„Wir haben alte Lieder, ja sehr alte Lieder mitgebracht“, kündigte Wolfgang Ambros bei seinem Auftritt zum Klostersommer-Auftakt an. Dem Publikum gefiel’s.
Auf Stöcken gestützt kommt Wolfgang Ambros auf die Bühne. Dann lehnt sich der Wiener Sänger, Musiker und Liederschreiber gegen eine Art Hocker. Denn nicht nur das Gehen, sondern auch das Stehen fällt ihm sichtlich schwer.
Man tritt Ambros sicher nicht zu nahe, wenn man, vorsichtig ausgedrückt, seinen Lebenslauf als strapaziös bezeichnet. Zuweilen mag er zu viel von allem zu sich genommen haben. Da wundert es schon, wie kraftvoll seine Stimme mit 73 Jahren ist.
Es macht ihn einzigartig
Sie ist noch immer kräftig, wenn sie auch altersgemäß brüchiger geworden ist. Was seinem Auftritt keinen Abbruch tut – im Gegenteil. Da macht es auch nichts, wenn er den einen oder anderen Ton nicht ganz genau trifft. Das alles macht Ambros einzigartig, fasziniert noch immer das Publikum. Das ist besonders eindrucksvoll, wenn er in dem Lied „Die Kinetten wo i schlof“ aus seinem grandiosen Album „Es lebe der Zentralfriedhof“ (1975) die traurige Realität eines Obdachlosen schildert.
Die großen Kracher
„Wir haben alte Lieder, ja sehr alte Lieder mitgebracht“, kündigte Ambros unter dem Jubel der Zuhörer an. „Wir haben nichts anderes zu bieten“, setzt er einen kleinen Schmäh obendrauf. Und in der Tat: Mit „Verwahrlost aber frei“ geht es los. Die großen Kracher, der Zentralfriedhof, der Hofer und „Die Blume aus dem Gemeindebau“ kommen im Zugabe-Block am Schluss. Und dann ganz am Ende sein größter Hit „Skifoahrn“, in Österreich eine Art zweite Nationalhymne.
Da konnte Ambros seine Stimme schonen. Das Publikum sang lauthals mit.
Und dann Liebeslieder über seine Beziehungen zum weiblichen Geschlecht. „L‘Amour-Hatscher“ sagt man dazu in Wien. Ob „Lass das Radio hören“, „Bettina“, Langsam wachsmer zsamm“ oder „Du bist wie die Wintersunn“ – sie sind meist durchzogen von einer leichten Melancholie, die Möglichkeit des Scheiterns meist inbegriffen.
Dann die Reminiszenzen an andere große Liederschreiber. An Bob Dylan zum Beispiel, der für sein „Geschreibsel“, wie Ambros meinte, den Literaturnobelpreis bekommen hat. Den Titel „Love minus zero/No Limit“ fand er zu kompliziert. Da hat er einfach „Wahre Liebe“ draus gemacht. Seine Ösi-Version des Kinks-Klassikers „Sunny Afternoon“ von Ray Davies nennt sich „Herumliegen in der Sunn“ und verstärkt fast den Zynismus des Originals. Auch seinem 2007 verstorbenen „Lebensmenschen und Freund“ Georg Danzer erweist er die Ehre und besingt in „Jö schau“ den Nackerten im Hawelka, einst ein berühmtes Künstlercafé. Und noch ein Wiener wird bedacht: Ostbahn Kurti mit „Feuer“.
Wolfgang Ambros, schon zum sechsten, und, wenn es nach ihm geht, nicht zum letzten Mal in Hirsau, hat ganz wesentlich zu einem gelungenen Auftakt des Klostersommers 2025 beigetragen. Zu allem Überfluss hat auch das Wetter wider Erwarten mitgemacht.
Riesiger Applaus
Allenfalls eine Jacke oder ein Pulli war bei der Kühle im Kloster hilfreich. Herz und Seele dürfte Ambros ein Stück weit gewärmt haben. Die Besucher dankten es ihm mit einem riesigen Applaus.
Begleitet wurde er von einer exzellenten fünfköpfigen Band und zwei Background-Sängerinnen. Den Namen „Die No. 1 vom Wienerwald“ tragen sie zurecht.