Konstantin Wecker in der Stadthalle Foto:  

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freiheit, ein bisschen Rest-Wärme vom Lagerfeuer der gemeinsamen Rebellen-Vergangenheit: Konstantin Wecker erfüllt in Schopfheim die Erwartungen.

„Lieder meines Lebens“ hat Konstantin Wecker seine aktuelle Show getauft. Der Titel ist ausreichend weit gefasst für eine mäandernde Wanderung durch die Jahrzehnte, in denen Wecker als Ikone der deutschen Liedermacher-Szene mit ebenso viel Anti-Haltung wie Sex-Appeal durch die Lande zog. Dabei ist ein weites Feld zu durchschreiten – von der Bitte von Vater Konstantin an seine Söhne („Werdet keine zweiten Trumps, Lindners oder Merzens“) über die Ode von Sohn Konstantin an seinen Vater („Du hattest Größe, ich hatte Glück“) bis zum „Mach’s Maul auf“-Appell an alle.

 

Selbstkritik und Größenwahn

Kritisch, nachdenklich, aufrecht und mit Tiefgang: All die Attribute, die Wecker-Fans an ihrem Vorbild und ein bisschen auch an sich selbst schon immer geschätzt haben, bringt der Barde auch an diesem Abend auf die Bühne. Die unübersehbaren Spuren des Alters stehen ihm dabei gut zu Gesicht, und ebenso, dass er kritisch mit seinem früheren Selbst ins Gericht geht: „Saublöder Macho, Zuhälterlook, mit einem Anflug von Größenwahn und voll mit Alkohol oder Koks oder beidem.“

Eine freimütige Selbstkasteiung, vor deren Hintergrund das eigene Werk und das eigentliche Ich in der Selbstwahrnehmung freilich um so strahlender zu Tage tritt: „Meine Texte waren schon immer klüger als ich“, hält Wecker beim Blick auf diese seine lange im Unbewussten schlummernde und nun im fortgeschrittenen Alter zur Blüte geronnene Weisheit fest. Und geizt nicht mit Beispielen, sodass der Auftritt zeitweise zur echten Lesung gerät, noch über den Rezitationsstil hinaus, der seine Lieder ohnehin kennzeichnet. Elegische Momente, Erinnerungen, Ergriffensein, beim Künstler wie beim Publikum. Ein bisschen müde vom Leben und vom immerwährenden Kampf gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt, und doch noch immer beseelt vom eigenen kritischen Geist.

Erinnerungen und Ergriffensein

„In Kriegszeiten ist es besonders schwer, ,Nein’ zu sagen“, sagt Wecker und fordert: „Lasst uns liebevolle Rebellen sein“. Und wenn auch vielen im Publikum am nächsten Morgen wieder das Funktionieren im Alltag und die Kriegstüchtigkeit im Angesicht der Welt das Gebot der Stunde sein mögen: An diesem Abend gibt es dafür eine Menge Applaus.