Trotz des verpassten Halbfinales sammeln die deutschen Handballer mit erfrischenden Auftritten Sympathiepunkte, aber gegen die Weltspitze stößt das Team an Grenzen. Zu den Erlebnissen müssen künftig auch die Ergebnisse hinzukommen, meint unser Autor Jürgen Frey
Wer nur die nackten Ergebnisse der DHB-Auswahl betrachtet, stellt ernüchtert fest: Gegen die absolute Weltspitze reicht es für die deutschen Handballer nicht. Mehr als das Minimalziel Viertelfinale konnte deshalb auch bei dieser WM nicht erreicht werden. Warum diese Mannschaft dennoch Freude, Mut und Hoffnung macht, liegt an der Art und Weise ihrer Auftritte. Sie zeigte sich nicht nur nahbar wie immer, sie ließ nicht nur ihr Herz auf der Platte. Nein, sie spielte im Angriff so flüssig wie seit Jahren nicht mehr und streute kreative Elemente wie den Kempa-Trick ein. Dass sie die Fans mit Risiko, Überraschungsmomenten und Spielfreude begeisterte, ist mehr als nur ein Trostpflaster für die verpasste Chance, um die Medaillen zu spielen.
Knorr Typ mit Starpotenzial
Zumal die Perspektive des Teams sehr gut ist. In Juri Knorr hat Deutschland endlich wieder einen exzellenten, torgefährlichen Spielmacher, der Verantwortung übernimmt. Das Schöne daran: Er ist ein echter Typ mit Starpotenzial, der sogar noch Luft nach oben hat. Knorr ist erst 22. Genauso wie Julian Köster, das zweite Versprechen für die Zukunft. Und Kapitän und Identifikationsfigur Johannes Golla hat mit 25 auch noch die besten Handballjahre vor sich.
Das spricht für eine goldene Zukunft des deutschen Handballs. Zumal die EM 2024 und die WM 2027 im eigenen Land über die Bühne gehen. Doch bei all diesen guten Voraussetzungen: Um die Sportart wirklich nach vorne zu bringen, ist es für den mitgliederstärksten Handballverband der Welt künftig mit sympathischen und attraktiven Auftritten allein nicht mehr getan. Neben Erlebnissen müssen im Profisport auch Ergebnisse her. In Form von Medaillen.