Besonderer Fall: Ein aufgegriffener Listenhund beschäftigt das Auggener Ordnungsamt.
Er sorgte am Montagmittag für einen Polizeieinsatz, weil das Tier auf der B 3 zwischen Auggen und Schliengen umhergeirrt war. Inzwischen ist die Identität des Hundes geklärt. Dass er jemals wieder zu seinem Besitzer zurückkehrt, ist dennoch mehr als unwahrscheinlich, macht Auggens Ordnungsamtsleiterin Nicole Diringer-Hunger im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich.
Auf einem Auge blind
Der Hund, der inzwischen im Tierheim in Scherzingen untergebracht ist, ist gechippt und damit registriert. Es handelt sich um eine Mischung aus argentinischer Dogge und Cane Corso. Der Hund sei knapp vier Jahre alt und heiße „Snow“, teilt Diringer-Hunger mit. Er ist auf einem Auge blind. Der Dogo Argentino ist ein Listenhund. In Baden-Württemberg wird er der Kategorie zwei zugeordnet (gefährlich vermutet, aber widerlegbar).
Als Besitzerin wurde eine Französin ausgemacht – diese wohnt allerdings 400 Kilometer entfernt. „Es sieht alles danach aus, dass der Hund ausgesetzt wurde“, so die Ordnungsamtsleiterin. Dafür spreche auch, dass das Tier kein Halsband getragen habe. Telefonnummer und Email-Adresse der zuletzt registrierten Besitzerin seien zwar bekannt – „ich habe auf meine Kontaktversuche allerdings keine Reaktion erhalten“.
Gemeinde zahlt Kosten
Da das Tier auf Auggener Gemarkung aufgegriffen wurde, ist die Gemeinde für das Tier zuständig und kommt auch für die Kosten der Unterbringung und mögliche Tierarztrechnungen auf. Wenn sich die Besitzerin nicht meldet, bleibt die Gemeinde auf den Kosten sitzen – über die Landesgrenzen hinweg seien der Verwaltung die Hände gebunden: „Wir können dort, im Gegensatz zum Inland, kein Geld eintreiben“, macht Diringer-Hunger deutlich. Der Besitzer hat theoretisch sechs Monate Zeit, sich zu melden. Daran glaubt die Ordnungsamtsleiterin jedoch nicht: „Wer seinen Hund verliert, sucht danach oder reagiert auf entsprechende Nachfragen.“
Sie hofft nun, dass sich für das Tier schnell ein adäquates neues Zuhauses finden lässt. Dabei gehe es weniger darum, dass die Gemeinde Kosten spare. Vielmehr habe sie das Schicksal des Hundes berührt, der am Montag „tierisch Angst hatte“ und sehr verwirrt gewesen sei. Er habe auch keinen aggressiven, sondern eher einen lieben Eindruck gemacht und sei in einem gepflegten, guten Zustand. Nichtsdestotrotz stellt sie klar, dass ein solches Tier gewisse Anforderungen an einen künftigen Halter stelle: „Man muss sich mit solchen Hunden auskennen.“
Diringer-Hunger war am Montag dabei, als Mitarbeiter des Bauhofs den Hund ins Tierheim brachten, wo er sich aktuell noch in Quarantäne befindet, um die anderen Tiere vor eventuellen Krankheiten zu schützen.
Polizei-Einsatz am Montag
Verkehrsteilnehmer hatten das Tier am Montagmittag auf der Bundesstraße zwischen Schliengen und Auggen beobachtet und die Polizei gerufen. Die Hundeführerstaffel des Freiburger Präsidiums rückte wenig später an. Zu diesem Zeitpunkt war der Hund bereits durch eine Privatperson mit einer Leine einfangen worden. Die Polizisten sicherten das Tier schließlich mit einer Fangstange. Den Transport ins Tierheim nach Scherzingen übernahmen dann Mitarbeiter des Bauhofs. Der Grund ist: Fundhunde werden aufgrund möglicher Krankheiten nicht durch die Hundestaffel transportiert, wie es vonseiten der Polizei heißt.
Listenhunde aus Frankreich
Es komme immer wieder vor, dass Listenhunde aus Frankreich im Grenzgebiet ausgesetzt werden, hat Diringer-Hunger mitbekommen. Das bestätigt Tina Gwildies, Leiterin des Tierschutzzentrums in Scherzingen. „Auch wenn diese nicht registriert sind: Wir merken es beispielsweise daran, wenn sie auf französische Kommandos reagieren.“
Im Fall von Auggen sei es das erste Mal gewesen, dass sich die Gemeinde um einen Fundhund kümmern musste, berichtet die Ordnungsamtsleiterin. Was indes immer wieder vorkomme, sei, dass Fundkatzen bei der Gemeinde abgegeben werden.
Neues Zuhause gesucht
Die Gemeinde Auggen sucht nun eine vorübergehende Pflegestelle für „Snow“, wo das Tier bis zu seiner Vermittlung bleiben könnte, beziehungsweise im besten Fall einen erfahrenen Hundehalter, der sich vorstellen kann, das Tier dauerhaft zu übernehmen. Ansprechpartnerin ist Nicole Diringer-Hunger, Tel. 07631/367716, E-Mail standesamt@auggen.de.