Ein Lagerregal voller Porsche vom Typ 356 – mit diesem Bild macht das Auto-Auktionshaus RM Sotheby’s auf eine spektakuläre Versteigerung im Oktober aufmerksam. Foto: StZN

Seit seinem Tod vor mehr als 20 Jahren war der Schrottplatz von Rudi Klein in Los Angeles eine Art verbotene Stadt. Jetzt kündigt ein Auktionshaus die Versteigerung der Schätze an.

Rudi Kleins Edelschrottplatz in Hollywood gilt unter Oldtimerfans und Restauratoren als wohl größtes Fantasialand der Welt. Die Ansammlung von demolierten Luxusautos, darunter unzählige Mercedes- und Porsche-Preziosen, weckte bei den einen Begehrlichkeiten und bei den anderen den Geschäftssinn. Nach dem Tod des eigenwilligen, deutschstämmigen Eigentümers im Jahr 2001 entzogen die Erben das schon vorher schwer zugängliche Gelände in Florence/South Central Los Angeles vollends dem Blick der Öffentlichkeit. Jetzt aber kommen einige Schätze von dort wieder auf den Markt.

 

Das in Kanada angesiedelte Oldtimer-Auktionshaus RM Sotheby’s hat auf seiner Website und in sozialen Medien angekündigt, von Oktober an die Sammlung von Rudi Klein („The mythical Rudi-Klein-Collection“) Sammlerstück für Sammlerstück zu verkaufen. Unter den Verkaufsgegenständen befinden sich laut RM Sotheby’s das Mercedes-Benz 500 K Coupé des Rennfahrers Rudolf Carraciola von 1935 sowie ein 300 SL-Flügeltürer aus Aluminium (1955).

Auswanderer Rudi Klein hat den Schrottplatz in den USA aufgebaut. / Dieter Rebmann

Die Ankündigung findet auch in Deutschland schnelle Verbreitung. Das Forum mercedes-fans.de betont in einem Artikel die außergewöhnliche Qualität der Sammlung. Von dem genannten Alu-Flügeltürer beispielsweise seien nur 29 Stück gebaut worden, vermerkt das Forum. Zudem kämen ein Horch 855 Spezial Roadster von 1939 und ein 1967er Iso Grifo-Prototyp von Bertone zur Versteigerung.

Der knurrige Schrotthändler war ebenso bekannt wie gefürchtet

Nach Rudi Kleins Tod war lange unklar geblieben, wie seine Söhne mit ihrem einmaligen Erbe auf Dauer umgehen wollen. Der gelernte Metzger, gebürtig in Rüsselsheim, war der Gründer der Autoverwertung „Porche Foreign Auto Car Dismantling“ in South Central Los Angeles. Das fehlende „s“ bei Porche sollte wohl Markenstreitigkeiten mit dem Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche vermeiden.

Den Grundstock seiner riesigen Autosammlung, die großteils unter der kalifornischen Sonne über Jahre hinweg vor sich hin rostete, legte er durch den günstigen Ankauf von Unfallwagen. „Der Rudi ist auch nachts um drei losgefahren, um einen verunglückten Ferrari abzuholen“, erinnert sich der Fotograf Dieter Rebmann aus Neuhausen auf den Fildern – einer der wenigen, denen Klein zwei Tage Zeit gab, die Stätte des automobilen Prachtverfalls mit der Kamera festzuhalten. Es war eine Zeit, in der demolierte Wagen noch günstig zu haben waren. Die große Preisexplosion bei Oldtimern fand erst nach der Jahrtausendwende statt.

Wenn das Gestrüpp auf dem Ferrari wächst – ein Bild aus dem Buch „Junk Yard“ von Roland Löwisch und Dieter Rebmann (Heel-Verlag) Foto: Rebmann

Klein ließ nur wenige Leute auf seinen „Junkyard“, und er folgte bei Verkäufen ganz seinem Bauchgefühl. Schnäppchenjäger, die seiner Meinung nach zu wenig boten, schlug er mit Mondpreisen in die Flucht. Dennoch suchten immer wieder Restauratoren aus aller Welt den Kontakt zu ihm. Nach aufwendiger Instandsetzung versprachen die vormals demolierten Kisten satte Gewinne.

Klein selbst wandelte sich vom Schrotthändler zum Sammler, der auch auf den großen Oldtimer-Events präsent war – beispielsweise beim „Concours d’Elegance“ in Pebble Beach. Auch wenn die Welt der noblen Hotels und steinreichen Sammler nicht die seine war, wurde er als Mitspieler, der die Regeln des Geschäfts kannte, zu einer legendären Figur. Jetzt werden die Erinnerungen an ihn wieder wach – spätestens dann, wenn seine alten Autos, die wieder neu auf den Markt kommen, Rekordpreise erzielen sollten.