Charles Bamberger jun. ist auf Gemälde spezialisiert. Foto: Andreas Fischer

Experten eines Auktionshauses kommen in den Kreis Calw, um Kunst und Schmuck zu schätzen. Wie das abläuft und warum das ZDF den Vergleich mit „Bares für Rares“ kritisiert.

Eine Kunstsprechstunde gibt es am Samstag, 20. Dezember, von 10 bis 17 Uhr im Mönchs Waldhotel in Unterreichenbach. Das Mannheimer Auktionshaus wirbt dabei in seiner Ankündigung mit dem ZDF-Show-Prinzip „Bares für Rares“. Im Gegensatz zur bekannten Fernsehsendung, die eine öffentliche Verkaufsrunde mit mehreren Händlern beinhaltet, bietet die Kunstsprechstunde jedoch keine solche „Bieterschlacht“ oder einen direkten Verkauf vor Ort.

 

In der beliebten Fernsehshow „Bares für Rares“ mit Horst Lichter können die Teilnehmer ihre Fundstücke aus Keller oder Garage schätzen lassen und eventuell direkt in der Show verkaufen. Dazu wird das Exponat zunächst von einem Experten geschätzt und danach gibt es ein Auktion, in der mehrere Händler bieten können. Wenn ein Preis erreicht ist, der dem Verkäufer gefällt, wird der Verkauf abgeschlossen – ansonsten nimmt er den Gegenstand wieder mit nach Hause.

Auktionshaus bewertet Schmuck, Uhren und mehr

Und wie läuft das bei der Kunstsprechstunde ab? Seit fast einem Jahrzehnt biete der Initiator, Charles Bamberger, dessen Familie seit 75 Jahren im Kunst- und Schmuckhandel tätig sei, Kunstsprechstunden an, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens, und weiter: „Das familiengeführte Traditionsunternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, deutschlandweit mit einem ausgewählten Expertenteam Städte zu besuchen, um für Schätze wie Kunstbilder, Skulpturen, Farbedelsteine, Armband- und Taschenuhren, Schmuck alt wie neu, Münzen und sogar Kleinkunst Expertisen vorzunehmen.“

Klaus Fischer, der Pressesprecher des Auktionshauses, erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, wie die Kunstsprechstunde abläuft. Auch hier können Interessierte mit ihren Gegenständen kommen – am besten mit Termin. Ohne vorherige Terminabsprache sei der Besuch auch möglich, das könnte dann aber auch mit Wartezeiten verbunden sein.

Auktionshaus hofft auf Werke von Schlichter und Hudy

Im Raum Calw hofft das Auktionshaus, so Fischer weiter, auch auf Werke des Malers Rudolf Schlichter oder des Calwer Künstlers Lothar Hudy.

Auf die potenziellen Verkäufer warten dann Experten des Auktionshauses, etwa ein Gold- und Silberschmied für Schmuck oder Experten für Bilder und Kunstgegenstände wie Skulpturen oder auch Münzen und Taschenuhren. Diese Experte seien im Übrigen allesamt Mitglieder der Inhaberfamilie. Das sei auch gut so, ein „Akt des sich gegenseitigen Vertrauens“, betont Fischer.

Die Bewertung erfolge dann in einer „diskreten Eins-zu-Eins-Situation“. Dort würden die Kunden beraten und „eine vernünftige Expertise“ erstellt. Dabei gebe es, so erzählte Fischer bereits vor einigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion, „positive und negative Emotionen“. Fischer weiter: „Erst neulich besuchte eine Familie mit einer Sammlung alter Taschenuhren unsere Kunstsprechstunde. Diese hatten sehr hohe Erwartungen an das Ergebnis der Expertise. Bedauerlicherweise mussten wir ihnen mitteilen, dass sämtliche Uhren eher von geringem Wert sind.

Andersrum war es bei einer Veranstaltung vor gut zwei Monaten, als ein junges Ehepaar den Raum mit einem geerbten Gemälde, das Entenmotive zeigte, betrat. Als wir sie darüber aufklärten, dass es sich um ein Werk des bekannten Künstlers Alexander Koester handelt, das wir im mittleren fünfstelligen Bereich taxierten, sprangen beide vor lauter Freude auf.“

Keine „Bieterschlacht“ wie bei „Bares für Rares“ und kein direkter Ankauf

Wenn sich Kunde und Experte einig werden, werden die Exponate in die Auktionen des Hauses aufgenommen. Bei einem Verkauf erhält das Auktionshaus 25 Prozent des Erlöses, weitere Gebühren würden für die Verkäufer nicht fällig. Ebenso sei es möglich, die Stücke in Kommission zu geben, auch ein direkter Ankauf durch das Auktionshaus ist möglich.

Charles Bamberger sen. ist einer der Experten des Mannheimer Auktionshauses. Foto: Aaron Gärtner

So ganz nach dem Prinzip von Bares für Rares läuft die Kunstsprechstunde also nicht ab. Zwar erhalten die Verkäufer eine Einschätzung für ihr Exponat und wohl auch einen möglichen Preis, eine „Bieterschlacht“ unter verschiedenen Händlern wie bei der ZDF-Sendung gibt es aber nicht.

ZDF sieht Werbung mit „Bares für Rares“ kritisch

Und was sagt das ZDF dazu, dass eine Firma mit dem Namen der Fernsehsendung wirbt? „Die Bewertung hängt stets vom konkreten Einzelfall ab“, antwortet Jessica Zobel vom ZDF. Weiter sagt sie: „Grundsätzlich sehen wir es jedoch kritisch, wenn Dritte den Namen von ZDF-Sendung oder den Sendernamen zu werblichen Zwecken nutzen, insbesondere wenn damit eine Irreführung des Publikums riskiert oder gar anvisiert und die Beliebtheit und der gute Ruf der ZDF-Sendungen und Kennzeichen ausgenutzt werden sollen.“

Ob mit dem Namen geworben werden dürfe, sei ebenfalls eine Frage des Einzelfalls. „Der Titel der Sendung ‚Bares für Rares‘ sowie das Zeichen ‚ZDF‘ sind umfassend kennzeichen- und markenrechtlich geschützt. Eine Nutzung zu werblichen Zwecken durch Dritte ist daher in der Regel unzulässig“, so Zobel weiter. Bei einer „nicht geringen Zahl an Werbeanzeigen, Flyern, Plakaten und ähnlichen Werbematerialien, auf die wir in der Vergangenheit gestoßen sind oder die uns gemeldet wurden, hatten wir in der Tat den Eindruck, dass durch den Bezug auf die bekannte Sendung gezielt der Eindruck von Seriosität erzeugt werden sollte“, teilt sie weiter mit.

Besonderer Vertrauensvorschuss durch „Bares für Rares“?

Dritten werde „grundsätzlich nicht gestattet, mit dem Namen der Sendung ‚Bares für Rares‘ zu werben“. Sofern eine Nennung oder ein werblicher Bezug rechtswidrig sei – etwa weil er irreführend wirkt oder eine Markenrechtsverletzung darstellt – könne hiergegen rechtlich vorgegangen werden.

Derartige Bezugnahmen sehe man beim ZDF „wie gesagt sehr kritisch“. Gerade wenn „kostenfreie Schätzungen“ von Wertgegenständen angepriesen würden, könne „die Gefahr bestehen, dass durch eine unautorisierte Bezugnahme auf die beliebte Sendung ‚Bares für Rares‘ ein besonderer Vertrauensvorschuss entsteht, der das Angebot aus Sicht des Publikums seriöser erscheinen lässt, als dies ohne die Bezugnahme der Fall wäre“, so Zobel weiter. Es handele sich „hierbei um Handlungen Dritter, die unsere Kennzeichen ohne die Zustimmung des ZDF und damit in aller Regel rechtswidrig verwenden“.

Sprecher des Auktionshauses: „Riesen Vertrauen aufgebaut“

Darauf angesprochen erwidert der Sprecher des Auktionshauses, dass man die Kunstsprechstunde mit dem Prinzip der Show vergleiche. Man habe zudem „einen Fachanwalt für Patentrecht darauf angesetzt“ und das abgeklärt, fühlt sich Fischer rechtlich auf der sicheren Seite. Zudem habe man sich in der Vergangenheit ein „riesen Vertrauen aufgebaut“, sagt Fischer weiter. Er verweist zudem darauf, dass die Besucher vorab im Internet recherchieren und Rezensionen googeln würden. Und wer das Mannheimer Auktionshaus bei Google eingibt, stößt auf durchweg positive Bewertungen. 22 Rezensionen sind bei Google abrufbar, alle vergeben fünf von fünf möglichen Sternen. Fischer sagt abschließend: „Wenn wir unseriös wären, wäre der Stecker ganz schnell gezogen.“

Die Kunstsprechstunde des Mannheimer Auktionshauses in Mönchs Waldhotel in Unterreichenbach, Zu den Mühlen 2, findet am Samstag, 20. Dezember, von 10 bis 17 Uhr statt.

Termine können im Vorfeld unter Telefon 0621/48 20 69 19 oder 0176/60 43 14 32 vereinbart werden.