Die Heizung der Kindertagesstätte Krabbelkäfer in Bad Dürrheim ist ein Eisspeicher. Foto: Archiv/Strohmeier

Innovative Wege im Bereich der Energieversorgung geht Gutach im Breisgau. Eine Delegation aus Niedereschach informierte sich dort unter anderem über die Versorgung mit der Eisspeichertechnologie.

Niedereschach - Ins Gewissen geredet hat Gemeinderätin Regina Rist in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ihren Ratskollegen. Sie zeigte sich enttäuscht darüber, dass gerade auch mit Blick auf die aktuelle Situation im Energiebereich nur fünf von 15 Ratsmitgliedern dabei waren, als man sich in Gutach im Breisgau über die zukunftsträchtige Eisspeichertechnologie informierte.

In Gutach habe man eine spannende und hochinteressante Form der Energieversorgung besichtigen dürfen. Die örtlichen Vertreter haben den Ausführungen Rists zufolge eindrucksvoll erläutert, wie sich eine Gemeinde unabhängig von der Wärmeversorgung machen kann. Die Gemeinde Gutach habe sich zur Versorgung eines neuen Wohngebiets der Eisspeichertechnologie verschrieben und sich diese als Energiequelle zu Nutze gemacht, verbunden mit einem Kältenetz und dazugehöriger Wärmepumpe.

Selbst Einzelgebäude ausgestattet

Selbst Einzelgebäude wie Rathaus oder die Schule werden mit der Eisspeichertechnologie ausgestattet. Hochinteressant sei auch die Versorgung des neuen Feuerwehrhauses und des DRK-Gebäudes, welche ebenfalls durch einen acht mal drei Meter großen Eisspeicher mit Wärme versorgt werden.

Bemerkenswert sei zudem, dass selbst bei der Stromversorgung das Feuerwehrhaus samt der umliegenden Straßenbeleuchtung autark mit eigener Stromproduktion versorgt werde. Hierzu sei zum einen auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage, zum anderen werde dazu ein kleines Windrad mit Stromspeicher errichtet.

"Gerade solche Pioniergemeinden von denen wir als Gemeinderat lernen können und durch Erfahrungsaustausch profitieren, sollten Ansporn sein uns gemeinsam mit diesen Themen, die unweigerlich unsere Zukunft betreffen zu befassen", so Rist.

Beeindruckende Präsentation

Allerdings bedürfe es hierzu eines breiten Interesses der Vertreter und Verantwortlichen, die für die Gestaltung und Zukunft der Gemeinde an den Stellhebeln sitzen. "Erstaunlich, wie ambitioniert Gutach ihre Gemeinde fit machen will für die Zukunft", so Rist. Heute sei die Gemeinde samt Bürgerschaft glücklich, dass trotz aller Widerstände und Rückschläge die Umstellung und Unabhängigkeit gelungen und zukunftsorientiert umgesetzt wurde.

Gerade im Hinblick auf geplante Baugebiete und anstehender Sanierungen in Niederschach wäre es doch ein Gebot der Stunde, sich damit intensiv auseinanderzusetzen. Wie kritisch die aktuelle Lage im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den drohenden Lieferengpässen sowie der Abhängigkeit von Gas, Öl und Kohlelieferungen aus Russland ist, spreche eine deutliche Sprache. "Wenn dies jeder von uns verstanden hat, dann zwingt es uns doch dazu, hier das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, und zwar schleunigst und nicht in zehn Jahren", lautete die Aufforderung der Ratsfrau. Solche Projekte zu realisieren, gehe nicht von heute auf Morgen. Dies brauche Vorlaufzeit.

Neue Baugebiete

Wenn man in Niedereschach künftig über beispielsweise neue Baugebiete spreche, müsse die Versorgungssicherheit ein wesentlicher Eckpunkt in der künftigen Bauleitplanung darstellen. Einzelmaßnahmen in Verbindung mit Sanierungen seien ebenfalls zu prüfen.

"Hätten wir nicht den Ehrgeiz der BEN, die seit nunmehr zwölf Jahren bereits ein großes Stück unabhängige Versorgung betreibt, gehabt, säßen wir heute noch immer mit nichts in den Händen da", ist sich Rist sicher. Mit der BEN hätte man in Niedereschach sicher auch einen kompetenten Kooperationspartner, wenn es um die Eisspeichertechnologie gehe.

Info: Eisspeicher

Die Eisspeicher-Funktion setzt auf latente Wärme, die Wasser bei der Vereisung freisetzt. Diese ist etwa 80 Mal höher, als würde man Wasser um ein Grad Celsius abkühlen und ermöglicht kleine Speichervolumen.