Charles Bamberger sen. begutachtet ein Schmuckstück. Am Samstag, 22. November, kommt das Mannheimer Auktionshaus nach Empfingen. Foto: Aaron Gärtner

Das Mannheimer Auktionshaus kommt in den Empfinger Hof nach Empfingen. Dort kann man sich seine Schätze schätzen lassen. Doch wie läuft das ab? Und was läuft gut und was nicht?

„Bares für Rares“ im ZDF zählt zu den beliebtesten Fernsehsendungen Deutschlands – und viele Menschen interessieren sich seither für den Wert von Kunst, Schmuck und Antiquitäten. Wer den Weg ins TV-Studio scheut, kann sich auch vor Ort beraten lassen: Bei den Kunstsprechstunden der Familie Bamberger werden Gegenstände aller Art bewertet – vom alten Gemälde bis zum Schmuck.

 

Kostenfrei können die Kunden am Samstag, 22. November, von 10 bis 17 Uhr ihre Wertgegenstände im Hotel Empfinger Hof (Im Auchtert 12, 72186 Empfingen) schätzen lassen. Das Auktionshaus empfiehlt hierzu eine Terminabstimmung (siehe Info).

Wir haben mit Klaus Fischer, Pressesprecher des Auktionshauses, gesprochen.

Was hat Sie dazu inspiriert, das Konzept der Kunstsprechstunden nach dem Vorbild von „Bares für Rares“ auch in andere Orte wie Empfingen zu bringen?

Es ist knapp fünfzehn Jahre her, da betrieb die Familie Bamberger ein Auktionshaus in der Stadt Heidelberg. Eine Kundin des Hauses, die Ihre Erbsachen vorstellte, äußerte, dass Sie eine gute Freundin in Freiburg hätte, die gerne unsere Expertise wahrnehmen würde, der Weg nach Heidelberg für sie allerdings zu weit wäre. Anfragen dieser Art häuften sich, so entstand die Idee, Expertisen in Form von Kunstsprechstunden an verschiedenen Standorten Deutschlands anzubieten.

Was unterscheidet Ihre Kunstsprechstunden vom bekannten TV-Format „Bares für Rares“?

Ein sehr konkreter. Während bei der TV - Show Bares für Rares die Experten bereits Monate vorher Zeit haben, über einen Wertgegenstand zu recherchieren, passiert bei uns alles kurzfristig vor Ort. Dementsprechend ist es immens wichtig, auf einen großen Fundus an Wissen zurückgreifen zu können. Die Familie Bamberger ist seit 75 Jahren in vierter Generation im Kunst- und Schmuckhandel tätig. In unserem Kundenstamm ist zum Teil schon die dritte Generation an Familien, die uns das Vertrauen schenken. Ferner findet man bei unseren Kunstsprechstunden eine diskrete Eins-zu-eins -Situation vor statt des „Sich gegenseitig Hochbietens“. Jeder Experte agiert auf seinem Gebiet, im Team befinden sich zwei Experten für Gemälde und Bronzeskulpturen, ein weiterer für Münzen, Armband- und Taschenuhren und schließlich können wir noch auf einen gelernten Silber- und Goldschmied zurückgreifen.

Hat sich Ihre Arbeit seit dem Hype um die TV-Sendung verändert? Wie hat sich das Interesse an Kunst, Schmuck und Antiquitäten in den letzten Jahren verändert?

Ja, das kann man so sagen. Seit der TV-Sendung ist das Interesse, Kunst- und Schmuckstücke vorzuzeigen sowohl stationär aber vor allem bei den Kunstsprechstunden schon sehr gestiegen. Generell merkt man, dass auch die junge Generation wieder ein größeres Interesse an Kunst hat, das freut uns natürlich sehr.

Welche Art von Schätzen oder Fundstücken begegnen Ihnen bei solchen Veranstaltungen am häufigsten?

Am wohl häufigsten werden Gemälde vorgezeigt. Mindestens drei Mal im Jahr finden Auktionen statt. Hier haben die Kunden sowohl die Möglichkeit, stationär vor Ort mitzubieten, aber auch online über die Plattform lot - tissimo.

Was waren vielleicht die außergewöhnlichsten oder überraschendsten Momente?

Einer der überraschendsten Momenten war zweifelsfrei der Besuch einer älteren Dame bei einer Kunstsprechstunde. Sie stellte eine Bronzeskulptur in Form eines Bären auf den Tisch und wollte diesen für 200 Euro veräußern. Bereits auf den ersten Blick erkannte Herr Bamberger Jun., dass es sich hier um eine Schöpfung der bekannten Bildhauerin Reneé Sintenis handelte. Bei einer unserer Auktionen wurde die Figur dann für über 15.000 Euro versteigert - sehr zur Freude der Besucherin natürlich.

Wie läuft eine Expertise genau ab – was erwartet die Besucherinnen und Besucher vor Ort? Kaufen Sie auch Ware vor Ort direkt auf?

Wenn ein Kunde einen Termin bei einer unserer Kunstsprechstunden im Vorfeld ausmacht - wozu wir aufgrund der hohen Nachfrage dringend raten - wird er oder sie am Empfang dem richtigen Experten zugewiesen. Dieser nimmt sich natürlich die nötige Zeit, fragt nach, was man uns über den Wertgegenstand erzählen kann, welche Geschichte dahinter steckt. Dies ist vor allem bei Gemälden sehr hilfreich, um die zeitliche Epoche genauer einordnen zu können. Bei Interesse unsererseits werden die Wertgegenstände in die Auktion aufgenommen, bedeutet, es wird ein Auktionsvertrag geschlossen. Grundsätzlich gibt es aber verschiedene Möglichkeiten, uns einen Wertgegenstand zu überlassen, denn auch das Thema Kommission ist für uns interessant.

Welche Qualifikationen und Erfahrungen bringt Ihr Expertenteam mit?

Das fundierte Wissen wurde über Generationen weitergegeben. Herr Bamberger sen. ist exemplarisch gelernter Goldschmied, kann aber auch ein Studium der Kunstgeschichte vorweisen. Sein Sohn hat bereits in mehreren Galerien gearbeitet, bevor er ins elterliche Unternehmen eingestiegen ist.

Wie reagieren die Menschen, wenn sie erfahren, welchen tatsächlichen Wert ihr Schmuckstück oder Gemälde hat?

Hier überschlagen sich teils positive und negative Emotionen. Erst neulich besuchte eine Familie mit einer Sammlung alter Taschenuhren unsere Kunstsprechstunde. Diese hatten sehr hohe Erwartungen an das Ergebnis der Expertise. Bedauerlicherweise mussten wir ihnen mitteilen, dass sämtliche Uhren eher von geringem Wert sind. Andersrum war es bei einer Veranstaltung vor gut zwei Monaten, als ein junges Ehepaar den Raum mit einem geerbten Gemälde, das Entenmotive zeigte, betrat. Als wir sie darüber aufklärten, dass es sich um ein Werk des bekannten Künstlers Alexander Koester handelt, das wir im mittleren fünfstelligen Bereich taxierten, sprangen beide vor lauter Freude auf.

Gibt es bestimmte Objekte oder Kategorien, die Sie besonders gerne begutachten? Und welche eher weniger?

Jeder unserer Experten hat sein Fachgebiet bzw. seine Fachgebiete. Dementsprechend kann man nicht pauschal sagen, dass dieser oder jener Wertgegenstand weniger gerne begutachtet wird. Allerdings müssen wir Kunden, die alte Puppenbetten oder Pelzmäntel bringen, schonend beibringen, dass solche Gegenstände von uns nicht bewertet werden, das sich dafür keine Experten im Team befinden.

In welchen Bereichen sind eher höhere Gewinne zu erwarten und in welchen Sparten sollten die Besucher ihre Erwartungen eher herunterschrauben?

Sollte uns beispielsweise ein Gemälde wie der eben skizzierte Alexander Koester überlassen werden, ist natürlich von einem hohen Verkaufswert auszugehen. Kunden mit weniger hochwertiger Kunst müssen sich auch mit einem Auktionsergebnis im dreistelligen Bereich zufrieden geben. Pauschal lässt sich aber nicht sagen, welche Kategorie gewinnversprechender ist und welche weniger.

Lohnen sich Besuche auf Flohmärkten, um Raritäten zu finden? Oder sind es eher die Dachbodenfunde, die die wahren Schätze sind?

Auf Flohmärkten findet man eher selten hochwertige Gegenstände, dann sind es schon eher die Dachbodenfunde, die interessant sein können. Kunst, die über Jahrzehnte auf dem Speicher lag und dann zum Vorschein kommt, hat schon beinahe etwas Magisches für uns.

Schauen Sie sich Bares für Rares auch gerne an? Könnten Sie sich auch vorstellen, als Experte im TV tätig zu sein?

Die Experten bei Rares für Rares sind für uns bekannte Gesichter. Tatsächlich sind wir immer mal wieder im Austausch mit dem ein oder anderen. Als Experte im TV kann es sich keiner der Familie Bamberger vorstellen zu arbeiten. Das Prinzip des sich gegenseitig Hochsteigerns ist nicht unsere Art. Wir leben und lieben die diskrete Eins-zu-eins - Situation bei unseren Kunstsprechstunden.

Gab es schon einmal einen Moment, in dem Sie dachten: „Das kann doch nicht echt sein!“ – und es war dann doch ein Original?

Unserem gelernten Goldschmied, Herr Bamberger sen., wurde einmal ein kolumbianischer Smaragd vorgelegt, dessen Geschichte auf den ersten Blick so absurd war, dass es sich nicht um ein Original handeln konnte. Bei der genaueren Recherche wurde dann nicht nur die Originalität, sondern auch die wahre Geschichte über die Herkunft des Schmuckstücks aufgedeckt, das war dann allerdings wirklich sehr überraschend - sowohl für den Kunden als auch für uns.

Terminvereinbarung

Telefonnummern
Es wird empfohlen, im Vorfeld unter der Nummer 0621/48206919 oder 0176/60431432 anzurufen, um einen Termin abzustimmen. Aber auch ohne Termin ist ein Besuch möglich, der dann aber mit einer gewissen Wartezeit verbunden sei.