Wilder Müll im Wald und in den Reben, Begegnungen mit Wohnmobilisten abseits genehmigter Stellplätze, Wildunfallschwerpunkte: Die neuen Jagdpächter Iris Krader aus Heitersheim und Michael Renz aus Müllheim stellten sich im Auggener Gemeinderat mit ihren Aufgaben vor und hatten interessante Fakten zu berichten.
Die beiden Neuen hatten interessante Fakten zu berichten. Iris Krader aus Heitersheim hat 2024 den Jagdpachtbezirk Auggen 1 übernommen, Michael Renz aus Müllheim ist ebenfalls seit 2024 für den größeren Jagdbezirk Auggen 2 verantwortlich.
Mit Jagdpächtern in Kontakt kommen hauptsächlich die Landwirte, wenn etwa durch Wildschweine verursachte Schäden in den Äckern an die Pächter rückgemeldet werden, so dass Entschädigungen an die Bewirtschafter gezahlt werden können. Verkehrsteilnehmer, die einen Wildschaden melden müssen, kommen über die Polizei mit den Jagdpächtern in Kontakt. Gibt es einen Unfall mit einem Wildtier wie Rehbock, Wildschwein oder auch Dachs, muss man als geschädigter Verkehrsteilnehmer die Polizei verständigen. „Die Polizei weiß, welche Straßenbereiche zu welchem Jagdbogen und damit zu welchem Jagdpächter gehören – uns ruft man dann, wenn das Wild tot von der Straße zu nehmen ist oder wenn verwundetes Wild getötet oder gesucht werden muss – zudem nehmen wir die Wildschäden für die Versicherung auf“, erläuterte Krader.
Größere Unfälle mit Wild
Wildunfälle passieren aufgrund von Wildwechselbereichen vor allem auf der B 3 zwischen Auggen und Schliengen aber auch auf Verbindungsstraßen zwischen Auggen und Steinenstadt. Letztes Jahr gab es glücklicherweise nur vier größere Unfälle mit Wild, in dem Fall mit Rehen und Rehböcken auf der Gemarkung Auggen. Die beiden Pächter lobten dabei die Kraftfahrer. „Diese haben mittlerweile durch viele Informationen über die Medien, über Radio und die Lokalzeitungen verinnerlicht, dass in der Brunftzeit, der Jagdzeit und insbesondere in der Dämmerung viele Tiere unterwegs sind und haben ihr Fahrverhalten angepasst“, so Renz.
Überfahrenes Wild landet nicht etwa in der Gastronomie – ein Gerücht, das sich hartnäckig hält – sondern wird entsorgt – unter anderem gibt es aber einen Falkner, der gelegentlich totes Wild für die Fütterung abnimmt.
Engagement für Wildenten
Krader engagiert sich für den Schutz von Wildenten in ihrem Jagdbereich, Renz hat zudem eigene Drohnen und ist über Drohnenüberflüge in die Kitzrettung involviert. „Seitdem wir Wiesen vor dem Mähen überfliegen, haben wir viele Kitze vor dem Mähbalken retten können“, freute er sich. Selbst kleine und schwächere Kitze kämen nun „durch“, teilte er mit.
Worüber sich die beiden Jäger ärgern: Kraftfahrer, ob mit dem Auto oder Moped und Motorrad unterwegs, die in für den Verkehr gesperrten Wegen und auch durch Wildruhebereichen unterwegs sind.
„Immerhin, wenn man die Fahrer freundlich anspricht, zeigen sich dann die meisten einsichtig“, berichtete Krader. Ein weiteres Ärgernis: Hundehalter, die ihre Hunde trotz Leinenpflicht in den Reben, auf Wiesen und im Wald frei laufen ohne Leine laufen lassen, obwohl gerade viele Wildtiere Nachwuchs haben. Ganz zu schweigen vom Thema „wilder Müll“. Sogar eine Waschmaschine wurde gerade in der alten Kiesgrube gesichtet – „dabei kann man diese Geräte doch kostenlos abgeben“, ärgerte sich Bürgermeister Ulli Waldkirch. „Wir finden ganz viel Müll von McDonalds, dazu Getränkedosen, aber mitten in der Natur auch alte Sitze oder Feuerlöscher. Ganz schlimm ist es entlang der Bahnbaustelle und dort, wo die illegale Campergruppe Station machte – wir danken dem Bauhof, dass der zügig abholt, was wir melden“, zählte Renz auf. Begegnungen gibt es auch mit Wohnmobilisten, die im Wald, an Wiesen oder in den Reben übernachten, was nicht erlaubt ist – „aber immerhin, diese Leute nehmen alles wieder mit, die hinterlassen nie Müll“, so die Beobachtungen der Jagdpächter. Im Wald sind seit der Zeit der Pandemie-Einschränkungen mehr Mountainbiker unterwegs. „Das ist okay, solange sie auf Wegen und nicht mitten im Wald unterwegs sind“, hieß es.
Noch keinen Wolf gesichtet
Gefragt wurden die Jäger danach, ob sie im Bereich Auggen schon einen Wolf beobachtet hätten. „Nein, aber bei Malsburg-Marzell gibt es einen Luchs – ein imposantes Tier, das auch eine echte Bereicherung als Jäger ist“, gab Renz weiter. Insgesamt wurde die Schonzeit um zwei Wochen verkürzt – „denn wir haben glücklicherweise wieder einen guten Wildbestand“, sagte Iris Krader.