Der Energiekonzern Eon will sich für die Zukunft völlig neu aufstellen. Foto: dpa

Der Strom- und Gaskonzern Eon steht vor dem größten Umbau seiner Konzerngeschichte und plant die Trennung vom Strom aus Kohle, Gas und Atomkraft. Dagegen will man mit erneuerbaren Energien, Energienetzen und Kundenlösungen aus den roten Zahlen.

Düsseldorf - Deutschlands größter Energieversorger Eon will nach milliardenschweren Gewinneinbrüchen durch die Energiewende mit einer Radikalkur sein Überleben sichern. Der hoch verschuldete Düsseldorfer Dax-Konzern will seine Firmenstruktur komplett umwerfen und sich auf Erneuerbare Energien, Energienetze und intelligente Kundensysteme konzentrieren. Das kaum mehr gewinnbringende Hauptgeschäft mit Atom, Kohle und Gas soll an ein neu zu gründendes börsennotiertes Unternehmen abgegeben werden, wie Firmenchef Johannes Teyssen am Montag in Düsseldorf ankündigte. Bis 2016 soll die Umstellung vollzogen sein. An der Börse kamen die Pläne gut an, doch es gibt auch warnende Stimmen.

Ein Arbeitsplatzabbau solle mit dem Schritt nicht verbunden sein, betonte Teyssen. Die künftige Eon-Gesellschaft für die Stromerzeugung mit Atomkraft, Kohle und Gas und mit etwa 20.000 Beschäftigten hat nach seiner Überzeugung gute Aussichten am Markt. „Es ist noch nicht gesagt, wer in fünf Jahren der erfolgreichere ist - Eon oder die neue Gesellschaft“, sagte er. Die neue Gesellschaft starte ohne Kapitalmarktschulden und mit den kompletten Atomrückstellungen des Konzerns in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro. Der restliche Eon-Konzern behalte rund 40.000 Mitarbeiter.

Eon steuert auf tiefrote Zahlen zu

Die Aktionäre sollen für die Übergangsjahre 2014 und 2015 eine Festdividende von 50 Cent pro Aktie bekommen. Für 2013 hatte Eon noch 60 Cent bezahlt. 2014 sei außerdem mit weiteren Abschreibungen von 4,5 Milliarden Euro zu rechnen, sagte Finanzchef Klaus Schäfer. Eon steuert damit für das Gesamtjahr auf tiefrote Zahlen zu. Der Konzern begründete die neuen, erheblichen Abschreibungen mit Wertverlusten in Südeuropa und im Kraftwerksgeschäft. In den ersten drei Quartalen waren bereits Abschreibungen in Höhe von rund 700 Millionen Euro aufgelaufen.

Großkraftwerke würden noch für eine lange Zeit als Rückgrat der Energieversorgung gebraucht, betonte Teyssen. Deshalb werde das ausgegliederte Geschäft eine starke Zukunft haben. Allerdings unterscheide sich das klassische Geschäftsmodell immer stärker von den Anforderungen der neuen Energiewelt. Es sei schwerer, beides unter einem Dach zu vereinen.

"Wollen uns radikal neu aufstellen"

Das bisherige breite Geschäftsmodell von Eon wird nach Einschätzung von Aufsichtsratschef Werner Wenning den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht: „Die drastischen Veränderungen der globalen Energiemärkte, technische Innovationen und wachsende, individuellere Kundenerwartungen erfordern einen mutigen Neuanfang“, erklärte er laut einer Mitteilung vom Sonntagabend. „Deshalb wollen wir uns radikal neu aufstellen.“

Die Grundlagen für die Börsennotierung des neuen Unternehmens sollen im kommenden Jahr geschaffen werden. Eon will zunächst noch einen Minderheitsanteil an der neuen Gesellschaft behalten, für die es noch keinen Namen gibt und die ihren Firmensitz in der Region Rhein-Ruhr haben soll. Über die Pläne muss noch eine Hauptversammlung entscheiden.

Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sind weder Jobs noch die Milliarden-Atom-Rückstellungen bei Deutschlands größtem Energieversorger gefährdet. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitsplätze in beiden Unternehmen gesichert bleiben“, sagte er. Der Staat sei an einem Einstieg nicht interessiert. Sorgen, dass Eon sich beim Atomausstieg aus der Verantwortung ziehen könnte, seien unbegründet. Der radikale Umbau wird nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi keine negativen Auswirkungen für die Beschäftigten haben. In einer Vereinbarung zwischen Vorstand und Betriebsrat seien Kündigungen durch die Aufspaltung ausgeschlossen worden.

Grüne warnen vor "Bad Bank"

Die Grünen warnten vor erheblichen Risiken für die Steuerzahler. „Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss“, sagte die Energie-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, der Deutschen Presse-Agentur. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) sprach im ARD-„Mittagsmagazin“ von einem „Befreiungsschlag für den Konzern“.

Eon schiebt einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro vor sich her. Daran ändert auch der Verkauf des gesamten Geschäfts in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie zu einem Unternehmenswert von 2,5 Milliarden Euro nur wenig. Neben dieser Veräußerung prüft Eon auch den Verkauf des Geschäfts in Italien. Zudem soll das Explorations- und Produktionsgeschäft in der Nordsee ebenfalls noch vor der Neuaufstellung überprüft werden.

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