Luca Waldschmidt, Wout Weghorst und Maximilian Arnold (von links) wollen in der Champions League jubeln. Foto: dpa/Tom Weller

Nach dem tollen Saisonstart in der Bundesliga will der VfL Wolfsburg auch in der Königsklasse erfolgreich sein – mit einem Mann an der Linie, der sich in diesem Wettbewerb bestens auskennt.

Stuttgart/Lille - Maximilian Arnold, so viel lässt sich sagen, hat im Sommerurlaub nicht komplett abgeschaltet. Man soll das ja nicht tun, man soll sich in den freien Tagen nicht mit dem Beruf beschäftigen, aber beim Mittelfeldmann des VfL Wolfsburg ging es nicht anders – weil ihm seine Frau neben ihm auf der Sonnenliege einen Strich durch die Rechnung machte und die Ruhe störte. „Sie hat einmal die Hymne der Champions League abgespielt“, berichtete Arnold nun: „Da hatte ich am Pool eine Gänsehaut.“

 

Der Gedanke an den Job also war immerhin kein stressiger, es war ein schöner, die Vorfreude war groß – jetzt hat das Warten für Arnold ein Ende. An diesem Dienstag startet der VfL mit dem Auswärtsspiel beim französischen Meister OSC Lille (21 Uhr/DAZN) in die Gruppenphase der Königsklasse, und vielleicht kann man sich das vertraute Zusammenspiel bei den Arnolds kurz vor dem Anpfiff so vorstellen: Der Mann bekommt beim Abspielen der Hymne auf dem Platz eine Gänsehaut und die Frau daheim auf dem Sofa vor dem Fernseher auch.

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Über solche Gefühlswallungen kann der neue Wolfsburger Trainer Mark van Bommel dagegen wohl nur müde lächeln, auch wenn er das so nie sagen würde. 76 Einsätze in der Champions League stehen für den Niederländer in den Statistiken, mit dem FC Barcelona gewann er 2006 den Henkelpott, vier Jahre später stand er mit dem FC Bayern im Finale (0:2 gegen Inter Mailand in Madrid). „Ich kann den Jungs dazu natürlich einige Sachen erzählen, aber die Königsklasse muss man selbst erfahren und erleben“, sagte van Bommel nun vor dem Start in den Wettbewerb, den er auch als Trainer bestens kennt: In seiner ersten Saison als Trainer der PSV Eindhoven war er vor drei Jahren ebenfalls in der Champions League dabei.

Jetzt will der frühere „Aggressive Leader“ des FC Bayern mit den Wölfen durchstarten – und die Vorzeichen sind gut. Nach dem Bundesliga-Start mit zwölf Punkten aus vier Spielen reisten die Niedersachsen optimistisch nach Frankreich. Und dass der VfL eine machbare Gruppe erwischte (Red Bull Salzburg und der FC Sevilla sind die weiteren Gegner), schmälert die Zuversicht nicht.

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Nach einer starken Bundesliga-Saison 2020/21 plant der VfL Wolfsburg also den nächsten Schritt in Europa. Dem erfolgreichen, aber international unerfahrenen Oliver Glasner gestattete der streitbare Geschäftsführer Jörg Schmadtke im Sommer nach seinen turnusmäßigen Unstimmigkeiten mit dem jeweiligen Chefcoach im Amt den Wechsel zu Eintracht Frankfurt. Van Bommel soll nun mit seiner Ausstrahlung und seiner Reputation für Glanz und Gloria in Wolfsburg sorgen.

Der Coach wirkt gelassener

Dabei trat der Neue in seinen ersten Wochen als Bundesliga-Trainer so ganz anders auf als früher. Als Mittelfeldmann gab er einst oft den Provokateur, er setzte die berühmten Zeichen mit gesunder und manchmal auch ungesunder Härte, und auch die Schiedsrichter knöpfte sich er sich gerne vor (das aber immerhin nur verbal). Jetzt wirkt van Bommel als Trainer an der Seitenlinie gelassener, fast in sich ruhend – nur die Sache mit der Anzahl der erlaubten Wechsel brachte ihn nach der ersten DFB-Pokal-Runde bei Preußen Münster und dem nachträglichen Aus kurz aus der Fassung.

„Ich muss keine Show machen“, sagt van Bommel über den Trainer van Bommel – dabei holte ihn Schmadtke für die Show, allerdings nur für die auf dem Platz. Denn unter Glasner waren die Wölfe zwar erfolgreich, boten aber selten begeisternden Offensivfußball. Das soll van Bommel ändern.

Der Mutterkonzern bringt das Geld

Die Voraussetzungen sind nicht die schlechtesten – denn er kam im Sommer zu einem Verein, der sich dank des Mutterkonzerns Volkswagen kaum finanzielle Sorgen machen muss in der Pandemie. Der Geldgeber glich die Verluste aus, und die Einnahmen aus der Champions League halfen dabei, dass der VfL keinen namhaften Spieler verkaufen musste. Stattdessen wurden im Sommer rund 50 Millionen Euro in aufstrebende Profis wie Luca Waldschmidt (Benfica Lissabon) oder Lukas Nmecha (Manchester City) investiert. „Wir haben seit drei Jahren keine Leistungsträger verloren“, sagt Geschäftsführer Schmadtke: „Die Champions League ist eine Herausforderung – aber unser Kader ist in der Breite gut aufgestellt.“