Filip Vistorop und der HBW Balingen Weilstetten übersprangen die hohe Hürde Ludwigshafen-Friesenheim (hier mit Maximilian Haider, links). Foto: Scherbaum/Eibner

Eine kuriose und vieldiskutierte Szene hat dem HBW Balingen-Weilstetten einen Auftaktsieg in der 2. Handball-Bundesliga beschert.

Das Team von Trainer Jens Bürkle setzte sich am Samstag bei den Eulen Ludwigshafen mit 33:34 (18:16) durch. Wie heiß es in der Friedrich-Ebert-Halle herging, zeigen alleine vier direkte Rote Karten, jeweils zwei für jedes Team. "Da war von der ersten Minute an Feuer drin", beschreibt Bürkle die hitzige Atmosphäre in der Halle und eine sowohl hochklassige wie auch kampfbetonte Partie mit dem glücklicheren Ausgang für die "Gallier".

Die dramatischen letzten zehn Minuten

Zwar lagen die Gastgeber meistens in Front, in den letzten zehn Minuten kam der HBW aber wieder heran, ging durch Kapitän Felix Danner sogar mit 32:31 in Führung. Sechs Sekunden vor dem Abpfiff bekamen die Balinger bei Gleichstand einen Strafwurf zugesprochen. Oddur Gretarsson, der zuvor schon sechsmal von der Siebenmeterlinie sicher verwandelt hatte, schnappte sich den Ball. Doch der ehemalige Balinger Keeper Matej Asanin parierte.

Tim-Out! Oder doch nicht?

Noch während das Spielgerät zum Schützen zurückflog, knallte Eulen-Coach Michel Abt die Grüne Karte für die Auszeit auf den Kampfrichtertisch. Einen Wimpernschlag später verwandelte der Isländer den Nachwurf – aber das Kampfgericht hatte die Partie für das Time-out unterbrochen.

Lange Diskussionen

Nach einer langen Diskussion zwischen Kampfgericht, Schiedsrichtern und Trainern wurde zum Entsetzen der Friesenheimer und ihrer Fans der Strafwurf wiederholt. Dieses Mal blieb Gretarsson der Sieger und bescherte seinem Team den so ersehnten Sieg im ersten Saisonspiel. Bürkle erklärte diese kuriose Szene folgendermaßen: Nach der Abwehraktion von Asanin hätten die Eulen den Ball eben nicht unter Kontrolle gehabt, da dieser ja zu Gretarsson zurücksprang. Folglich hätte es keine Auszeit geben dürfen. Und deshalb habe der Siebenmeter wiederholt werden müssen.

Jens Bürkle sieht "verdienten Sieg"

Letztlich sei es ein verdienter Sieg gewesen, meint der 41-Jährige. Er habe eine gute Mannschaftsleistung gesehen, und die Mentalität habe gestimmt, weil das Team trotz der vielen Rückstände unbedingt habe gewinnen wollen. "Die letzten zehn Minuten waren top", lobt er Disziplin und Einsatz seiner Jungs.

HBW handelt sich ungünstige Zeitstrafen ein

Den besseren Start hatten die Gastgeber erwischt, die mit 2:0 in Führung gingen. Dank eines stark haltenden Torhüters Simon Sejr kamen die "Gallier" aber heran und legten ihrerseits durch Treffer von Daniel Thor Ingason sowie Patrick Volz auf 6:4 vor. Bis zum 15:15 war die Partie total ausgeglichen, doch Jona Schoch und Tobias Heinzelmann handelten sich innerhalb weniger Sekunden Zeitstrafen ein. Die Ludwigshafener, die bereits ihren Kapitän Maximilian Haider wegen einer Roten Karte verloren hatte, gingen mit einem 18:16 in die Kabine.

Die nächste Rote Karte

Danner und Moritz Strosack glichen nach dem Wiederanpfiff umgehend aus. Die Gastgeber legten zwar wieder vor, verloren aber schon in der 33. Minute Sebastian Trost mit einer Roten Karte. Er hatte den überragenden Balinger Regisseur Filip Vistorop unabsichtlich am Hals getroffen. Es blieb ein enges Spiel mit leichten Vorteilen für die Eulen, die sich zeitweise auf drei Tore absetzten.

... und auch Jona Schoch sieht Rot

Doch der HBW kam immer wieder heran, obwohl Guilher Linhares (42.) und Schoch (57.) ebenfalls den Roten Karton zu sehen bekamen, weshalb Bürkle mit Ingason auf halbrechts und Elias Huber in der Mitte improvisieren musste. "Bei der Atmosphäre, unseren Verletzten und den Roten Karten muss man dort erst einmal gewinnen", freute sich Bürkle über den "guten Start bei einem schweren Gegner".

Eulen Ludwigshafen – HBW Balingen 33:34 (18:16)

HBW Balingen-Weilstetten: Sejr (1.-30./42.-60.), Ruminsky (31.-42.); Gretarsson 9/7, Vistorop (7), Strosack (5), Schoch (4), Danner (2), Ingason (2), Linhares (2), Volz (2), Heinzelmann (1), Huber, Fügel (n.e.).

Eulen Ludwigshafen: Urbic (1.-18.), Asanin (18.-60.); Klein (8), Mayer-Siebert (5), Zacharias (5), Durak /3), Bührer (2), Eisel (2), Haider (2), Neuhaus (2), Trost (2), Salger (1), Schaller (1), Falk, Keskic.

Rote Karten: Haider (23.), Trost (33.) – Linhares (42.), Schoch (57.).

Zeitstrafen: 0 – Ingason (2), Heinzelmann (2), Schoch (1).

Nächstes Spiel: HBW Balingen-Weilstetten – VfL Lübeck-Schwartau, Samstag, 10. September, 19.00 Uhr, SparkassenArena Balingen.