Calw startet am Donnerstag in den Klostersommer in Hirsau: Bis 10. August gibt es Konzerte im besonderen Ambiente des Klosters. Doch der Veranstaltungsort birgt Herausforderungen.
Jürgen Ott ist bereit für den Klostersommer. Da kann das Wetter sein, wie es will. So sei das eben bei Open-Air-Veranstaltungen. „Das wird, ich bin Optimist“, sagt der Veranstalter des Calwer Klostersommers in Hirsau. Zumal das Festivalgelände am Mittwochvormittag praktisch bereit ist.
Bereits am Samstag hatte der Aufbau der Bühne begonnen, inzwischen steht sie. Die Klappstuhlreihen vor der Tribüne sind genauso vorbereitet wie der VIP- und der allgemeine Besucherbereich. „Regen geht auch, wir haben insgesamt 6000 Regencapes auf Lager“, erzählt Ott.
Am Donnerstagabend, 31. Juli, kann es also losgehen: Musiker Wolfgang Ambros wird den „Calwer Klostersommer in Hirsau“ eröffnen.
Etwa 15 000 kommen jedes Jahr
Seit dem Jahr 2008 findet die Veranstaltungsreihe im Kloster St. Peter und Paul in Hirsau statt. Etwa 15 000 Zuschauer erleben jedes Jahr den Calwer Klostersommer mit. Bei stark besuchten Konzerten sind 150 Mitarbeiter im Einsatz.
Das Ambiente ist besonders, aber bringt deshalb auch besondere Herausforderungen mit sich. Das macht die Veranstaltung immer aufwendiger und damit teurer – etwas, das Ott definitiv mehr Sorgen macht als das Wetter. In den Anfangszeiten des Festivals im historischen Gemäuer „durften wir im Grunde genommen alles machen“, erzählt Ott, der die Konzerte mit seiner Agentur Concetera veranstaltet.
Zahl der Auflagen steigt
Seither allerdings sind die Auflagen seitens der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg gestiegen. Diese Anstalt des öffentlichen Rechts betreut und vermarktet 63 landeseigene, historische Monumente im Südwesten – darunter das Kloster Hirsau.
Solch ein Bau muss geschützt werden. Allerdings bringen allzu strenge Auflagen Konzertveranstalter wie Ott in Bedrängnis.
Nach der Corona-Zwangspause habe es große Einschnitte gegeben. „Seither zahle ich statt 400 Euro Miete für die Gesamtzeit 400 Euro am Tag, inklusive der Auf- und Abbautage“, erzählt Jürgen Ott. Und das, wo mit solch einem Festival kaum mehr Geld zu verdienen sei. Ohne Sponsoren und Fördermittel der Hesse-Stadt ließe sich laut Ott der Calwer Klostersommer nicht stemmen. „Kultur trägt sich fast nie allein.“
Durch den Ticketverkauf lassen sich demnach nur 80 Prozent der Kosten decken. Etwa 150 000 bis 200 000 Euro an Kosten bleiben. „Beim Klostersommer bewegen wir mehr als eine Million Euro“, sagt Jürgen Ott.
Darüber hinaus müsse er sich inzwischen sein Programm vorab genehmigen lassen von den Staatlichen Schlössern und Gärten, das gelte zudem für jeden Sonnenschirm, jedes Zelt und jeden Werbebanner, die er aufstelle oder -hänge – weil diese nicht ins Ambiente passen würden.
Auch die Einschränkungen bei Anlieferungen sind mehr geworden: So dürften große Lastwagen, 40-Tonner, nicht mehr an den Kreuzgang – wo Tribüne und Bühne stehen – fahren. Das heißt alles Material, das die Künstler mitbringen für ihre Auftritt, muss hingeschoben oder auf kleinere Fahrzeuge umgeladen und dann hingefahren werden. Und an vielen Stellen muss Jürgen Ott den Boden mit Holzplatten, dicken Gummi- oder Kunststoffmatten abdecken.
Neue Perspektiven
Da könnte der Eindruck entstehen, die Staatlichen Schlösser und Gärten seien weniger daran interessiert, dass „ihre“ Monumente auch für Veranstaltungen genutzt werden.
Gleichzeitig finden sich auf der Internetseite der Behörde zahlreiche Veranstaltungstipps. Konzerte im Residenzschloss Ludwigsburg etwa, „Sunset Vibes“ am Schloss Solitude in Stuttgart oder Open-Air-Konzerte im Garten von Schloss Salem werden dort angekündigt. Den Calwer Klostersommer indes findet man dort nicht. Warum?
Schönheit der Monumente aus neuer Perspektive erleben
Es sei nicht möglich, alle Veranstaltungen automatisch auf der eigenen Webseite einzupflegen, teilt der Presseservice der Staatlichen Schlösser und Gärten auf Nachfrage mit. „So auch in diesem Fall. Wir bitten hierfür um Verständnis.“
Und: „Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg begrüßen es, wenn externe Kulturveranstaltungen in den landeseigenen Monumenten stattfinden.“ Solche Veranstaltungen gäben den Besuchern „im Einklang mit dem Denkmalschutz“ die Möglichkeit, die Bedeutung und die Schönheit der Monumente aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen.
Was Musikfans geboten wird – und was doch nicht
Konzerte
Von 31. Juli bis 10. August gibt es (außer am 5. August) jeden Abend eine Veranstaltung. Beginn ist jeweils ab 20.30 Uhr. Auf Wolfgang Ambros folgt am Freitag, 1. August, Giovanni Zarrella. Außerdem stehen unter anderem Jethro Tull, „SWR 1 Pop & Poesie“, Schiller und Suzi Quatro auf dem Programm. Das Festival endet mit „Das Kloster leuchtet – Kloster in Flammen“. Das gesamte Programm findet sich unter www.klostersommer.de.
Absage
Das Konzert von Pietro Lombardi, das für den 5. August geplant war, hatte Jürgen Ott mangels Nachfrage Anfang Juli abgesagt. Wer bereits ein Ticket gekauft hatte, konnte es zurückgeben. Über die großen Portale sei das „problemlos und schnell“ gegangen. „Das ist für uns als Veranstalter wichtig.“ Lediglich zwei Rückmeldungen hätten ihn zur Konzertabsage erreicht. Tenor: „schade, aber verständlich.“ Eine Anfrage unserer Redaktion an das Management von Pietro Lombardi, was der Künstler zur Absage des Konzerts nahe seiner Heimatstadt Karlsruhe sagt, blieb unbeantwortet.