Der Raichberg war am Wochenende ein sehr gefragtes Ausflugsziel. Foto: Nölke

Zu Spitzenzeiten über 350 Autos abgestellt. Polizei stellt keine Verstöße gegen Corona-Verordnung fest.

Verkehrschaos am Wochenende auf dem Raichberg - am Sonntag waren hunderte Menschen aus der ganzen Region in Albstadt unterwegs. Verstöße gegen die Corona-Verordnung stellte die Polizei jedoch keine fest.

Albstadt - Wer am Sonntag auf den Raichberg in Onstmettingen wollte, hatte schlechte Karten. Ab dem Onstmettinger Ortsschild war in Fahrtrichtung Nägelehaus zeitweise Stillstand angesagt. Hunderte Menschen aus ganz Baden-Württemberg pilgerten auf die Alb - trotz eines Appells der Bundesregierung. An den Autokennzeichen konnte jeder schnell sehen, dass es sich bei den Wintersport-Fans zum größten Teil nicht um Einheimische handelte. Vertreten waren unter anderem die Landkreise Tübingen, Reutlingen, Sigmaringen und Tuttlingen - also die Nachbarlandkreise des Zollernalbkreises. Aber auch aus Esslingen, Offenburg, Freudenstadt, Pforzheim, Calw und Heilbronn waren einige Fahrzeuge dabei.

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Die Parksituation stellte sich ebenso schwierig dar, wie die Anfahrt. Die Parkplätze waren mit rund 250 Autos bereits gegen 13 Uhr voll ausgelastet. Das hielt jedoch viele nicht vom Parken ab. Überall neben der Straße wurden Autos abgestellt. Ein Durchkommen wäre für große Fahrzeuge - etwa vom Rettungsdienst oder der Feuerwehr - an manchen Stellen schwer möglich gewesen.

Zu Spitzenzeiten waren über 350 Fahrzeuge gleichzeitig abgestellt. Dementsprechend ging es auch wenig friedlich zu: Autofahrer hupten sich an den Kreuzungen zu und pöbelten sich gegenseitig an. Teilweise standen sich zwei Autos in der engen Straße gegenüber - ein Ausweichen war kaum möglich. 

Warum ausgerechnet ein Ausflug nach Albstadt?

Aber warum kamen so viele Besucher trotz der Corona-Beschränkungen? Eine ältere Dame aus dem Kreis Reutlingen erzählte, dass im heimischen Sonnenbühl der Wintersport-Berg von der Feuerwehr komplett abgeriegelt worden sei. Da sie alleinstehend und am Wochenende gerne mit den Langlauf-Ski unterwegs sei, habe sie ihren Enkel gebeten, im Internet zu suchen, wo es schöne Loipen gebe, die nicht abgesperrt sind - und landete so in Albstadt.

Eine junge Familie aus der Nähe von Freudenstadt argumentierte ähnlich: "Bei uns ist alles gesperrt." Wer nicht direkt in einem der Wintersportgebiete lebe, dürfe dort auch nicht hinfahren. Außerdem wüssten die Eltern nicht, was sie sonst mit ihren Kindern machen sollten, erklärt die Mutter. "Eishallen haben geschlossen und Treffen mit Freunden sind auch nicht mehr erlaubt. Einen Ausflug in die Natur lassen wir uns aber nicht verbieten!" Da nehme man auch gerne eine weitere Fahrtstrecke in Kauf und erkunde die Region, ergänzte der Vater.

Einen Vorteil hat der Raichberg jedoch, was den Besucheransturm betrifft: Durch das weitläufige Gelände mit unzähligen Schneehängen, Loipen und Traufgängen verteilten sich die Menschenmassen. Die Besucher standen meistens alleine oder in Kleingruppen mit Freunden oder der Familie auf den Hängen. Die Polizei berichtet deshalb auch: "Der gesamte Raichberg war am Sonntag sehr gefragt." Die Beamten seien vor Ort gewesen und hätten sich über die verschiedenen Bereiche - die Traufgänge, die Aussichtspunkte und die Schneehänge - einen Überblick verschafft, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Reutlingen. Die Polizisten hätten ebenfalls festgestellt, dass "mehrere hundert" Menschen unterwegs waren. Verstöße gegen die Corona Verordnung habe es aber keine gegeben.

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