Hanna Ponkala-Nitsch (Violine, von links), Rie Kibayashi (Klavier) und Larissa Nagel (Violoncello) eröffnen die Meisterkonzerte-Saison in Oberndorf. Foto: Weber

Die neue Meisterkonzerte-Saison startete am vergangenen Samstag in der Klosterkirche. Zahlreiche Zuhörer wollten sich den Auftakt nicht entgehen lassen. Sie wurden mit einem herausragenden Konzert belohnt.

Oberndorf - Georg Mais, Vorsitzender der Südwestdeutschen Mozartgesellschaft und Organisator dieser Konzertreihe, stellte die Solistinnen des Abends, das Trio Hannari Frankfurt, vor. Dieses 2020 gegründete Ensemble konnte viele namhafte Preise erringen und gastierte unter anderem im Konzerthaus Berlin und in der Elbphilharmonie. Am Samstag eröffnete das Trio die neue Klassik-Saison in der Klosterkirche.

Haydn, Beethoven und Brahms

Mais meinte mit einem Augenzwinkern, die drei jungen Damen, Hanna Ponkala-Nitsch (Violine), Larissa Nagel (Violoncello) und Rie Kibayashi (Klavier) würden "angestaubte" Musik zu Gehör bringen. An diesem Abend standen Klaviertrios von Joseph Haydn (1752 – 1809), Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) und Johannes Brahms (1833 – 1897) auf dem Programm. Die Werke wurden mit Violine, Cello und Klavier aufgeführt.

Als das Trio das Konzert mit dem Allegro aus dem Klaviertrio D-Dur Hob. XV:16 eröffnete, erwies sich diese strahlende Musik genau so jung wie die Künstlerinnen. Ihre Spielfreude zeigte sich deutlich, anscheinend mühelos war ihr Musizieren.

Das so einprägsame Thema war immer wieder herauszuhören. Eine Generalpause teilt diesen Satz, dessen Moll-Schatten im glänzenden Schluss aufgehoben werden. Der Mittelsatz ist tänzerisch angelegt. Haydn lässt dieses Meisterwerk mit einem strahlenden Schluss enden.

Musik mit Hingabe zelebriert

Eigenwillig beginnt das viersätzige Klaviertrio Es-Dur op. 1 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven. Ein Dreiklang, der immer weiter aufsteigt, eröffnet das Werk. Die Figur taucht in der Durchführung immer wieder auf. Doch auf Art Beethovens, der unvermittelt mit Fortissimo-Einwürfen den Melodienfluss unterbricht.

Hier zeigte Hanna Ponkala-Nitsch an ihrer Violine einen ausgesprochen runden Ton. Im Adagio erfüllte Rie Kibayashi das geforderte cantabile (liedhaft) trefflich. Das Trio zelebrierte diese edle Musik mit Hingabe.

Technisch anspruchsvoll

Übergroße Tonsprünge von einer Oktave und mehr klingen gar nicht "klassisch" und stellten besonders für Larissa Nagel technisch eine Herausforderung dar. Dazwischen liegen Klavierläufe extremer Schwierigkeit. Mit einem strahlenden Schlussakkord endet dieses erste Beethoven-Klaviertrio.

In der Pause vollzog sich ein Zeitenwechsel. Mit dem Klaviertrio H-Dur op. 8 von Johannes Brahms, das in seiner zweiten Fassung 1889 uraufgeführt wurde, reiste das Trio ins 19. Jahrhundert.

Das herrliche Thema des Allegro con brio ist hinreißende Musik. Die oft gewaltigen Ausbrüche des Flügels und auch der Streicher weisen auf die Entstehungszeit der ersten Fassung hin: die Mitte des 19. Jahrhunderts, die Hochblüte der späten Romantik.

Publikum begeistert

Ins Scherzo mit seinem Pianissimo-Anfang mischen sich selten zu hörende Harmonien, die fragwürdig schwebend klingen. Ein verhaltender Schluss beendet das Scherzo. Im Trio steht ruhiges, inniges Musizieren im Vordergrund, wobei es sich manchmal nach einem Dialog zwischen Klavier und Streicher anhört.

Der Beginn des Finales ist fast tänzerisch. Das Thema wird in ungeradem Takt weitergesponnen und die Stimmen kunstvoll verwoben. Ein strahlender Schluss beendete dieses Klaviertrio. Nach riesigem Applaus gab es als Zugabe einen spanischen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts an: Von Joaquìn Turina (1882 – 1949) wurde der 1. Satz aus seinem zweiten Trio aufgeführt.