Schauspieler Roman Knižka zitiert aus Werken jüdisch-deutscher Literatur. Hinter ihm ist das Bläserquintett Opus 45 zu sehen. Foto: Begemann

Nachdenklich, heiter und schockierend: Schauspieler Roman Knižka, das Bläserquintett Opus 45 und die Mezzosopranistin Pia Liebhäuser packen für das Rottenburger Publikum in einem literarischen Konzert wenig bekannte Schätze jüdisch-deutscher Kulturgeschichte aus.

Rottenburg - Die jüdisch-deutsche Literatur- und Musikgeschichte zieht sich über Jahrhunderte, trotzdem dürften ihre Werke für viele Menschen Neuland sein. Das Interesse an jüdischen Texten und Musikstücken ist in Rottenburg groß, wie der Konzertabend in der Festhalle zeigte. Trotz des Eintrittspreises von 23 Euro an der Abendkasse ist die Veranstaltung mit Schauspieler Roman Knižka und dem Bläserquintett Opus 45 gut besucht.

Goethes "Besuch der Frankfurter Judengasse"

Schauspieler und Hörbuchsprecher Roman Knižka, der unter anderem in mehreren "Tatorten" spielte, eröffnet den Abend mit Zeilen von Christian Wilhelm Dohm, der um 1781 seine Abhandlung "Über die bürgerliche Verbesserung der Juden" schrieb. Dohm prangerte die schlechte Situation der jüdischen Bevölkerung an, die auf ihrer jahrhundertelangen gesellschaftlichen Diskriminierung beruhe. Der Philosoph Moses Mendelssohn, Gotthold Ephraim Lessing und Johann Wolfgang von Goethes "Besuch der Frankfurter Judengasse" sind weitere Meilensteine auf dem Weg durch die jüdisch-deutsche Kulturgeschichte, die bei dem literarischen Konzert Beachtung finden.

Lieder in jiddischer Sprache

Doch nicht nur Texte und Musik, sondern auch Lieder in jiddischer Sprache bekommen die Besucher zu hören. Mezzosopranistin Pia Liebhäuser singt beispielsweise das jiddische Lied "Yoshke, Yoshke". Wie ähnlich sich jiddisch und deutsch sind, zeigt diese Liedzeile: "Der Rebbe hot gehesen freilich zain, trinken bronfen nit kain vain." Auf Deutsch: "Der Rabbiner bat uns, fröhlich zu sein, Branntwein zu trinken, statt Wein."

Sehr bildhaft und mit musikalischer Begleitung trägt Knižka Kindheitserinnerungen aus "Der Brunnen. Eine Familienchronik" von Conrad Rosenstein vor. Die Zeilen schildern eine jüdische Hochzeit, die gerne von Juden und Nicht-Juden als Zuschauer bewundert worden seien.

Schockierender Kontrast

Einen schockierenden Kontrast bildet die Rezitation aus Anita-Lasker-Wallfischs Werk "Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen."

Das aktuellste Werk stammt an diesem Abend von dem 1987 in Berlin geborenen Publizisten und Lyriker Max Czollek. Knižka zitiert aus Czolleks Streitschrift "Desintegriert Euch", in der es darum geht, wer eigentlich heutzutage als Jude gilt.

Texte sind alt, aber aktuell

Knižka richtet am Ende der rund zweistündigen Vorstellung noch eigene Worte an das Publikum: "Die meisten dieser Texte sind sehr alt, aber sehr aktuell. Lassen Sie uns das verteidigen, was wir errungen haben: Frieden, Freiheit und Demokratie".