Das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen sorgte dafür, dass das Schramberger Publikum beschwingt ins neue Jahr startete. Es war das vierte und letzte Neujahrskonzert in diesem Jahr für die rund 60 Musiker aus der Region.
Zum 200. Geburtstag von Johann Strauss hatte der musikalische Leiter des Sinfonieorchesters Villingen-Schwenningen Achim Fiedler ein fröhliches Programm mit Musik des Walzerkönigs selbst sowie berühmter Kollegen zusammengestellt. Das gelungene Arrangement bot nicht nur einen Hörgenuss, sondern machte es dem Publikum leicht, Vergleiche der unterschiedlichen zeitgenössischen Komponisten zu erleben.
Themenarrangement aus „Orpheus“ ertönt
Der Neujahrskonzert-Abend begann flott mit dem “Can-Can“ von Jaques Offenbach und einem Themenarrangement aus dessen „Orpheus“, die der damals begeisterte Zuhörer Strauss „nach dem Besuch der Oper aus dem Kopf geschrieben hatte“, erläuterte Fiedler.
Der leidenschaftliche Dirigent erläuterte alle Stücke mit viel Humor und kleinen Geschichten rund um die Kompositionen und deren Urheber. So wusste er beispielsweise von Johannes Brahms die sogenannte „Fächergeschichte“: Der schrieb die ersten Takte von „An der schönen blauen Donau“ offenbar auf den Fächer einer Angebeteten mit dem Zusatz „Leider nicht von mir, sondern von Strauss“. Mit „An der etwas blauen Donau“ kamen dann auch die musikalischen Glückwünsche des Sinfonieorchesters – ein Arrangement aus den Strauss-Walzern „An der schönen blauen Donau“, „Kaiserwalzer“ und die „Fledermaus“-Ouvertüre – eine Auftragsarbeit, bei der etwas nicht ganz stimme, kündigte der Dirigent an. Und tatsächlich hatte sich die Noten von „Happy Birthday“ immer wieder harmonisch in die wunderbaren Strauss-Klänge eingefügt, die es für die Zuhörenden zu entdecken galt.
Walzerpaare des Tanzstudio Dierstein tanzen im Saal
Hervorragend ins Programm passten Leo Falls „Die geschiedene Frau“ in Erinnerung an Strauss offenbar abwechslungsreiches Eheleben, Richard Wagners „Albumblatt“, der den zeitgenössischen Kollegen als den „musikalischten Schädel überhaupt“ bewunderte, so der „Nibelungen“-Meister. Auch Pjotr Tschaikowskys „Tanz der Zimmermädchen“ aus der Oper „Der Woiwode“ ging den Zuhörenden in die wippenden Füße – und erst recht den Walzerpaaren des Schramberger Tanzstudio Dierstein, die ein ums andere Mal durch den Bärensaal schwebten.
Auch die Brüder des Walzerkönigs - beide ebenfalls Komponisten, kamen zu Gehör: „Joseph Strauss war eigentlich Ingenieur. Doch als Wissenschaftler habe er genau gewusst, das Mathematik und Musik bestens zusammenpassen, so Fiedler, der zum Beweis „Die Sphärenklänge“ dirigierte. Mit Eduard Strauss durfte das Publikum „einsteigen und die Türen schließen“, empfahl der Dirigent, denn „Mit Dampf“ spielten die Musiker aus Villingen-Schwenningen dessen schnelle Polka.
Dass der Walzer unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs eine musikalische Entwicklung nahm, zeigte das Orchester mit einem Tanzwalzer „Dem Andenken Johann Strauss“ von dessen Komponisten Ferruccio Busoni: „Einem der schönsten Walzer, den ich kenne“, schwärmte Fiedler.
Das Schramberger Publikum applaudierte anhaltend und erwirkte so drei Zugaben.