Die Schocknachricht kam im November: Wahl stellt die Produktion in Peterzell ein und sieht sich nach einem neuen Standort um. Seitdem wurde es ruhig. Wie ist der aktuelle Stand?
Groß war die Freude in St. Georgen 2018, als das Unternehmen Wahl bekannt gab, seine damals 240 Arbeitsplätze in die Bergstadt zu verlegen – genauer gesagt auf das einstige Areal des Unternehmens Grässlin an der Bundesstraße 33 auf Peterzeller Gemarkung. Nun, nicht einmal acht Jahre später, ist die Freude in Sorge umgeschlagen: Im November hatte Wahl bekannt gegeben, dass die Tage des Peterzeller Standorts, in den das Unternehmen erst 2022 eingezogen war, wohl gezählt sind.
Grund sei eine strategische Neuausrichtung, teilte das Unternehmen im November mit. In deren Rahmen „soll die Wahl GmbH vom Produktionsstandort zur Vertriebs- und Marketingorganisation umgewandelt werden“. Damit reagiere Wahl auf die „veränderten Marktbedingungen, den zunehmenden Wettbewerbsdruck und das veränderte Kundenverhalten“.
Etwas mehr als zwei Monate, nachdem die Hiobsbotschaft publik wurde, laufen bei Wahl die Verhandlungen zwischen Vertretern von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, wie Unternehmenssprecherin Birgit Holz auf Anfrage unserer Redaktion erklärt. Das sei auch der Grund dafür, dass man „derzeit noch keine detaillierten Informationen bekanntgeben“ könne, wie es weitergeht.
Auf Anfrage bestätigt Holz, was nach der Ankündigung des Unternehmens im November bereits wahrscheinlich schien, jedoch auf Grundlage der Angaben des Unternehmens zunächst unklar blieb: „Es wird zu einem Stellenabbau kommen.“ Die Frage nach Umfang, Zeithorizont und betroffenen Unternehmensbereichen lässt die Sprecherin jedoch bislang offen: Hierzu könne sie „momentan keine konkreteren Angaben machen, da die Gespräche noch andauern“, erklärt Holz.
182 Mitarbeiter im November
Stand November 2025 arbeiteten ihren Angaben zufolge noch 182 Personen bei Wahl in Peterzell. Wie sie sich auf verschiedene Abteilungen – neben Fertigung und Logistik sind in Peterzell auch noch Vertrieb, Marketing sowie Forschung und Entwicklung angesiedelt – aufteilen, sei jedoch vertraulich. Diese Informationen kommuniziert das Unternehmen Holz zufolge nicht extern.
Bereits 2024 hatte das Unternehmen Stellen am Standort abgebaut: 70 Arbeitsplätze, hatte das Unternehmen damals angekündigt, sollten wegfallen – bei einer Belegschaft von etwa 250 Beschäftigten. Grund für die Streichungen war damals die Verlagerung von zwei Produktionsbereichen – Geräte-Endmontage und Spritzgießerei – nach Asien und in die USA. Am Standort Peterzell werde sich der Produktionsbetrieb „fortan nahezu ausschließlich auf die Entwicklung und Herstellung von hochpräzisen Schneidsätzen konzentrieren“, hieß es Anfang 2024 in einer Mitteilung des Unternehmens.
Produktion geht nach Asien und in die USA
Nun ereilt die Fertigung der Schneidsätze ein ähnliches Schicksal wie die Produktionsbereiche Geräte-Endmontage und Spritzgießerei: Die Bereiche, die diesmal in Peterzell wegfallen sollen, werden Holz zufolge „an Standorte in Asien und/oder den USA verlagert“. Zum Zeitrahmen macht sie bislang keine Angaben.
Bei Wahl in Peterzell möchte man sich künftig auf Vertrieb und Marketing konzentrieren – wobei die Frage, wo genau diese Aufgaben erledigt werden, noch offen ist. „Im Rahmen der Neuausrichtung ist perspektivisch auch ein Standortumzug vorgesehen“, hieß es schon im November. 10 000 Quadratmeter für Produktion und Logistik sowie etwa 3500 Quadratmeter für die Verwaltung – die Dimensionen, mit denen man vor wenigen Jahren geplant hatte, werden künftig nicht mehr benötigt.
Aus Unterkirnach hatte sich Wahl vor einigen Jahren unter anderem deshalb verabschiedet, weil die räumlichen Kapazitäten am alten Standort nicht mehr ausgereicht hatten. Ob nun eine Rückkehr nach Unterkirnach denkbar wäre? Zu dieser Frage unserer Redaktion macht Holz aktuell keine Angaben. Sie erklärt: „Der Zeitplan sowie die Festlegung des zukünftigen Standortes des Unternehmens stehen aktuell noch nicht fest.“