Alle Jahre wieder verwandelt Sven Kovacs sein Haus im Ettenheimer Ortsteil Altdorf in ein „Weihnachtshaus“ – und bringt damit nicht nur Kinderaugen zum Strahlen.
Ein Motorradfahrer fährt mehrfach die Straße hoch und runter und wird dabei von einem Kamerateam gefilmt. Ein Regisseur gibt lautstark gestikulierend Anweisungen.
Der SWR ist mitten in den Dreharbeiten für eine Reportage. Währenddessen herrscht auf dem Grundstück der Familie Kovacs in Altdorf reges Treiben. Mehrere Menschen, teilweise in Rockerkutten, haben sich versammelt. Ein paar Schaulustige stehen auf dem Gehweg. Mittendrin ist Sven Kovacs, Unternehmer, Eigentümer und Initiator des „Weihnachtshauses.“
In der Coronazeit 2020 hatte er die Idee dazu, sein Heim im großen Stile weihnachtlich zu schmücken, damals noch in Herbolzheim. „Da man zu dieser Zeit nicht viel außerhalb machen konnte, beschloss ich, zuhause aktiv zu werden“, erzählt Kovacs.
Für Deko tief in die Tasche gegriffen
„Über eine Eventagentur, die ihren Bestand zum Kauf anbot, kam ich an qualitativ gute Dekoration. Das war ein echter Glücksfall.“ Einen fünfstelligen Betrag habe er investiert, gibt er preis. In tagelanger Arbeit dekorierte Kovacs sein Haus, verzierte Bäume im Garten mit Lichterketten und Girlanden, stellte Figuren, Sterne und Schlitten auf, die von Rentieren gezogen werden. Auch weihnachtlich gekleidete Schaufensterpuppen sind zu sehen.
Besonders ins Auge stechen zwei über sieben Meter hohe Figuren – ein Schnee- und ein Weihnachtsmann. Dazu kommen zwei über sechs Meter hohe Zuckerstangen.
Durch zwei Streifenpolizisten, die das unübersehbare Grundstück 2020 gefilmt und das Video online gestellt hatten, ging das „Weihnachtshaus“ viral. Medien wurden darauf aufmerksam und berichteten darüber, unter anderem die Frankfurt Allgemeine – und natürlich die Lahrer Zeitung.
Hunderte von Menschen wollten sich das Spektakel anschauen und machten sich auf den Weg nach Herbolzheim. „Es war verrückt“, erinnert sich Kovacs, „die Menschen strömten in Scharen zu uns und freuten sich wahnsinnig über unser Haus. Die Begeisterung war riesig. Das Strahlen in den Augen der Kinder zu sehen, machte uns einfach glücklich.“
2024 zogen Sven und Claudia Kovacs nach Altdorf, seitdem ist ihr „Weihnachtshaus“ hier zu finden. Inzwischen hat es sogar einen eigenen Eintrag bei Google Maps. Ein Kamerateam im Auftrag des SWR filmte zwei Tage lang den Aufbau des Ganzen. Über die sozialen Medien suchte Kovacs Helfer, einige Menschen erschienen daraufhin am Mittwochvormittag zum Drehtermin.
Falk Stünkel aus Köln ist der Regisseur. Er arbeitete bereits für Formate wie „ZDF Reportage“, „Mein Lokal, Dein Lokal“ und „Schwiegertochter gesucht“.
Lokale Vereine verkaufen Speisen und Getränke
Nervös ist Kovacs deshalb nicht, inmitten des Trubels bleibt er die Ruhe selbst.“ Ich bin da total entspannt“, antwortet er auf Nachfrage unserer Redaktion, „ das ist für mich kein Thema.“ Er sei für jeden Spaß zu haben und freue sich über die Dreharbeiten. Anders ergehe es seiner Frau Claudia. „Ich bin sehr aufgeregt und halte mich lieber im Hintergrund“, erklärt sie.
Jedes Jahr dürften Vereine und Kindergärten ohne Standgebühren an mehreren Tagen Speisen und Getränke verkaufen und den Erlös behalten. Das werde dankend angenommen.
Dieses Jahr bewirtet der Kindergarten Zwergenoase aus Altdorf am 29. November, am 30. November verkauft der Fußballverein FV Ettenheim Speis und Trank. Der Motorradclub Scorpions MC aus Kippenheim verköstigt die Besucher am 5. und 6. Dezember.
Besitzer möchte den Menschen Freude schenken
Aufgrund des immensen Aufwands überlege der Unternehmer jedes Jahr aufs Neue, ob er sein Haus in dieser Form weihnachtlich gestalten wolle. In solchen Momenten erinnere er sich an die vielen kleinen und großen Gäste, die das “Weihnachtshaus“ bestaunen und bewundern. Kinder werfen Briefe für den „Weihnachtsmann“ ein und bringen zum Dank Schokolade.
Ihre Begeisterung sei für seine Frau und ihn das schönste Kompliment. „Am Ende siegt immer die Freude über die strahlenden und fröhlichen Gesichter der Besucher, vor allem der Kinder“, sinniert Kovacs. „Das ist es, was mich antreibt. Wir wollen den Menschen glückliche Momente schenken.“ Vom 29. November bis zum 6. Januar kann das „Weihnachtshaus“ von Besuchern bewundert werden.
Der Stromverbrauch
Etwa 100 000 Lämpchen leuchten in der Weihnachtszeit im Garten und am Haus von Familie Kovacs. Kritische Stimmen bemängeln den hohen Stromverbrauch. Dem widerspricht der Hauseigentümer, da er ausschließlich LED-Lichter verwende, teilweise mit Solarstrom. „Die Kosten belaufen sich auf mehrere Hundert Euro, das ist im Verhältnis sehr wenig“, so Kovacs. LEDs verbrauchen von allen Lichtquellen am wenigsten Strom und sparen im Vergleich zu Glühlampen etwa 80 bis 90 Prozent Energie.