opernhaus der Stuttgarter Staatstheater Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Es hieß „Reihe 5“ und war ambitioniert gemacht. Elf Jahre lang gab es ein Print-Magazin der Stuttgarter Staatstheater. Nun wird es eingestellt. Warum?

Die Karikatur stand direkt unter dem Vorwort in der jüngsten Ausgabe von „Reihe 5“, dem Magazin der Staatstheater Stuttgart. Ein Paar studierte darauf sichtlich frustriert den seltsam abgespeckten Spielplan: „Faust ½“ statt Faust 1, „Zweigroschenoper“ statt Dreigroschenoper, „Schwanenteich“ statt Schwanensee. „Jetzt sparen sie auch noch unsere Klassiker zusammen“, murrte der Mann und zog mit seiner Frau von dannen.

 

Der Sparkurs der Staatstheater fordert seine Opfer – so konnte auch die Mitteilung darüber verstanden werden. Erst ging es um die Parallelen zwischen einer Bühnenproduktion und dem Entstehen des Heftes. Dramaturgie, Generalprobe, Premiere: das sei in beiden Fällen ähnlich. Dann folgte eine lapidare Mitteilung: Die „Reihe 5“ erscheine „nach elf Jahren mit dieser Ausgabe zum letzten Mal“. Am Ende stand ein Dank fürs Lesen – aber keinerlei Begründung für das Aus. Weiter hinten ging es noch um den Wehmut der Macherinnen und Macher, doch auch dort fehlte jegliche Erklärung. Der Vorhang zu und alle Fragen offen, könnte man mit Brecht sagen.

Umschichtung der Mittel von print zu online

Die inhaltlich ambitionierte und aufwendig gestaltete Publikation, die viermal im Jahr erschien, wird sang- und klanglos eingestellt – des Geldes wegen? Ja und Nein, ließe sich die Antwort des für die spartenübergreifende Kommunikation des Theaters zuständigen Direktors Martin Dehli zusammenfassen. Das Aus für „Reihe 5“ habe mit einem Umschichten der Mittel zu tun, das dem veränderten Nutzerverhalten folge: Print-Medien würden von den Besuchern immer weniger nachgefragt, während Online-Medien kontinuierlich an Bedeutung gewännen. Die Konsequenz laut Dehli: „Print-Budgets wurden schrittweise reduziert und Online-Budgets entsprechend erhöht.“ Meistens vollziehe sich diese Transformation unbemerkt, aber zuweilen seien auch strukturelle Veränderungen nötig – wie jetzt mit der Einstellung des Theatermagazins.

Gestartet wurde dieses 2015 mit dem Ziel, die Brücke von den künstlerischen Produktionen zu breiteren gesellschaftlichen Debatten zu schlagen. Man habe „bewusst auf klassische ,Theaterberichterstattung´ verzichtet“, so Dehli, „und vielmehr die gesellschaftliche und philosophische Relevanz dessen, was auf den Bühnen geschieht, durch unabhängige Autoren herausgearbeitet.“ Unter den deutschen Theatermagazinen habe die „Reihe 5“ damit ein Alleinstellungsmerkmal gehabt. Durch die „frische Außenperspektive“, wird der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks auf der Webseite des Gestalters zitiert, gelinge es, „Geschichten neu und spannend zu erzählen“.

Nach Aus nur einzelne Zuschriften von Lesern

Mit den ersten Heften wollte das Magazin laut Dehli ein breites kulturinteressiertes Publikum erreichen, „das noch nicht zu den regelmäßigen Theatergängern gehört“. Im Lauf der Zeit sei das Angebot dann von einer „sehr viel kleineren Gruppe von Lesern“ genutzt worden, die schon treue Besucher waren, aber Interesse an einer Ausweitung der Bühnenthemen hatten. Auf diese habe man sich fokussiert. Doch es waren am Ende wohl zu wenige, auch wenn die Auflage zuletzt immerhin 18 000 Exemplare betrug.

Nach dem Aus habe das Theater „einzelne Zuschriften von Lesern erhalten“, heißt es, „angesichts der Anzahl der Empfänger der Zeitschrift in doch überschaubarer Anzahl“. Darin hätten sie ihr Bedauern ausgedrückt. Zugleich stoße die Entscheidung auf Verständnis, die Budgets dem veränderten Kommunikationsverhalten anzupassen.

Treue Fans der „Reihe 5“ dürfen nun auf die Neugestaltung der Webseite der Staatstheater hoffen. Dort soll ein eigens konzipierter Magazin-Bereich entstehen, in dem die Fragestellungen aus dem Heft aufgegriffen werden.