Es war eine Premiere, mit der die Narrenzunft Schwenningen in die Hohen Tage gestartet ist: die Schlüsselübergabe, die zur neuen Tageszeit am Schmotzigen stattgefunden hat.
Unter anderem mehr Frequenz von Jung und Alt auf dem Marktplatz hatten sich die Verantwortlichen der Narrenzunft durch das neue Prozedere der Schlüsselübergabe erhofft – und auch, wenn der Platz um die Mittagszeit vor dem Kinderumzug wetterbedingt nicht voll war, war es dennoch ein Erfolg, den die Narren mit der – zweigeteilten – Schlüsselübergabe feiern konnten.
Startschuss im Rathaus
Aber von vorn: Denn der erste Teil vom offiziellen Startschuss in die Hohen Schwenninger Tage war bereits am Morgen, allerdings bewusst unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Dann nämlich hatten sich zwei zweite Klassen der nahe liegenden Gartenschule auf den Weg Richtung Rathaus gemacht – mit dem Ziel, dem Oberbürgermeister den Rathausschlüssel aus den Händen zu nehmen, um anschließend mit den Narren die Schüler aller Schwenninger Schulen zu befreien und zeigen: In den kommenden Tagen ist die Stadt außer Rand und Band, haben die Narren das Zepter in der Hand.
Und ihre Mission, den Stadtschlüssel zu bekommen – die sie im Übrigen in Schulstunden an fünf Freitagen zuvor zusammen mit Hanselvatter Jörg Schlenker sowie Jugendvertreterin Jana Meier vom Schwenninger Dutzend der Narrenzunft angegangen waren beziehungsweise erarbeitet hatten – war durchaus erfolgreich.
Die Maßnahmen
Im Sitzungssaal vom Rathaus durften die Zweitklässler, ausgestattet mit einer Maske mit Bild von Jürgen Roth, Platz nehmen. „Wir sind nicht zum Spaß hier – wir wollen den Schlüssel und haben dafür etwas vorbereitet“, lenkt der Hanselvatter den Fokus schnell auf die Schlüsselübergabe, wenn der Oberbürgermeister erscheint.
Zuerst stellen Gartenschüler ihr selbstgedichtetes Lied vor, in dem es heißt: „Die Fasnet steht vor der Tür, deswegen sind wir hier“, und ebenso in einer Passage „Schlüssel raus!“– doch der OB zeigt noch kein Erbarmen, lenkt erstmal die Aufmerksamkeit auf die Geschichte des Hölzlekönigs, die die Schüler gut vorbereitet und eifrig vortragen.
Ein gemeinsames Netz
Erst, nachdem der OB die Aufgabe, den Satz „Schlüssel raus“ in verschiedenen Muttersprachen der Gartenschüler, egal ob russisch, italienisch oder rumänisch, nachzusprechen, erledigt hat, ist er willig, den Schlüssel herauszurücken.
„Jetzt haben wir ihn endlich“, freut sich ein Mädchen sichtbar, und knüpft zusammen mit ihren Mitschülern aus Seilen ein Netz an den überdimensional großen Schlüssel, mit dem es zusammen mit Zunftmeister, Narrenrat, Hölzlekönig, Hansel, Schantle und Co. in die Schulen geht.
Der offizielle Teil
Rund zwei Stunden später, wenn der OB schon längst aus dem Städtle vertrieben ist und die Narren auf den Marktplatz eingesprungen sind, ruft Narrenpolizist Nils Mühlbacher erstmals vor den Augen vieler Bürger offiziell vom Rathaus Balkon die Fasnet aus.
Und damit „die großartige Fasnet gefeiert werden kann, gelten ab jetzt folgende Bestimmungen“, stellt der Narrenpolizist einige närrische Regeln, teils mit Seitenhieb auf die Lokalpolitik klar.
So sei es unter anderem verboten, mobile Radarfallen unter die Narrenbäume zu stellen, zudem müsse die neu einzubauende Eisfläche in der Helios-Arena mit 15-Grad-Neigung Richtung gegnerischem Tor erfolgen, damit der Puck bei den Wild Wings endlich mal wieder ins Tor rutsche.
Die Botschaft
Doch seine Hauptbotschaft ist die, die auch Zunftmeister Florian Schütze anschließend aufgreift: „Ein jeder Narr hat nach altem Brauch in sein Narrenhäs zu schlüpfen und stolz zu narren“ – und ein jeder solle für eine schöne Fasnet 2026 sorgen.