Bei ihrem Konzert punkteten die Musiker bei den rund 80 Zuhörern. Jedoch zeigte sich über den Abend auch, dass die Kombo ein Feld bearbeitet, dem enge Grenzen gesetzt sind.
Die formale Eleganz glatter Trompetentöne kontrastiert mit der atmosphärischen Wärme des Flügelhorns. Ein erzählend agierendes Klavier prägt die Zwischenspiele des Trios an der Seite von Menzel Mutzke. Das nach ihm benannte Quartett nistet sich ein in der Klangsprache des Modern Jazz, erntet reichlich Szenenapplaus aus den Reihen der rund 80 Zuhörer.
Gut ein Jahr nach dem Auftaktkonzert mit dem Gitarristen Wolfgang Muthspiel kann die neue Jazzreihe in der Jamm-Bar im oberen Foyer des Lahrer Parktheaters für sich in Anspruch nehmen, eine Lücke im Veranstaltungsprofil des städtischen Kulturamtes geschlossen zu haben.
Held glänzt mit virtuos angelegtem Klavierjazz
Neben Theater, Kabarett und Sinfoniekonzert scheint sich ein Format zu etablieren, das andere Töne anschlägt, ein Publikum bedient, das bisher allenfalls im Keller des Lahrer Kulturkreises auf seine Kosten gekommen ist. Die grenzüberschreitende Kooperation mit dem Straßburger Festival „Jazzdor“ ist nach einer Saison aber bereits wieder Geschichte – während die von Philipp Ochem und Edgar Common als grenzüberschreitender Ableger initiierte „Jazzpassage“ die deutschen und französischen Jazzfreunde seit mittlerweile 22 Jahren in Straßburg und Offenburg zusammenführt. Was in Lahr bleibt, ist eine lose Konzertreihe, die sicherlich ohne die von der Avantgarde geprägte Zielschärfe in das Jazzgenre eintaucht. Nach mittlerweile fünf Konzerten ist keine Linie erkennbar, die über den Lahrer Tellerrand hinaus Wirkung entfalten könnte.
Für sich genommen hatten die bisher servierten Akts aber sicherlich ihre Berechtigung: Muthspiels Reise in die Welt klassischer Präludien, ein zwischen Popballade und Jazz pendelndes Duo aus der Schweiz, der Schulterschluss zwischen Experimentaljazz, Hip-Hop und Elektropop beim Heimspiel von Rebekka „Salomea“ Ziegler vor wenigen Wochen und nun ein Ausflug in die vom Mainstream geprägten Gefilde des Modern Jazz.
Menzel Mutzke (Trompete, Flügelhorn), Pablo Held (Klavier), Oliver Lutz (Kontrabass) und Silvio Morger am Schlagzeug bearbeiten auf hohem Niveau das Feld des klassischen Jazzsongs, reichen das Thema im Geiste gepflegter Dialoge und kleiner Soloeinlagen durch. Trompete und Flügelhorn übernehmen die Führungsfunktion, überlassen das Feld aber immer wieder dem begleitend agierenden Klaviertrio. Pablo Held setzt erzählende Impulse, glänzt mit virtuos angelegtem Klavierjazz. Letztlich bearbeitet das Quartett aber ein musikalisches Feld, dem enge Grenzen gesetzt sind. Elegante, melodisch fließende Harmonien, dezent Raum greifende Impressionen, die hier und da mit der Aura einer sämigen Ballade, eines träumerischen Intermezzos kokettieren, die Idee der musikalischen Eruption, eines expressiven Ausbruchs, aber konsequent umschiffen.
Keine Frage, das seit rund 15 Jahren gemeinsam agierende Quartett ist engagiert bei der Sache, formuliert die Stücke des 2020 veröffentlichten Debütalbums „Spring“ immer wieder neu aus und punktet damit beim Publikum. Der Eindruck formaler Berechenbarkeit, einer durch und durch gediegenen Grundhaltung, legt sich mit zunehmender Konzertdauer trotzdem spürbar über den Abend.