Scharen von Tauben am Hechinger Obertorplatz sind seit Jahren ein gewohntes Bild. Die dort erlassene Fütterungserlaubnis wurde kürzlich wieder zurückgenommen. Foto: Mandy Pacuku

180-Grad-Wende in Sachen Tauben: Völlig überraschend hat es ein Treffen der Verwaltungsspitze mit dem Verein „Stadttauben Hechingen“ gegeben. Taubenschläge sind nun doch eine Option. Auch ein Verbot von Hochzeitstauben steht im Raum.

Damit war nach den Aussagen von Bürgermeister Philipp Hahns in der Februarsitzung des Gemeinderats nicht zu rechnen. Das Stadtoberhaupt hatte auf Nachfrage einer Hausverwalterin verneint, dass in Hechingen eine Taubenplage herrsche. Er räumte einzig ein, dass die Fütterungserlaubnis am Obertorplatz „ein Fehler“ war. Diese sei daher auch wieder zurückgenommen worden.

 

Die Halbwertszeit dieser Aussagen Hahns war aber nur kurz. Keine zwei Wochen später bekam der Verein „Stadttauben Hechingen“, der sich seit jeher für Taubenschläge und das Wohlergehen der Tiere in der Zollernstadt einsetzt, Post vom Rathaus. Deren Vorsitzende Christine Maier erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich war völlig überrascht. Wir haben eine Einladung zu Gesprächen bekommen und diese sofort angenommen.“

Treffen im Rathaus

Das Treffen hat zu Beginn dieser Woche nun im Rathaus stattgefunden. Das bestätigt auch Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Mit dabei waren Bürgermeister Philipp Hahn, Patrick Loll, Leiter des Ordnungsbereichs im Fachbereich Bürgerdienste, Christine Maier und Arzu Paj, Vorsitzende des Vereins „Unsere Rottweiler Stadttauben“ aus dem Nachbarlandkreis. Laut Jauch verliefen die Gespräche konstruktiv und positiv.

Das Ergebnis: Stadtverwaltung und der Verein „Stadttauben Hechingen“ möchten Hand in Hand nach Standorten für Taubenschläge Ausschau halten. „Gesucht werden unbewohnte Dachstühle“, teilt Maier mit. „Wir haben bereits Häuser im Auge, müssen aber noch die Eigentumsverhältnisse prüfen.“ Optimal wären Gebäude in städtischem Eigentum.

Locktauben sollen ihre Artgenossen überzeugen

Das ist aber nur der erste Schritt. Maier: „Es ist eine Riesenaktion, die Tauben davon zu überzeugen, im Dachstuhl dann auch zu leben.“ Zum Einsatz kommen sollen beispielsweise Locktauben. Auch Futterspuren könnten die verwilderten Tiere anlocken. Maier möchte nach dem Prinzip des Augsburger Modells weiter verfahren.

Apropos Fütterung: Ein weiteres umstrittenes Thema in der Causa Taubenplage in Hechingen. Die Fütterungserlaubnis von Tauben am Obertorplatz wurde wie gesagt zurückgenommen. Allgemein gilt in der Zollernstadt eigentlich ein Fütterungsverbot.

Doch Jauch erklärt: „Weiterhin werden an den Verein Stadttauben Hechingen Ausnahmegenehmigungen vom Fütterungsverbot für Tauben erteilt, aktuell für die Bereiche ehemaliges Avionagebäude, Runkellenstraße, und die Gammertinger Straße auf Höhe Kaufland.“

Unbegrenztes Vermehren verhindern

Sowohl die Stadtverwaltung als auch der Verein „Stadttauben Hechingen“ vereint ein Ziel: „Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, ein unbegrenztes Vermehren der Tauben zu verhindern“, so Jauch weiter.

Dazu beitragen könnte auch ein Verbot für Hochzeitstauben. Dessen rechtliche Grundlagen werde derzeit im Rathaus geprüft. Für Maier ein weiterer Anlass zur Freude. „Hochzeitstauben stranden oftmals in der Stadt und sterben im schlimmsten Fall.“

Ehrenamtliche für Ausbau von Dachböden nötig

Die ersten Schritte, um den Tauben in Hechingen Einhalt zu gebieten ist also gemacht. Bleibt nur die Frage, wer den Ausbau der Dachböden zu Taubenschlägen zahlen soll. Die Stadt ist bekanntlich finanziell angeschlagen. Maier erklärt: „Wir müssen auch selber Hand anlegen und Ehrenamtliche gewinnen.“ Ein paar Tausend Euro seien aber wohl dennoch fällig.