Musiker bei der Arbeit: Gitarrist Andreas Schick, Sängerin Katja Boss und Bassist Jürgen Schlayer von der Seite. Keine Showposen, kein Schnickschnack – einfach Menschen, die wissen, was sie tun und wollen. Foto: Peter Demmer

Die „Local Heroes“ von der vierköpfigen Band „Karaboom“ haben dem Publikum im Margrethausener „Juwel“ am Samstag einen Abend mit ehrlicher Live-Musik geschenkt.

Kennen Sie den Begriff „Local Heroes“? In der Kulturwelt werden damit, entfernt angelehnt an das Stück „Heroes“ von David Bowie, Künstler bezeichnet, die man überall sieht. Nur nie in den wirklich großen Hallen. Manche rümpfen dabei die Nase. Zu Unrecht. Zumeist fehlt nicht das Können, sondern nur eine winzige Portion Glück.

 

Lokale „Helden“ sind am Samstag im „Juwel“ im Albstädter Stadtteil Margrethausen zu finden. Die vierköpfige Band „Karaboom“ aus Bisingen gastiert in einem der wenigen noch echten Live-Clubs der Region. Die Venue wäre ausverkauft, würde man Eintritt verlangen und nicht wie fast jeden Samstag dort für freiwillige Spenden in „den Hut“ spielen. Rund 140 Leute stehen und sitzen dicht gedrängt. Draußen sehr kalt. Drinnen herzlich, wohlig warm.

Die beiden Namensgeber der Band, Katja Boss (Gesang) und Rafael Schöllhorn (Schlagzeug), sind lange befreundet. Zu Corona-Zeiten entstand das Projekt. Man nahm Songschnipsel auf und schickte sie sich hin und her. Lieder entstanden. Mit „Follow Your Heart“ sogar gleich ein ganzes Album. Ka(tja) + Ra(fael) ergaben einen „Boom“. Karaboom. Nach der Pandemie wurde mit Andreas Schick an der Gitarre und später dann mit Jürgen Schlayer am Bass das Bühnenquartett komplettiert.

Traditionelle, eingängige Rockmusik

Aus den Lautsprecherboxen ertönt ein Stück von Bon Jovi. Eines der guten. Und damit bekommt man eine Ahnung, was einem der Abend erzählen möchte. Das Oeuvre von Karaboom erschließt sich in traditioneller und eingängiger Rockmusik, fest verankert irgendwo zwischen 1990 und dem letzten Feuerzeug im Publikum. Ein wenig AC/DC, aber auch Stimmung von Joan Jett & The Blackhearts finden sich im Repertoire. Keine Balladen. „Rund ein Viertel des Programms sind eigene Stücke, den Rest covern wir“, erfährt man. „Und wenn das Publikum nicht nur bei Journey, sondern dann auch beim eigenen ‚Riding High‘ anfängt mitzusingen, weiß man: alles richtig gemacht.“

Äußerst solide nimmt man die Rhythmussektion wahr. Die Gitarre führt gut, gibt mit prägenden Riffs den Weg für die Vocals vor. Katja Boss füllt die Bühne mit ihrer warmen, gut intonierenden Stimme und zeigt damit, wer hier heute nicht nur namentlich „The Boss“ ist. Mit „In your head“ zieht der Refrain von „Zombie“ der irischen Band The Cranberries durch den weiterhin vollen Raum. Der Saal singt mit. Komplett.

Trotz Alltag steht Katja Boss rund 25 Mal auf der Bühne

2025 hatte für viele Höhen und Tiefen. Besonders aber für die Karaboom-Sängerin war das Schicksal im vergangenen Jahr ein echt mieser Verräter. Man fragt sich, wie sie es trotzdem schafft, neben Job, Kindern und dem Leben als solchem auch noch rund 25 Mal im Jahr auf der Bühne zu stehen. „Eben das gibt mir Halt“, sagt sie. „Ich liebe Musik und mache diese gemeinsam mit Menschen, die ich einfach gerne habe. Das gibt mir Kraft.“

„Seven Nation Army“ von den White Stripes und ein improvisiertes „Mercedes Benz“ tönen als Zugabe aus den Lautsprechern. Dann: halb eins, Feierabend.

An der Juwel-Bar, hört man: „Echt schön war’s. Aber unabhängig davon muss man froh sein, dass es überhaupt so etwas wie Live-Musik noch gibt.“ Man möchte dem uneingeschränkt zustimmen. Das macht Helden aus: wenn man seinem Publikum drei Stunden mit ehrlicher, handgemachter Musik etwas geben kann. Ohne berühmt oder reich werden zu wollen. Einfach nur so. Es braucht hier in Kunst und Kultur mehr von genau diesen Helden. Von diesen „Local Heroes“.