Lea Kirns Auftritt im Simmersfelder Festspielhaus war maritim geprägt. Foto: Maria Kosowska-Németh

Der Abend mit Lea Kirn im Festspielhaus Simmersfeld stellte sich als starker Publikumsmagnet heraus. Über den Besucherandrang freuten sich die Allround-Künstlerin und das Team der Kulturwerkstatt Simmersfeld gleichermaßen.

In Altensteig aufgewachsen, schloss Lea Kirn 2017 ihre Schauspiel- und Musical-Ausbildung ab und ist in beiden Sparten aktiv. Von Lübeck aus, wo sie zurzeit lebt, kreist sie zwischen verschiedenen Bühnen Deutschlands (unter anderem Badisches Staatstheater, Festspielhaus Neuschwanstein, Regionentheater aus dem Schwarzen Wald). Als Sängerin sammelte sie reichlich maritime Erfahrungen auf Kreuzfahrtschiffen und brachte ihre Impressionen in der zweistündigen Solo-Revue „Die wilde Sehnsucht“ zum Ausdruck.

 

Von klein an von der Anziehungskraft des Wassers angetan, kreierte Kirn nun ihr eigenes, abwechslungsreiches Programm mit „Liedern und Geschichten vom Meer“ und sättigte dies reichlich mit Poesie, Gesang, Tanz und Humor.

Geschickt, souverän und sehr sensibel, manchmal augenzwinkernd oder gar frech führte sie die Zuschauer durch die Meere und Ozeane, erzählte Legenden, Märchen und Sagen von Unterwasserwelten, verwandelte sich dank minimalistischen Requisiten in eine Wassernixe oder in einen Matrosen, rezitierte Gedichte von Heinrich Heine und Mascha Kaléko und sang bekannte Lieder wie „La mer“ (Charles Trenet), „Unter fremden Sternen“ (Freddy Quinn), „Ein Schiff wird kommen“ (Nana Mouskouri), „Keine Angst Rosemarie“ (Heinz Rühmann) oder „Moon River“ (Musik von Henry Mancini aus dem Film „Frühstück bei Tiffany“).

Verträumte Anmut und eine Prise Ironie

Ihre deutlich umrissene, klare und starke Stimme mit fantastischer Aussprache (Hut ab vor dem Tontechniker Stefan Katz), verträumte Anmut sowie Verwandlungstalent und Wortgewandtheit nicht ohne einer Prise Ironie bewogen das Publikum zu häufigem Beifall und Bewunderungsrufen.

Besonders stark kam die Kirn’sche Sehnsucht nach dem Meer in der sorgsam einstudierten Choreografie zum Vorschein. Die Tänze mit in der Luft flatternden Seidenschalen, die zeitweise wie Meereswogen die schwarz gekleidete Figur umhüllten, unterstrichen die Sensibilität der Solistin und verstärkten die Kraft ihrer persönlichen Ausstrahlung.

Kleinkunst mit großer Wirkung

Sie fühlte sich sichtlich wohl im Scheinwerferlicht, scherzte subtil und kostete die herrliche Laune im Saal aus, welche sie selbst hineinbrachte. Alles, einschließlich des Schlussapplauses und der Zugabe, sprach dafür, dass auch manch eine Schwarzwald-Landratte die Sehnsucht nach Meer (mehr?) gepackt hatte – Kleinkunst von Format mit großer Wirkung also.