Die Sonntagsfahrer sind los! Conny (die überwältigende Österreicherin Andrea Graf) am Steuer, Steffen Zünkeler (Freddy am Bass), Reiner Heindl (Peter mit der Gitarre) und Thomas Stoiber (Alexander am Akkordeon) machen die Musik dazu. Foto: Ernst Klett

Nicht nur mit 17 hat man noch Träume: In der Stadthalle „Museum“ hat die Neue Pressegesellschaft (NPG) mit Conny und ihrer Kulttruppe einen Abend voller Schlagerklassiker geboten.

Sie auch hier! Den bekannten Hechinger Allgemeinmediziner und seine Ehefrau hätte man sich bevorzugt bei einem mehrstündigen Klavierkonzert nebenan in der Vila Eugenia vorgestellt. Aber nein, es dürfen sehr wohl Kultschlager von einst sein. Die gab es für mehr als 200 begeisterte Besucherinnen und Besucher beim Gastspiel von Conny und den Sonntagsfahrern in der Stadthalle „Museum“ reichlich.

 

Und das im Rahmen einer äußerst kurzweiligen und erstklassig gemachten nostalgischen Revue. Dabei haftete dem Programm „Musik liegt in der Luft“ kein einziges Staubkörnchen an. Im Gegenteil begeisterte das bezaubernde Quartett auch Menschen, die weniger auf Schlager stehen. Eigentlich. Denn man kann ja mal hören. Die Conny-Crew hat alte, aber auch neue Welten geöffnet.

Die Capri-Fischer. Er steht im Tor. Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Banjo Boy, Marina, und die roten Lippen, die man küssen muss. Die Titel sind einem geläufig, auch wenn man sie einst nicht als neue Hits erlebt hat. Gute Schlager sind schließlich Evergreens.

Foto: Klett

Und die Namen? Da klingt ebenfalls etwas: Connie Francis, Caterina Valente, Peggy March, Wencke Myhre, selbstverständlich Freddy Quinn, das Hazy-Osterwald-Sextett und Heidi Brühl. Aber wer kennt heute noch Rudi Schuricke? Das war der mit den Fischer von Capri, einem Lied von 1943 (!), das zehn Jahre später aufgewärmt zu einem Nachkriegs-Ohrwurm wurde, den man heute noch kennt. Rocco Granata? Der sang von Marina, Marina, Marina!

Muss das alles heute noch sein? Man kann die Frage nur bejahen – wenn diese Schlagerklassiker so präsentiert werden, wie es Conny und die Sonntagsfahrer tun: musikalisch erstklassig, in der Darbietung umwerfend!

Die 50er- und 60er-Jahre leben auf

Die blonde Sängerin mit Pferdeschwanzfrisur und im Petticoat, die Musiker edel gekleidet. Eine halbakustische Gitarre, ein Kontrabass und ein Akkordeon. Kein Playback, kein Schlagzeug aus dem Computer. Mehr braucht es nicht, um die Hits der 50er- und 60er-Jahre aufleben zu lassen.

Ein echtes Stimmwunder

Halt! Es braucht unbedingt noch eine Sängerin, die man ohne Übertreibung als Stimmwunder bezeichnen kann! Bei Conny sitzt jeder Ton, und sie meistert alle Lagen, die etwa die Träume mit 17 mit den in den Himmel wachsenden Bäumen zu bieten haben. Gitarrist Peter darf ebenfalls die Leadvocals übernehmen, und kann es genauso trefflich. Überhaupt: die drei Instrumentalisten, durchweg Könner.

Aber wie liefert man zweieinhalb Stunden Hit auf Hit, ohne dass es irgendwann vielleicht doch mal weniger spannend wird? Kein Problem bei den Vieren von der Schlagerfront mit Hauptsitz im Bayerischen: Das aktuelle Programm „Musik liegt in der Luft“ bettet die Klassiker in einen TV-Abend von einst ein. Der Direktor des Deutschen Fernsehens, so erfährt man zum Auftakt, hat geschrieben, weil eben dieses in Schwierigkeiten steckt – und die Conny-Truppe helfen soll. Das tut sie, und wie!

Und dann noch Tipps für Toast Hawaii

Zwischen den unzähligen Schlagern gibt es eine Quizshow (Was bin ich, das Ding mit Schweinderln) und Schnellraten (Dalli Dalli) sowie eine Kochshow, natürlich mit Tipps für Toast Hawaii. Fehlen darf nicht die Werbung. Frauengold! Das war vor allem Hochprozentiges, das die wahlweise gestresste oder gelangweilte Hausfrau wieder aufbaut.

Die Ziehung der Lottozahlen im Publikum

Gerne auch für Männer – und bei Conny im Foyer der Hechinger Stadthalle im Fanshop zu bekommen. Abgewandelt, aber viel besser: Die Ziehung der Lottozahlen fand im Publikum statt, und Karin und Stefan durften Kugeln nehmen, die zwei weitere Schlager auf der Bühne bedeuteten.

Das Publikum war nicht erst da aus dem Häuschen. Fleißig geklatscht und herrlich textsicher mitgesungen wurde von Anfang an. Ja, und es wurde auch noch geschunkelt und einmal sogar getanzt. Ein Abend, der mitriss. Auch solche, die eigentlich weniger auf Schlager stehen.