Das Buch der Bücher ist drei Milliarden Mal verkauft worden – auch an die Vier, die in St. Maria in Onstmettingen die Reihe des katholischen Dekanats Balingen eröffnet haben: „Menschen von hier – lesen aus der Bibel“ – und das ziemlich bewegend.
Zufall? Als Leila Bettighofer die Hochzeitsbibel ihrer Eltern hervorholte, um in der katholischen Kirche St. Maria daraus vorzulesen, fand sie eine Widmung des Pfarrers darin – „mit genau jener Bibelstelle, die ich ausgesucht hatte: dem Hohelied der Liebe“.
Wie schön war der Auftakt zur Reihe „Menschen von hier“ des katholischen Dekanats Balingen, traditionell mit dem Abend „lesen aus der Bibel“, als die ehemalige Oberministrantin den Text aus 1. Korinther 13 vorlas und davon erzählte, wie „Glaube, Hoffnung und Liebe“, die der Apostel Paulus darin preißt, in ihrem Leben eine Einheit bilden. „Jeder glaubt doch an irgendetwas, und wenn es der Weihnachtsmann ist“, rief die Erzieherin den Zuhörern zu, der es wichtig ist, Liebe und Glaube weiterzugeben.
Das gilt auch für Maximilian Kappe, ebenfalls Erzieher und Oberministrant, der seine Kinderbibel mitgebracht hatte, in der er seit seinem vierten Lebensjahr regelmäßig geschmökert, die er an Weihnachten immer neben die Krippe gelegt und die nach wie vor einen besonderen Platz in seinem Bücherschrank hat.
„Die Kinder sind die Wurzel des ganzen Baumes“
„Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes“ – es waren die Worte aus Markus 10, die Kappe ausgewählt hatte – die Segnung der Kinder. „Sie sind die Basis, wie die Wurzeln eines Baumes“, kommentierte der Laufener, der schon früh in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv war und bald mit 30 jungen Ministranten nach Rom reisen wird. Nur wenn die Wurzel gut sei, könne der Baum stark werden, sagte Kappe und ermutigte die Zuhörer, öfter mal zur Bibel zu greifen, um die Worte Jesu zu lesen: „Kommt zu ihm selber!“
Josef Ungermann durfte schon zum zweiten Mal in der Reihe aus der Bibel vorlesen – inzwischen als Beauftragter des Zollernalbkreises für Menschen mit Behinderung. Die Bibel sei Richtschnur für die Gesellschaft, wichtige Werte seien darin niedergeschrieben, und „wenn nicht alles glatt läuft im Leben, liest man manches mit ganz neuen Augen“.
Als Ungermann, der 16 Jahre auf dem Ortsamt Onstmettingen und zwölf Jahre als Bürgermeister von Obernheim tätig war, seine Gesundheit zum Vorruhestand zwang, hat er aus Kohelet 3 aus dem Alten Testament gelernt, „Veränderungen anzunehmen und das Beste daraus zu machen“, denn „Alles hat seine Zeit“, wie es in dieser Stelle der Schriften der Weisheit heißt.
Die „Grundermächtigung“ zur Kirchenmusik
Weil Ungermann aber auch aus der Musik immer Kraft getankt hat, zitierte er auch Psalm 150, die „Grundermächtigung für die Musik, auch die Kirchenmusik“, die Renate, Hansjörg, Jan-Philipp, Julian und Raphael Alber an diesem Abend förmlich zelebrierten. Klassische Kirchenmusik, aber auch moderne Stücke wie „Yesterday“ und „I Will Follow Him“ erfüllten das Gotteshaus, in dem Hausherr Hans-Joachim Fogl zunächst von seiner Zeit in Singapur berichtete, wo seine muslimische Haushaltshilfe ihn gelehrt habe, seine Bibel nicht auf den Boden zu legen. Inzwischen hat er das meistverkaufte Buch der Welt, wie Gastgeber Achim Wicker, der Dekanatsreferent, betonte, sogar als App auf dem Handy und in mehreren Zimmern verteilt, greift oft danach, „um zwischendurch zur Ruhe zu kommen“. Das tut er am liebsten mit dem Johannesevangelium, speziell dem vierten Kapitel, wo Jesus am Jakobsbrunnen die Samariterin um Wasser bittet – und vom lebendigen Wasser spricht, dessen Quelle Gott sei.
Das Bild zur Bibelstelle, das eine Freundin ihm zur Priesterweihe geschenkt habe, hat Fogl nach der Rückkehr aus Singapur bei seinen eingelagerten Sachen wiedergefunden, was ihn besonders freute: „Wenn Sie mich vor zehn Jahren gefragt hätten, was meine Lieblingsstelle in der Bibel ist, wäre es auch diese gewesen!“